Konrads von Würzlmrg ‘TrojanisGher Krieg’
und Benoits de Ste Maure ‘Roman de Troie’.
Inaugural-Dissertation
zur
Erlangung der Doktorwürde
genehmigt,
von der philosophischen Fakultät
der
Friedrich Wilhelms- Universität zu Berlin
von
Karl Basler
aus Mainz.
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Referenten:
Professor Dr. Gustav Roethe.
Professor Dr. Erich Schmidt.
Druck von August Hofl'inann, Leijizig.
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Meinen Eltern.
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Konratls Trojanerkrieg ist naturgemäß schon früh
und oft Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung ge¬
wesen. Diese Arbeiten waren entweder Quellenunter¬
suchungen wie: Carl Leo Cholevius, „Geschichte der
deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen“ (Leip¬
zig 1854); Karl Bartsch, Einleitung zu „Albrecht
von Halberstadt und Ovid im Mittelalter“ (Quedl. 1861);
oder es sind Teile größerer Arbeiten, die den gesamten
Trojasagenstoff behandeln, wie: Wilhelm Greif, „Die
mittelalterlichen Bearbeitungen der Trojasage“ (Marburg
1886); Hermann Dünger, „Die Sage vom trojanischen
Kriege in den Bearbeitungen des Mittelalters und ihre
antiken Quellen“ (Programm des Yitzthumschen Gym¬
nasiums. Dresden 1869); A. Joly, „Benoit de Sainte
More et le roman de Troie“ (I. Band, Paris 1870/71);
Clemens Fischer, „Der Roman de Troie als Vorbild
für die mhd. Trojadichtungen“ (Diss. Münster 1883).
Eine dem Trojanerkriege ausschließlich gewidmete
Arbeit fehlt noch. Die folgende Untersuchung hat die
Absicht, aus der Analyse des Werkes und aus dem Ver¬
gleich mit seinen Vorlagen, vornehmlich der Hauptquelle,
dem Roman de Troie des Benoit de Ste More, die Art
Konrad v. Würzburgs zu erkennen, seine Persönlichkeit
herauszuheben und seine dichterische Überlegenheit über
den französischen Meister festzustellen. Diesen Zwecken
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dient der „Trojanerkrieg“ am besten, weil hier, als im
vollendetsten "Werke Konrads, alle Eigenarten des Dichters
auf die höchste Spitze getrieben sind und weil zudem die
Mischung französischer und lateinischer Quellen für die
verschiedene Behandlung dieser verschiedenen Autoren
den Blick schärft.
Zitiert wird im Folgenden nach den Ausgaben A. v.
Keller, Der Trojanische Krieg von Konrad von Würz¬
burg, Bibliothek des Stuttgarter lit. Vereins (Stuttg. 1858);
— L. Constans, Le Roman de Troie par Benoit de
Sainte Maure (Paris 1904).
Ich kürze im Folgenden die Namen der beiden Dichter
oft zu B. (Benoit) und K. (Konrad) ab.
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Einleitung.
Konrad v. Würzburg und Benoit de Sainte More sind
zwei Persönlichkeiten von ganz verschiedenem künst¬
lerischem Charakter. Schon die ersten Worte der Dichter
zeigen uns den großen Unterschied ihres Standpunktes.
Benoit, noch ganz im Banne der mittelalterlichen An¬
schauung, daß ein Dichter vor allem die „Wahrheit“
künden muß, versichert immer wieder, daß er weiter nichts
beabsichtige, als ein Werk nachzuerzählen, das nicht wie
das Homers ohne geschichtliche Wahrheit sei, sondern
getreu wiedergebe, was der Augenzeuge Dares in grie¬
chischer Sprache erzählt hat. „Dem lateinischen Vor-
• •
bilde“ [einer lat. Übersetzung des Dares] will Benoit
Stück für Stück folgen [V. 134], „nichts will er hinzu¬
fügen“, sondern „nur was er da fände“, berichten. Wissen¬
schaft zu verkünden scheint ihm Pflicht. „Schon Salomo
lehrte [V. lff], daß niemand seine Gedanken verheim¬
lichen soll. Man kann von Gutem nie zu viel hören,
wissen und lernen. Wer etwas Gutes weiß, soll es lehren
und verkünden.“ — Benoit verzichtet also von vomeherein
darauf, persönlich herauszutreten aus der Reihe der un¬
gezählten Durchschnittspoeten. Er will eben nur eine
Chronik des Trojanischen Krieges schreiben zum Nutz
und Frommen seiner Leser. Daß er, als wahrer Dichter,
ein Kunstwerk schaffen wollte, davon ist bei ihm keine
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Rede. Ganz anders Konrad! Der beginnt seine Dich¬
tung mit einer scharfen Auseinandersetzung, in der er
seine künstlerische Persönlichkeit in stolzem Selbstgefühl
den bloßen Geschichtenschreibern gegenüberstellt. Er will
einen Unterschied gemacht wissen zwischen schlechten,
kunstlosen Reimschmieden und wirklichen Dichtern. ,, W enig
Meister singen und sagen Gutes.“ „Im ganzen Lande
findet man kaum einen, der ein Meister guter Rede und
guter Töne genannt werden kann“ [V. 6 u. 50 ff.]. Aber
er ist einer dieser wenigen. Er singt nicht, wie etwa
ßenoit, seiner Leser und Zuhörer wegen, sondern weil
ihn die Muse zwingt. „Auch wenn mir Keiner zuhörte,
würde ich singen, daß mir selbst mein Sang und Klang
erschallte. Ich täte wie die Nachtigall, die mit ihrem
Gesänge sich selbst die Zeit lieblich vertreibt“ [V 176ff].
„Wie wenig Lohn ich davon habe, von jung und alt, so
kann ich doch nicht meiner Zunge zu singen verbieten.
Solange ich lebe, will ich nicht ablassen zu singen und
zu sagen“ [178 ff.]. Dieses „singen müssen“ ist ihm der
beste Beweis für die Göttlichkeit seiner Kunst. „Alle
Künste kann man lernen; nur die eine nicht: die Poesie.“
(Vgl. dazu Sprüche 32, 303). Diesen Vorrang der Poesie
führt er in der Einleitung seines Romans aus: „Alle Künste
brauchen Material, Vorbereitungen, Vorbilder usw. Nur
die Dichtkunst bedarf dessen nicht. Für diese heilige
Kunst ist nur Genie und Sprache nötig. Ein Schütze
[V. 102 ff] braucht Bogen und Pfeile; ein Schneider
Schere, ein Schuster Ahle und Borst. Niemand kann den
wilden Wald behauen ohne Hacke. Wer um eine schöne
Frau tumieren will, muß schönes Roß und schöne Kleider
haben. Auch die Musik bedarf der Instrumente.“ Mit
dieser hohen Auffassung der Poesie macht er sich an
sein Werk. Sein Grundcharakter, die epigonenhafte Über-
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treibung, kommt schon in seinem Ziele zum Ausdruck:
er will alles Bisherige überbieten; „eine Geschichte will
er schreiben, die aller Geschichten Krone sei!“ [223].
Er vergleicht sie mit einem „grundlosen Flusse, in dem
ein Berg versinken könnte“. „Wie in das tosende Meer
viele, viele Wasser fließen, so strömen in diese große Ge¬
schichte viele Erzählungen. Sie fließt mit Worten also
voll, daß man garnicht bis auf den Boden mit Herz und
Mund gelangen kann“ [236 ff.]. Hatte Benoit jede künst¬
lerische Selbständigkeit und Eigenmächtigkeit zurück¬
gewiesen, so erklärt Konrad, er wolle die alte Geschichte
von Troja „erneuern“, die Risse und Brüche wegbringen
und „verleimen“. Ein Wunder von seltsamen Abenteuern
soll es werden. Er will es „ausmalen“ und „mit Ge¬
dichten schmücken“ aus dem Französischen und Latei¬
nischen.
Aber trotz all des zierenden Beiwerkes will er ein
einheitliches, abgeschlossenes Ganze schaffen. Das sagt
er am Schlüsse seiner Einleitung, wo er klar und deut¬
lich das Thema seiner Dichtung aufstellt: Er will singen
von den Ereignissen, Kämpfen und Taten, die um Helenas
willen vor Troja geschahen. Dadurch, daß K. ein solches
Leitmotiv in seinen Roman bringt, beweist er seine künst¬
lerische Selbständigkeit, während Benoit, der nur eine
Chronik schreiben will, sein Werk mit einer trockenen
Inhaltsangabe beginnt: „Zuerst erzähle ich von Peleus und
Thetis, dann von Jason und Hercules, dann von Medea
und dem goldenen Vlies“ usw. [B. 141 ff.].
Benoits Unselbständigkeit kommt auch zum Ausdrucke
durch die fortwährende ängstliche Berufung auf den Ge¬
währsmann: Alle Augenblicke ruft er li livrcs oder l’istoire
zum Zeugen auf für das, was er berichtet [ß. 763,
913, 919, 1004, 1644, 2828, 2850, 2860, 2955, 3119,
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3990, 4856, 5510, 6040, 6229, 6527, 7101, 9304, 10099,
10166 usf.]. Ganz deutlich zeigt er seinen Standpunkt,
wenn er also z. ß. sagt: „Von seinem [Jasons] Leben
und seinen Taten werde ich nicht mehr erzählen, ich
finde es in dem „Buche“ nicht; Dares wollte nichts mehr
davon schreiben. Benoit will keine Lüge hinzudichten
und berichtet auch deshalb nichts mehr“ [2061]. Kon-
rad dagegen beruft sich wohl auch auf seine Quelle, z. B. :
19129 = B. 3989; 24650 = Ovid, Metam.XII 30378 =
B. 8009; 30603 = B. 8209 (wo K. die Reihenfolge der
Namen willkürlich ändert); 37 129 = B. 10126 (K. drückt
denselben Gedanken anders aus). Aber K. sucht darin
nicht einen Wahrheitsbeweis für das, was er sagt. Bei
ihm sind solche Berufungen nur traditionelle Formeln,
denen er sich nicht ganz entziehen kann. Das beweist
der Umstand, daß er bisweilen den Gewährsmann zitiert,
wo er gar keinem folgt: „König Leopolis kam mit 40 Schiffen
her, als ich lasli (23 868) [den hatte B. garnicht. (5583 ff.)].
— Jason iährt von Troja ab, um die Sache, die er vor¬
hatte, erst zu vollenden, als ich ez las (7200) [eigenes
Motiv Ks.; bei B. fliehen die Griechen aus Furcht vor
Laomedon (1127)]. Sehr unangebracht ist Ks. Berufung
auf die Vorlage, wo er erzählt, wie Antenor die griechischen
Fürsten zufällig und glücklicher Weise alle beisammen
findet: näh der schrifte sage, fügt er hinzu; B. 3277 be¬
richtet, daß Antenor nach einander jeden Fürsten einzeln
aufsucht.
Diese Freiheit Ks. gegenüber seiner Vorlage zeigt
sich auch in der Art, wie er den Stoff für seine Zwecke
benutzt, wie er die Erzählung verläßt, um einen anderen
Faden einzuspinnen, wie er wieder zurückkehrt, wenn die
Episode erledigt ist. „Hiermit lasse ich die beiden
[Achill - Deidamia] und erzähle euch, wie Troja neu er-
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baut wurde“ [17322], ebenso K. 11379, 17322 u. ö.
B. meistert den Stoff gamicht. Er schweigt, wenn seine
Vorlage schweigt, und hilft sich mit stets gleichen Redens¬
arten über die Verlegenheit hinweg: „Jetzt hab’ ich keine
Zeit, weiterzuerzählen; ich habe noch sehr viel anderes
zu berichten; ich will euch nicht länger mehr damit lang¬
weilen. Was soll ich weiter sagen? Es wäre töricht,
wollte ich mich quälen. Euch wäre es zuzuhören lang¬
weilig und mir noch mehr, zu erzählen!“ [B. 1639, 2043.
6516, 10551, 3163 usw.]. An solchen Stellen hat B.
wirklich nichts mehr zu erzählen ; wenn dagegen K. solche
Wendungen gebraucht, so will er sich zwingen, abzubrechen,
während er noch sehr, sehr viel sagen könnte. So etwa,
als er die Schilderung des Kampfes beenden will [12908],
er könne doch nicht jede Heldentat, die geschehen, be¬
richten, er müsse Halt machen. Dennoch redet er
70 Verse weiter, bis er ausruft: was tone hie lange rede
me? Trotzdem erspart er sie uns nicht, er redet fort.
Diese temperamentvolle Redseligkeit ist uns bei manchem
Bedenken immer noch lieber als Benoits verlegene Wort¬
armut.
Ausführung.
Den Absichten der beiden Dichter entsprechen im
Ganzen die Leistungen.
I. Komposition.
B. reiht die Tatsachen, wie sie in der Vorlage folgen,
aneinander. Ist ein Abschnitt zu Ende, so geht er zum
nächsten über, meistens mit typischen Wendungen wie:
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„liier sagt das Buch nichts mehr, also ich auch nicht**,
• •
oder er erzählt ohne Übergang das Folgende. Bei K.
liegt es schon darum anders, weil er nach einem be¬
stimmten Ziele hin verschiedene Handlungen nebeneinander
herlaufen läßt, die er nie aus dem Auge verliert und von
denen er nach wohldurchdachtem Plane bald die eine
und bald die andere hervorhebt. Dabei hält er sich
in der Grundlage an Benoit, doch ergänzt er ihn aus
andern Quellen, da er möglichste Vollständigkeit erstrebt.
Die Haupthelden haben bei K. ihre Vor- und Nach¬
geschichte, Liebesepisoden kommen zu ihrem Abschluß
und alle Sünden finden ihre Sühne (z. B. Peleus). Die
großartige Anlage des Konradischen Werkes soll eine
Analyse des Aufbaues erweisen.
1. Anlage und Aufbau.
Paris und der Raub der Helena war die Ursache des
ganzen Krieges. K. beginnt sein Werk mit Paris (Apfel¬
streit). Diese Basis der Ereignisse berichtet B. erst ganz
spät durch direkte Erzählung des Paris. K. macht diese
Episode zur Vorgeschichte seiner Dichtung. Ja, er geht
sogar noch weiter zurück: wir hören von der Geburt des
Paris, von der Furcht des Vaters, von Aussetzung und
Rettung des Kindes. Weiter erzählt K. von dem para¬
diesischen Leben des königlichen Knaben im Walde, von
der Fee Üenone (Egenoe). Seiner Gerechtigkeit, heißt
es dann weiter, verdankt er seine Berufung an den Hof
des Priamus, um den Streit der Göttinnen da zu ent¬
scheiden. — Soweit folgt K. keiner besonderen Vorlage;
höchstens, daß er einen oder den andern Zug irgendwo
hernimmt; so stammt das Motiv, daß die Liebenden den
Namen in die Rinde der Bäume schneiden, aus Ovid*
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5. Herolde [Cholevius]. — K. erzählt selbständig weiter:
Paris entscheidet sich für Venus; sie verspricht ihm das
schönste Weib, Helena. Heftige Liebessehnsucht erfaßt
ihn nach der Niegesehenen. Indessen wird seine Herkunft
entdeckt und Priamus nimmt den Sohn wieder auf.
Mit der Liebe des Paris zur Helena ist die Grund¬
lage zu seiner Dichtung gegeben. Aber K. braucht noch
einen Helden auf der Gegenseite, bei den Griechen. Das
ist natürlich Achill. Die Geschichte dieses größten
„Ritters“ bildet die Parallelhandlung in Konrads AVerk.
Hier zeigt sich wiederum die große Geschicklichkeit der
Komposition bei K. Die Art, wie er die Achill-Hand¬
lung einführt, wie er sie im rechten Augenblicke hervor¬
schiebt oder zurückdrängt, ist meisterhaft durchdacht und
ausgeführt.
Nachdem er die Paris-Geschichte bis zu einem ge¬
wissen Abschluß gebracht hat, bricht er ab und beginnt
die Achill-Episode so: wan ich grif an die rede wider
wie man daz kindelin erzöcli, des Thetis , diu frouwe
hoch, wart swanger zuo der höchgezit, du Paris der götinne
strit und) den vH schcenen apfel schiet [5766]. Es folgt
nun zunächst die Jugendgeschichte Achills. Es war na¬
türlich, daß er für diese Erzählung die Achillei's des
Statius heranzog. War dieser doch neben Vergil und
Ovid der bekannteste klassische Autor; hier fand K. was
er brauchte: die vollständige Geschichte eines heldenhaften,
kampfgierigen und vollkommenen, ritterlichen Jünglings.
Bei Stat. II 382 ff. erzählt Achill selbst seine Jugend¬
geschichte; K. formt das episch um, er hält sich nicht
streng an die Vorlage, sondern arbeitet selbständig mit
ihrem Material.
Nachdem er Achills Geschichte bis zum Ende seiner
Erziehung bei dem Centauren Schyron geführt hat, ist
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er dahin gekommen, wo Benoit sein Werk beginnt; den
• •
Übergang zur Argonautensage findet er leicht: Achill,
Peleus’ Sohn, war der gefeiertste Jüngling in Griechen¬
land; nur einer kam ihm an Tüchtigkeit gleich; das war
Jason, der Neffe des Peleus. (K. übernimmt die Ver¬
wechselung von Peleus — Pelias, die Benoit u. a. Erzähler
hatten). Das ärgert den König und er sinnt darauf, den
Jason aus dem Wege zu räumen. Das soll geschehen
durch die Fahrt nach dem goldenen Vliese, wo er den
Tod finden soll. — Mit diesem außerordentlich geschickten
• •
Übergänge ist K. bei Benoit angelangt. Er erzählt mit
ihm und nach ihm den Argonautenzug, den Zusammen¬
stoß unterwegs mit Laomedon, die Gewinnung des gol¬
denen Vlieses. Er bricht aber nicht wie B. hier ab, son¬
dern erzählt weiter Jasons und Medeas Schicksale
[10285—11377]. K. zieht hierfür die Schilderung Ovids
heran. Schon vorher, in der Erzählung der Liebe
zwischen Jason und Medea, benutzte er den Ovid für den
großen Monolog der Medea, wo Benoit sich ganz kurz
faßte [B. 1487, K. 8595, 0. Metam. VII 10]. Jetzt für
die weiteren Schicksale der Medea und Jasons folgt er
Ovid [K. 10245, 0. Met. VII 159]. Verjüngung des
Aeson, tückischer Mord der Medea; Peleus fällt unter
ihrem Opfermesser. — Dann verläßt K. den Ovid und
erzählt [selbständig?] weiter: Jasons neue Liebesglut zu
Creusa, Medeas Rache (Zaubergewand), Jasons und Me¬
deas Tod. Damit hatte diese Erzählung ihren Abschluß
gefunden. K. kann nun mit B. fortfahren:
von schulden muoz ich unde wil
hie län beliben under wegen,
wie der vil höehgeborne degen
beweinet würde b! der Zit.
und war Medea kaune sit,
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daz wirt ouch von mir hie verewigen,
des heldes clage läz ich ligen,
die man dur in des mälee truoc;
wan ich hän andere wol so gnuoc
ze künden und ze sagene,
daz mir nicht touc ze clagene
Jäsones grimmeclicher tot. usw.
daz masre, daz ich liez hie vor,
daz wil ich aber grifen an,
wie Jason der küene man
und Hercules gehiezen
daz si des nicht enliezen usw.
[11350]. Es folgt der Zug nach Troja. Da Jason tot
ist, übernimmt Herkules die Ausführung der Rache (K.
arbeitet also nicht gedankenlos!) [K. 11378 — 13016,
B. 2063 — 2810]. Nach der Zerstörung der Stadt und
Wegführung der Esiona berichtet K. nach ß., wie Priamus
das Unglück erfährt, wie er den Tod des Vaters und den
Raub der Schwester beklagt, wie er den Entschluß faßt
Troja wieder aufzubauen, herrlicher als zuvor.
Jetzt aber, nachdem wiederum ein Teil der Geschichte
seinen Abschluß gefunden hat, kehrt er, B. verlassend, zu
Achill zurück. „Troja“, sagt K., „ward — wie ich nachher,
wenn ich die Zeit für richtig halte, erzählen werde —
schöner und fester aufgebaut“ [13486]. Nun wieder ein
• • .
guter Übergang [13400]: „Die Nachricht von dem Wieder¬
aufbau Trojas kam nach Griechenland. Der neue Krieg
stand fest. Da hört Thetis von den Rüstungen in Troja
und wird von Furcht um Achill erfaßt.“
Nach Stat. I. erzählt K. [13488]: Thetis fährt zu
Schyron, schafft in der Nacht heimlich den Sohn übers
Meer zum Könige Lycomedes nach Scyrus [13974]. Der
Anblick der reizenden Tochter des Königs, Deidamia, be¬
stimmt den zornigen Achill, nach Weisung der Mutter in
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Frauenkleidem als Jocundille, Tochter der Thetis, da¬
zubleiben. Heftige Liebe erfaßt den Jüngling zu Dei-
damia, seiner Gespielin. Die Verkleidung läßt sich bald
nicht mehr verheimlichen, bei einem Bacchusfeste ent¬
deckt sich Achilles der Geliebten. Er kann seine Leiden¬
schaft nicht mehr zügeln, ein vil minneclich getät ergienc
da von in beiden [17004/5].
Mit den Worten: „Hiermit lasse ich die beiden und
zeige euch, wie Troja wieder erbaut wurde“, kehrt K. zu
der Haupterzählung und damit zu Benoit zurück. K.
[17 322] folgt nun Benoit und erzählt den Wiederaufbau
Trojas, Antenors Reise nach Griechenland, Rückkehr und
Bericht Antenors, Kriegsrat des Priamus, Abfahrt des
Paris nach Griechenland. Doch den eigentlichen Raub
der Helena und die Liebesleidenschaft der beiden erzählt
K. nicht nach B., sondern benutzt Ovids Heroiden XVI
und XVII [K. 20668]. Die Briefform Ovids gibt K.
durch eine längere Rede und Gegenrede wieder. Mit
einigen Umstellungen erzählt K. die Ankunft der Helena
in Troja, Rüstung der Griechen, Unwetter in Aulis, nach
Benoit. Die Opferung der Iphigenie, die B. nicht erzählt,
berichtet er nach Ovid Met. XII 6. Weiter nach B.
die Fahrt der Griechen nach Troia; K. schaltet unter¬
wegs die Schilderung des liumet ein, der die Kunde vom
Herannahen der Griechen nach Troja trägt; hier hält er
sich wieder an Ovid, Met. XII 39 — 63. Die nun fol¬
gende Gesandtschaft Ulixes’ und Diomeds, bei B. vor der
ersten Schlacht, verlegt K. hinter die Schlacht, weil er
den Achill wieder auftreten lassen will. Die Erzählung
Ks. geht also so weiter: die 1. Schlacht; dann Entsendung
der Boten [Ulixes und Diomedes] Dach Troja; dann:
Achill wird geholt. Auch bei dieser Gelegenheit findet
• •
K. einen schönen Übergang: nachdem Priamus die For-
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(lerung der Griechen (Herausgabe der Helena) abgelehnt
hat, kehren die Boten zurück. Ulixes schildert den Hector
als einen so furchtbaren Gegner, daß man die Hoffnung
aufgeben müsse, jemals Troja zu bezwingen. Nur eine
Möglichkeit gäbe es, mit Erfolg weiterzukämpfen: swer
die von Troie uolte mit b'eften überwinden, der müeste
ouch einen vinden, der also manhaft wcere, als Hector
ist der mcere! [27018]. Ja! wer sollte das sein? So
überlegt man im Lager der Griechen. „Da ward des
Helden gedacht, der Achilles hieß!“ Nach Stat erzählt
K. nun, wie Ulixes und Diomedes den Achill holen. Es
gelingt den Boten, den Kampfesgierigen durch die Schil¬
derung des großen Krieges zu begeistern; nachdem er
seine Liebesangelegenheiten durch Heirat der Deidamia
geordnet hat, folgt er dem Rufe zu Krieg und Schlacht¬
getümmel.
Mit Benoit berichtet K. von der 2. Schlacht; dann
Waffenstillstand, Bestattung der Toten. Hier hat K. Ge¬
legenheit, einen Bericht nachzutragen, den er seinem Leser
schuldig zu sein glaubt: die Erzählung von den weiteren
Erlebnissen des Herkules. Benoit hat ihn, der doch eine
bedeutende Rolle gespielt hatte, längst vergessen, K. aber
• •
schaltet mit geschicktem Übergang diese Episode hier
ein [37866]. „Nun geschah es einmal, daß die Griechen
ihr Leid durch Zerstreuungen zu vergessen suchten. Mit
Erzählungen von hovelichen mceren brachten sie die Zeit
zu. Sie gedachten so mancher, die in alten Tagen Lob
und Preis erstritten. Nestor, der erfahrene, würdige Greis,
nannte viele Namen berühmter Kämpfer. Nur eines
Helden schien er zu vergessen, des Herkules. Das ärgerte
den Isolaus, einen Sohn des Herkules, und er bat den
Filothet, der alles, was den Helden betrifft, wisse, zu er¬
zählen von den weiteren Taten und dem Schicksale des
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Herkules.-4 — Soweit Ks. eigene Worte. Dann erzählt
er nach Ovid, Met. IX 103 ff. die Geschichte des Her¬
kules und der Deianira, Tod und Rache des Centauren
Nessus, Herkules’ Untreue gegen Deianira und seinen
gräßlichen Tod. Zurückkehrend zu Benoit gibt K. Achills
Klage um den gefallenen Patroklus, Totenfeier, Palamedes’
Angriff auf Agamemnon und die 3. Schlacht. Jetzt greift
er B. vor, er bringt hier schon die Rehabilitation Aga-
memnons, die B. erst später berichtet. Und damit bricht
Ks. Werk ab [40424].
Das ist im großen und ganzen Ks. Dichtung. Die
Analyse der Komposition zeigt klar, wie durchdacht die
ganze Anlage des Romans war. Man bedenke noch, wie
haltlos bei Benoit alles einzeln in der Luft schwebt; wie
K. so manche Einzelheiten, die nicht in den Lauf der
Ereignisse passen, wegbringen, wie er so manche Unklar¬
heiten Benoits ordnen mußte. Erwägt man weiter, welche
Masse des Stoffes zu übersehen war, dann kann man dem
deutschen Meister rückhaltslos zuerkennen, daß er mit
großem Geschicke und mit bedeutendem Talente für Kom¬
position seine Aufgabe gelöst hat. Endlich erinnere man
sich, daß die vorliegende Dichtung nur ein Bruchteil
dessen ist, was K., vielleicht im Plane schon fertig, be¬
absichtigte. Bs. Werk, das ihm Leitschnur war, umfaßt
20 Schlachten. K. ist nur bis zur 3. gekommen. Wenn
er in derselben Weise weiterdichtete, so wäre sein Tro¬
janerkrieg eine Arbeit geworden, die schon durch ihre
große Anlage bewunderungswürdig gewesen wäre; schrieb
K. doch nach ganz bestimmtem Plane ein genau über¬
legtes Werk. Zur klareren Anschauung sei noch einmal
der Bau beider Dichtungen hingestellt:
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Benoi t:
Konrad:
Argonautenfahrt .
Jason und Medea .
Zerstörung Trojas .
Wiederaufbau der Stadt . . . .
Antenor .
Raub der Helena .
Kunde zu Menelaus ....
Helena in Troja . . . .
Rüstung der Griechen . . .1 .
Castor und Pollux
Portraits
Aufzählung der Schiffe .
Aulis .
Tenedon .
Ulix und Diomed nach Troja .
Achill in Mese
Priamus’ Streitkräfte . i
Ankunft des Palamedes
Vorgeschichte.
Argonautenfahrt
Jason und Medea
Eson, Peleusf, Jason ■}■
Zerstörung Trojas
Achill auf Skyrus
Wiederaufbau der Stadt
Antenor
Raub der Helena
Helena in Troja
Rüstung der Griechen
Aufzählung der Schiffe
Aulis
liumet
Priamus’ Streitkräfte
Tenedon
1. Schlacht . : .... 1. Schlacht
U. u. D. nach Troja
Achill geholt.
2. Schlacht . 2. Schlacht.
Hercules’ Tod.
Palamedes’ Anklage . Palamedes' Anklage.
3. Schlacht . 3. Schlacht.
Agamemnon wieder eingesetzt.
4. Schlacht.
Wie K. seinen Stoff meistert, ist ersichtlich auch aus
der Geschicklichkeit, mit der er die verschiedenen Fäden
seines Werkes zusammenfügt. Tatsachen, die er in der
Vorgeschichte gibt, an die ihn also Benoit nicht erinnern
kann, bringt er bei passender Gelegenheit wieder an. So
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bemerkt er anläßlich der Rüstungen der Griechen [JB. 4937,
K. 23394]: hie wart der troam bewceret und sin be-
teichenliclier sclün der Ekubam, die kunegin, mit sime
glanz erlühte [23640] (vgl. K. 350 ff.). An derselben
Stelle weiter, hinweisend auf die Geschichte des Apfel¬
streites der Göttinnen u. a., und endlich: ouch solt ir alle
wizzen, swaz Prötheus der wis sage geseite bi dem selben
tage du man ser umb den apfel streit, daz sich da mit
bezeichenheit nach dirre vart bewdrte usw. [23672] (vgl.
K. 4496). Es liegt auf der Hand, daß K. durch solche
Rückweisungen seinem großen Werke einen inneren Halt
und eine gewisse Geschlossenheit des Ganzen verleiht.
Daß es wirklich nur Ks. eigener Vorzug ist, geht daraus
hervor, daß er bewußt weitere Anspielungen macht auf
Tatsachen, die B. auch kennt, ohne darauf zurückzukommen:
[K. 23696] „Wenn Jason nicht den Zug zum goldenen
Vliese unternommen hätte, dann wäre Laomedon jetzt
nicht gefallen ;u und [23710] daz Paris durch Helenen
bleich von herzeliebe dicke wart und er die teigen über-
vart mich ir zuo den Kriechen tete, daz wart ze Troie vor
der stete von dirre vart gerochen ouch. Das hatte B.
ja auch alles erzählt, aber er berührt es mit keinem Worte
wieder.
2. Weglassen von Episoden.
Wenn K. bei einem so groß angelegten Werke klar
bleiben wollte, so mußte er vor allem mit kritischem
Messer alles wegschneiden, was verwirren konnte oder
was unnötig den Gang der Ereignisse aufhalten mußte.
Und so geschieht es. Fand er in der Vorlage eine Be¬
merkung, die sich seinem Ganzen nicht einfügte, so strich
er sie, ohne Episoden zu übergehen, die zur Verzierung
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einer Stelle dienen konnten. So nimmt er unbedenklich
die Scene auf, in der Achill seine Kraft beweist, indem
er eine Bleikugel so hoch wirft, daß sie zerschmilzt
[K. 29574]. Freilich hatte dieses Geschichtchen mit der
Entwicklung der Trojageschichte nichts zu tun, war aber
sehr geeignet, die Kraft des Helden zu veranschaulichen.
Sonst aber läßt K. alles fort, was nicht in die Erzählung
hineingehörte' [B. 1805]. „Jason mußte, ob er wollte oder
nicht, einen Meeresarm überschreiten, der sehr eng war,
1 1/2 Meile breit.“ Da dieser Wasserarm gänzlich be¬
langlos ist, verzichtet K. auf ihn. Daß er Bs. Bemerkung
nicht etwa übersehen hat, geht daraus hervor, daß er die
Zahlangabe bewahrt hat. Colcos, sagt er, lag 1 x/9 Meile
von der Stadt entfernt [9476]. Verschiedene Male über¬
geht K. die Erzählungen von Windstillen, Sturm und
Unwetter, die den Lauf der Ereignisse ohne Grund auf¬
halten. So als Antenor von seiner ergebnislosen Reise
nach Griechenland zurückkehrt [B. 3561], oder bei der
Abfahrt des Paris nach Griechenland [B. 4137], oder auf
der Rückreise des Paris [B. 4489]. Auch die Episode
von Castor und Pollux, die den Räubern der Helena nach-
fahren, aber in einem Unwetter verschwinden [B. 5061
bis 5092], hat K. nicht übernommen. Er wollte zwei so
große Helden nicht so klanglos umkommen lassen. K. ist
stets bedacht, seinen Helden ein möglichst ruhmvolles
Ende zu gewähren. Der Zug Achills nach Mese [Mysie],
der ganz aus dem Rahmen fällt, hat an sich keinen Platz
bei K., zudem tritt Achill bei ihm erst viel später auf.
Aber auch bei B. ist diese Episode gänzlich ohne Zu¬
sammenhang mit der Haupterzählung [B. 6516]. „Die
Griechen sind vor Troja angekommen; es findet eine
Beratung im Zelte Agamemnons statt. Aber ich will
jetzt davon nichts mehr erzählen; . . . wohl aber sollt
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ihr vernehmen, wie Achill nach Mese ging!“ Es folgt
jetzt eine Geschichte, die mit der Trojasage nichts zu tun
hat: Achill und Telefus, Sohn des Herkules, kämpfen
mit denen aus Mese. Diese werden besiegt; ihr König
Teutrans, tödlich verwundet, macht den Telefus, weil Her¬
cules dem Meserkönige einstmals geholfen hat, zu seinem
Erben. Als die Griechen in Tenedon waren, erzählt
B. 6955 ff., waren sie in großer Verlegenheit, wie sie
vor Troja landen sollten. Da erhebt sich Palamedes:
„Ihr sollt euch schämen“, sagt er; „1 Jahr lang liegt ihr
schon fest. Die in Troja denken, wir wagen nicht heran¬
zukommen. Los! Brechen wir auf! grad’ auf Troja zu!“
Für K. war das unmöglich, daß sich Ritter wie die
Griechen nicht getrauen sollten, nach Troja zu fahren.
Bei ihm eilen sie sofort zu der feindlichen Hauptstadt. —
Nach der 1. Schlacht erzählt B. 7641 ff., daß die Griechen
schlafen, aber die Trojaner wachen. Er zählt verschie¬
dene Musikinstrumente auf, die ihre Töne erschallen ließen:
Hörner, Schalmeien u. a. K., der an dieser Stelle die
Botschaft des Ulixes und Diomedes berichtet, läßt die
Musikinstrumente beiseite. — Zu Ks. Bestreben, den Stoff
möglichst zu vereinfachen, gehört es auch, daß er mög¬
lichst wenig Namen nennt. B. 3143 zählt die Namen der
6 Tore von Troja auf; das 1. hieß Antenoridas, das 2.
Dardanides, das 3. Ilia, das 4. Ceca, das 5. Tymbree,
das 6. Trojana; K. 17372: keine Namen. — B. 724: die
Stadt des Eson hieß Penelope. K. ohne Namen. —
B. 983: der Hafen, in dem Jason vor Troja landete, hieß
„Simoenta“. K. nennt weder diesen Hafen [6908], noch
den von Sigeon [11590 — B. 2209]. — B. 1698: der
Ring der Medea war so kostbar, Oteviens von Rom hätte
ihn nicht erwerben können; K. 9208: „man dürfte wohl
niemals einen besseren Ring sehen . . . kein König könnte
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ihn bezahlen.“ Hier sieht man deutlich, daß der Dichter
nur an dem Namen Anstoß nahm, nicht an der Art der
Hyperbel. — Ja, nicht einmal den Namen des Argo¬
nautenschiffes ,.Argo“ hat K. übernommen [6840, B. 962].
-B. 3868; Paris verlor sich im Tale der Citharii; K. 18832:
Ich saß ab; ich setzte mich nieder auf eine grüne Wiese.
Es kommt allerdings auch der Fall vor, daß K. Namen
nennt und B. nicht; B. 3060: der große Turm von Troja
war so hoch, daß man glaubte, er ragte bis in die Wolken
hinein. Nie hätte Gott einem Menschen solchen Ver¬
stand gegeben, einen so hohen Turm bauen zu können.
K. nennt auch keine Personennamen, sondern führt
geographische Bezeichnungen ein. 17482: Alle Meister
vom „Rhein“ und der „Elbe“ hätten solchen Turm nicht
bauen können! 17 614: Wer nach Endiam und Uztrieht
käme, fände solchen Wunderbaum nicht.
3. Zusammenziehungen.
• •
Wie K. durch Streichen des Überflüssigen das kom¬
plizierte Gewebe zu vereinfachen sucht, so schafft er auch
durch Zusammenziehen auseinanderliegender Partieen eine
straffere Komposition. Es ist fast erstaunlich, daß B.
an so vielen Stellen seines Werkes das große Durch¬
einander nicht gemerkt hat. So z. B. ist bei ihm der
Aufbruch der Griechen nach Troja ganz konfus. B. 4773:
Renommee bringt die Kunde vom Raube der Helena
nach Griechenland und zu Menelaus. Dieser fährt so¬
gleich zu Nestor nach Parte. Ebendahin kommt als dritter
Agamemnon. Ohne jeden Zusammenhang kehrt Benoit
zu Paris zurück [4803]: Paris qui fu a Tenedon il e si
autre compaignon; dann wieder nach Parte [4937]: die
dreie beschließen, Rache an Paris und den Trojanern zu
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nehmen. Sofort werden Boten durch Griechenland ge¬
schickt. Es kommen nach Parte [5010]: Patroclus, Achill,
Diomedes, Eurialus, Telepolus. Wiederum wird beschlossen,
Rache zu nehmen. Agamemnon wird zum Führer ge¬
wählt [5025]. ln Temesse werden die Vorbereitungen ge¬
troffen. Dann Abfahrt nach Troja [5049 ff.]. Hier schiebt
B. die Castor- und Pollux-Episode ein [5061 — 5092;
s. S. 21]. Es folgt die große Partie der „Portraits“
[5093 — 5582]. Dann fährt B. ohne Zusammenhang fort
[5583]: „Der Winter ging dahin, der Sommer kam“, da
waren alle Griechen in Athen (!) versammelt; dann Schiffs¬
katalog [5601 - 5702].
K. bringt Klarheit in die Anlage. Nach dem Raube
der Helena fährt Paris sofort ab [22524]; Station in
Tenadon [22540—22572, also nicht fama nach Griechen¬
land]; Rückkehr des Paris nach Troja. Jetzt erst zu
Menelaus nach Griechenland. [23394]: diu rruere waren
du geflogen über al der Kriechen laut , daz mit gewultic-
lieber haut Helene was gezücket! — [23422]: Auch
Menelaus erfährt es; Versammlung: Castor, Pollux, Nestor,
Agamemnon. Der Krieg wird beschlossen [23546]. Nun
die Reflexion Ks., wie der Traum Hecubas in Erfüllung
ging [23640-752]. In Athen (!) kommen die Griechen
zusammen. Jetzt gleich der Schiffskatalog angereiht [23778].
— K. nimmt also Athen allein als Ausgangspunkt des
Unternehmens an; erzählt erst alles, was zu Paris gehört,
dann alles, was Menelaus und die Griechen betrifft, wäh¬
rend B. von Menelaus zu Paris und von Paris wieder zu
den Griechen kommt.
Einen ähnlichen Sprung macht B. 1980. Mitten in
der Erzählung von der Freude der Genossen über Jasons
Rückkehr aus Kolchis bemerkt B, „daß der König (Peleus)
sich über diese Rückkehr ärgerte“; dann erzählt er weiter
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von Jason und Medea und kommt zum Schlüsse seiner
• •
Medea — Jasongeschichte noch einmal auf den Arger des
• •
Peleus zurück. — K. erzählt nichts mehr von dem Arger
des Peleus; da er die Geschichte Jasons weitererzählt,
blieb kein Platz mehr für Peleus’ Grimm; Jason stirbt
ja bald durch die Rache der Verratenen.
An einer anderen Stelle hat K. die Verworrenheit
Benoits nicht mitgemacht, sondern ist eigenem Plane ge¬
folgt. B. 4167: Paris bricht auf nach Griechenland.
4219: Indessen macht sich Menelaus auf, zu Nestor nach
Pile zu fahren; der hatte ihn zu sich gebeten, „aus welchem
Grunde, weiß ich nicht“. Menelaus war ein mächtiger
König usw. 4233: Die Schiffe (wohl Menelaus’ und Paris’)
begegnen sich unterwegs; keiner weiß, wohin der andere
fährt. 4239: Castor und Pollux waren in Climestree zu
der Zeit. Deren Schwester war Helena. Menelaus war
ihr Gatte. Helena hatte eine Tochter Hermiona. Die
Onkel liebten sie sehr. 4253 : Die Trojaner kommen nach
Citharea. — K. konnte diesen Wirrwarr nicht übernehmen.
Er disponiert anders. 19392: Paris fährt ab; 438: er
kommt nach Citharea; 635: Helena ebenso; 20367: Me¬
nelaus ebenso. Die verwandtschaftlichen Beziehungen, die
B. erwähnt, haben keine Bedeutung und werden von K.
weggelassen. Der Gedanke Bs., daß sich die Schiffe
unterwegs treffen, ist an sich sehr schön. Menelaus be¬
gegnet denselben Schiffen, die seine Gattin wegführen
werden! Aber K. konnte ihn nicht gebrauchen, weil bei
ihm Menelaus selbst nach Cytherea kommt.
Das beste Beispiel für die überlegene Kompositions¬
kunst Ks. ist Antenors Gesandtschaft nach Griechenland
[vgl. oben S. 10]. Bei B. 3277 hören wir viermal den¬
selben Auftrag an die griechischen Fürsten [Peleus, Te-
lamon, Castor und Pollus, Nestor]. K. sah sofort den
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großen Fehler, der darin lag. Er hält es für selbstver¬
ständlich, daß es so, wie B. erzählt, nicht richtig ist.
Antenor traf sie natürlich alle beisammen: het er si M
den stunden nicht samentliaft da fanden , so wcere im
kumber worden sclün, i van er hesunder miieste sin, z'ir
iegelicliem sin geriten ! [18017[.
Es gelingt bisweilen K. dadurch eine größere Einheit
zu schaffen, daß er verschiedene Dinge identifiziert So
vereinigt er die 2 „Bilder“, die Medea dem Jason gibt:
das eine, bei dem er schwören soll [B. 1622] und das an¬
dere, das er im Kampfe tragen soll [ß. 1663]; K. 9094:
bei dem Bilde Jupiters soll er schwören; 9290: das Bild,
auf dem ihr den Eid geleistet habt, das führet mit euch!
— Auch bei Ovid hat er diese Vereinfachung: Medea
taucht das Versuchstier in einen Kessel mit dem Zauber¬
saft [Met. VII 314]. K. bemerkt [11028]: Medea hatte
denselben haven bei sich, mit dem Aeson veijüngt ward.
Man beachte auch Stellen wie folgende: B. erzählt
763 ff. von dem goldenen Vlies, von der Unmöglichkeit,
es zu gewinnen usw. Peleus, heißt es weiter, läßt den
Jason zu sich rufen und setzt ihm die Geschichte vom
goldenen Vliese auseinander. Der Leser hört also zwei¬
mal dasselbe. K. vermeidet das und läßt Peleus gleich
den Neffen rufen, dem er dann von dem kostbaren Schaper
berichtet [6630]. — Ebenso B. 3235: Priamus erklärt den
Fürsten, er wolle einen Gesandten nach Griechenland
schicken wegen Herausgabe der Esiona. Antenor wird
damit beauftragt; der König sagt ihm 3254 — 56, er solle
hinfahren und die Schwester nachdrücklich zurückfordern.
Und noch ein 3. Mal hören wir die Botschaft [B. 3261]:
Priamus: „Sagt denen da . . .“ usw. K. [17902, 17980]
bringt nur einmal den Inhalt der Botschaft. Priamus
schickt den Antenor mit der (vorher schon besprochenen)
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Botschaft nach Griechenland. Ohne nochmals den Auf¬
trag anzuhören, fährt Antenor ab.
Als Antenor von seiner mißglückten Fahrt zurück¬
kommt, beruft Priamus eine Versammlung, in der die
Rachefahrt beschlossen wird [B. 3658] ; dann [4039] hören
wir merkwürdigerweise noch einmal von einer Versamm¬
lung, in der Priamus den Herren abermals sagt, was sie
schon wissen. Diese 2. Versammlung läßt K. fort.
Kurz vor dem Aufbruche der Griechen nach Troja
beruft Agamemnon die Fürsten zu einer Besprechung
[B. 6073]. Hierbei hält er zunächst eine Rede über den
Hochmut; dann erzählt er noch einmal die ganze Ge¬
schichte des trojanischen Krieges! „Mit Laomedon be¬
gann es“ usw. Diese ungeschickte Rekapitulation beseitigt
K.; auch hat er diese Versammlung erst später [26 264 ff.].
Auf die Einnahme von Tenedon, die ohne Bedeutung für
die Entwickelung der Ereignisse ist, verwendet B. 73 Verse
[5991 — 6064]; K. macht sie nebenher in 16 Versen ab
[25089—105]; außerdem zieht er die beiden chastels:
Tenedon e Laurientel Bs. in das eine Tenedon zusammen. —
An einer Stelle allerdings, die er nicht von ß. hat, finden
wir auch bei K. einen Kompositionsfehler. Es ist die
Geschichte von der Hindin der Diana, die Agamemnon
tötet. K. knüpft sehr locker an Ovid an. Er erzählt
[24030]: Agamemnon jagte im AValde von Aulis die
Hindin. Daher Zom der Göttin, Unwetter; Kalchas fragt
auf Drängen der Griechen den Apoll nach der Ursache
des Sturmes [24290]: Apollo sagt dem Seher die wahre
Ursache: Tötung der Hindin durch Agamemnon. Kalchas
erstattet nun Bericht und erzählt (in indirekter Rede) die
Ursache [24374], wie von dem schütze tot gelac ir hinde.
Darauf beraten die Griechen über die Sühne, die Diana
fordert (Opferung einer reinen Jungfrau). Ulix wird be-
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auftragt, den Entschluß der Versammelten dem Agamem¬
non mitzuteilen. Dabei führt er dem unglücklichen Vater
noch einmal die ganze Geschichte vor, die wir nunmehr
zum 4. Male hören. Für diese Entgleisung Ks. weiß ich
keine Erklärung, da K. sonst derartigen Wiederholungen
bewußt aus dem Wege geht.
4. Umstellungen.
K. hat sich bemüht, die Anordnung Bs. beizubehalten.
Kur wo sein Plan ihn zwang, stellte er Tatsachen um;
z. B. mußte die Entsendung der Boten nach Troja bis
nach der 1. Schlacht verlegt werden, weil sie Anlaß geben
sollte zur Herbeiholung des Achill [s. S. 16]. Die
Wunderpinie vor Priamus’ Saale wird von B. erst erwähnt,
als Ulix und Diomed nach Troja kommen [6265]; K.
bringt sie natürlich gleich bei der Beschreibung der neuen
Stadt [17562]. Nachher weist er nur darauf zurück
[26444]. Die Wiedereinsetzung Agememnons hat K.
gleich nach der 3. Schlacht, während B. sie erst nach der
12. Schlacht, nach Palamedes’ Tode bringt. Welche Gründe
K. dazu hatte, läßt sich nicht so ohne weiteres sagen;
wir müßten wissen, wie Ks. Werk weitergegangen wäre, ob
Palamedes dieselbe Rolle spielte wie bei B.; man könnte ja
einfach annehmen, daß es K. widerstrebte, einen Helden
wie Agamemnon solange unterdrückt zu sehen.
#
5. Zusätze.
Hier ist nicht gedacht an stilistische Ausführungen,
sondern an Zusätze Ks., die der Komposition dienen.
B. erzählt: Jason hat sich in Medea verliebt; Tag und
Nacht sinnt er, wie er zu ihr gelangen könnte. Dann
ohne Verbindung [B. 1300]: Da ruft eines Tages Oetes
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seine Tochter zu sich, küßt sie und bittet sie, mit den
Gästen zu plaudern. — Das war K. nicht genug, er ver¬
mißte hier einen innerlichen Zusammenschluß; darum er¬
findet er eine Situation, die den Zusammenhang schafft
[K. 7899]: Jason wird vor Liebesleidenschaft krank. Er
siecht dahin, der Kummer nimmt ihm alle Farbe. Das
fällt dem Könige auf. Neben Ruhe und gemach ver¬
schreibt er dem Kranken zur Unterhaltung die Medea!
Darauf haben die Liebenden längst gewartet. — Und
dann! B. erzählt gleich weiter: Medea willigt mit tausend
Freuden ein; sogleich geht sie zu Jason und plaudert mit
ihm. K. schafft wieder eine Verbindung. Die Möglich¬
keit, daß Medea, ohne daß es auffällt, zu Jason kommt,
bildet ein Fest, das Oetes seinen Gästen gibt. So be¬
gründet K. nachher hübsch, w'arum Medea solange auf den
Geliebten warten muß; das Fest hat nämlich sehr lange
Dauer [K. 8540]: Oetes bemüht sich auf alle Weise,
seine Gäste zu unterhalten: er half in lange wachen durch
da z Jason der mcere vergezze siner stetere. Indessen
harrt Medea in Sehnsucht des Geliebten.
Durch solche Zusätze gibt K. seinen Erzählungen einen
großen inneren Zusammenhang; es ist erstaunlich, wie
• •
sicher es K. merkt, wo er bei B. fehlt. Überall weiß K.
zu motivieren. Oetes hatte [ß. 1211] ohne Begründung
den Gästen seine Tochter Medea vorgestellt. K. fügt
hinzu [7404]: Oetes sagte: „Ihr seid mir die liebsten Gäste,
die ich je hatte. Darum will ich euch auch mein größtes
Kleinod zeigen, das ich besitze: Medea!“ ich Mn vor
mangem man gespart ein rieh kleinste miniu jdr ; daz sol
iu werden offenbar und muoz für iuu er ougen körnen. —
Eine Begründung finden wir auch in folgenden Zusätzen.
B. 4282: Paris geht mit seinen Leuten in den Tempel
von Cytherea; K. [19488] begründend: „Sie wollten den
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Göttern opfern, damit ihr Leben in Griechenland vor
Schaden bewahrt bliebe.“ — B. 4285: Paris und die
Seinen schmückten sich; K. 19510: Paris schmückte
sich, weil er gedachte, viele schöne Frauen dort zu
sehen.
Einer ganz anderen ratio entspringt folgender Zusatz
Ks. [B. 2683] : Der Bote , der die Nachricht von dem
• •
Überfälle Trojas an Laomedon bringt, sagt: „Geh sofort
und reite gegen die Feinde; besser ists, ihr reitet gegen
sie, als daß ihr sie hier erwartet.“ K. 12418 geht viel
weiter; das bloße Entgegenreiten, das der Bote empfiehlt,
hat ja auch keinen Zweck. Da liegt die Gefahr, voll¬
ständig umzingelt zu werden, zu nahe. Die Stadt muß
vor allem wieder zurückgewonnen werden, sonst ist eine
völlige Niederlage unvermeidlich (wie es auch geschieht:
das endgültige Eindringen der Griechen in die Stadt ist
das Verderben der Trojaner). Das alles sieht K., der
hier in taktischen Fragen erstaunlich gewandt ist. Da¬
rum läßt er den Boten das alles auseinandersetzen:
„Schnell zur Feste! — seht zu, daß wir wieder hinein¬
kommen! Verlieren wir Troja, dann wehe uns! Paßt
auf! Ziehen wir gegen die Stadt, so kommen die Feinde
in Scharen uns entgegen! Dann sind wir hinten und
vorne von Feinden eingeschlossen. Vielleicht sind wir
nicht ganz verloren! Wenn es uns nämlich gelingt, die
aus Trojfl, Ziehenden zu bekämpfen und zurückzustoßen.
Sobald sie in die Tore drängen, müssen wir ihnen nach¬
setzen. Sind wir einmal in der Stadt, dann ist es mög¬
lich, daß wir uns aus der Verlegenheit siegreich heraus¬
ziehen.“ Gegen diesen Plan ist schlechterdings nichts
einzuwenden. B. macht sich keine Gedanken darüber,
welche Maßregeln in dieser gefährlichen Situation für die
Trojaner einen Ausweg bieten könnten. K. hat sich die
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ganze Sachlage klar gemacht und dann seinen Plan über
Benoits Angaben hinaus eingefügt.
Wie K. seine Fäden zu knüpfen weiß, zeigt folgender
Zusatz: Als Paris die Helena sieht, da fühlt er sofort,
das müsse Helena sein, die ihm Venus versprochen habe,
damals, als er den Apfelstreit entschied [19795]. B. hatte
kein Wort davon erwähnt. — Nach der 2. Schlacht bitten
die Trojaner um Waffenstillstand. Die Unterhändler
kann B. nicht nennen, weil er sie in der estoire nicht
findet [B. 10310]. K. weiß sie natürlich. Boten sind
bei ihm stets Ulix und Diomedes [37773]. — Diese
bestimmtere Fassung gibt der Erzählung besseren Halt.
Die Betrachtung der Konradschen Kompositionstechnik
hat also ergeben, daß der Dichter mit großer Ueber-
legung an sein Werk herangetreten ist. Wohl hat er
Benoits Material benützt, doch hat er mit kritischem
Auge die französische Vorlage gemustert. Vieles, was er
von vornherein als überflüssig, störend und verwirrrend
betrachtete, hat er rücksichtslos gestrichen. Daß er diese
Ausscheidungsarbeit nicht nur an größeren Partien vor¬
nahm, sondern vor allem an kleineren Auswüchsen
Benoits übte, das beweist, wie gründlich er den frz. Roman
durchgearbeitet hat. Noch größer ist sein Verdienst, wenn
man bedenkt, daß er die frz. Vorlage überhaupt nur
als Untergrund für seinen Roman benutzen wollte. Von
Anfang an fügt er die Achillei's als Parallelhandlung hin¬
zu. Leider bricht sein Werk schon so früh ab, daß wir
garnicht berechnen können, welches gewaltige Gebäude
er noch zu errichten gedachte; sind doch seine 40000 Verse
vielleicht nur die Grundlage zu dem, was folgen sollte.
Es ist klar, daß K. bei solcher Aufgabe sehr wachen
mußte, nicht durch Verwirrungen und Ueberfluß den
Roman unlesbar zu machen: scharfe Disposition, gute
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Verbindungen und möglichst viele „Centren“ mußten die
Stützen für diesen Bau hergeben. Unter diesem Ge¬
sichtspunkte ist die ganze Anlage des Werkes zu ver¬
stehen. Daß aber der Trojanerroman nicht nur ein wohl
konstruiertes, architektonisch berechnetes und ausgeklügeltes
Konglomerat aller möglichen Erzählungen ist, sondern
auch ein Werk von poetischem Gehalte, das beweist uns
der Stil des Werkes, der uns abermals Konrads große
Ueberlegenheit über Benoit zeigen wird.
II. Stil.
Wenn man Ks große „Weitschweifigkeit“ betrachtet,
so könnte man leicht zu der Vorstellung kommen, daß er in
seinen Ausführungen viel Geschwätz und viel Flickwerk habe.
Man nehme etwa die Erzählung von Jason und Medea.
B. behandelt diesen Stolf in 1345 Versen [715 — 2060];
dieselbe Erzählung (K. schließt sich zu Anfang seines Werkes
noch ziemlich eng an B. an!) nimmt bei K. 3713 Verse
ein [6508 — 10221]; also fast das Dreifache, Benoits
ganzes Werk umfaßt (mit 20 Schlachten) 23126 Verse;
Ks. Fragment (bis zur 3. Schlacht incl.) 40424 Verse, von
denen allerdings 13500 Verse auf die Nebenhandlungen
fallen (6000 Vorgeschichte, 1000 Medeas Bache an Peleus
und Jason, 6500 Achilleis). K. erzählt also in 27 000 Versen
viel weniger als B. in 23000. Aber diese Breite Ks.,
erwächst nicht aus formelhaft redseliger Lässigkeit. Selbst
Scherer, der [L. G. I 190] seinem Verse „leeres Flickwerk“
seinem Stile „breite Schilderungen“, und endlose Reden
nachsagt, lobt seine „sinnigen Vergleiche“ (mit denen Ks.
Werk ganz überschüttet ist) und „wohlausgemalten
Situationen“. Wir werden sehen, mit welcher schönen
Kunst K. es versteht, seine Schilderungen (Landschaften,
Drachen- und andere Kämpfe) reizvoll zu gestalten. Und
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seine „glänzende Diktion“, sein „unerschöpflicher Reich¬
tum an dichterischen Gedanken und Bildern“ [Dünger V.]
gerade im Trojanerromane sind unvergleichlich. Das tritt uns
besonders auffallend entgegen, wenn K. Schilderungen gibt an
Stellen, wo B. garnicht daran denkt, sich etwas auszumalen ;
B. sieht ja nichts ; Anlässe, die des Dichters Phantasie ge¬
radezu herausfordern, läßt er sich entgehn. K. macht da mit
Begeisterung Halt ; er zaubert sich und uns sofort ein Bild hin?
das uns den im Grunde trockenen Stoff der unendlichen
Schlachten, Reden und Einzelkämpfe lebendig aufblühen
läßt. Landschaften, Kleider, Waffen, Schlachten, Tiere, Ge¬
räte, Feste sehen wir vor uns, wandeln in schattigen, para¬
diesischen Hainen und Gärten ; unser Auge ergötzt sich an
den prächtigen in Gold, Silber und Edelsteinen strotzenden
Kleidern; wir werden hingerissen von dem prächtigen Schau¬
spiele der in der Schlacht hin- und herwogenden Kämpfer¬
reihen, deren glänzende Rüstungen die Strahlen der Sonne
tausendfältig zurückwerfen. Wie schauerlich schön ist
für uns der Anblick des giftgeschwollenen Drachen, der
mit feuerspeiendem Rachen und Nüstern den mächtigen
Leib ringelnd auf Jason zustürzt. So geht es durch das
ganze Buch, und jeder, der nur einige Partieen empfäng¬
lichen Sinnes liest, muß die Lebendigkeit solcher
Schilderungen empfinden, muß nachfühlen, wie sie auf
Konrads Publikum wirken mußten.
1. Schilderungen.
Am häufigsten erscheinen Schilderungen von Land¬
schaften, Naturereignissen usw. Natürlich geben sie kein
reines Bild von des Dichters Verhältnis zur Natur. K.
ist Gelehrter. Er weiß für alle Situationen die passenden
Formeln. Hat er also etwa eine liebliche Aue zu schildern
so setzt er sich ein den Verhältnissen und der Umgebung
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entsprechendes hübsches Mosaik zusammen, vielleicht ohne
viel originelle Anschauung, aber mit gutem, etwas
üppigem Geschmack und mit großer Variationskunst, wo¬
durch sich seine Schilderungen angenehm von den immer
wiederkehrenden Redewendungen Benoits abheben.
a. Landschaften.
ß. leitet seine Abschnitte oft mit landschaftlichen
Bildern ein, und zwar in immer gleichen, traditionellen
Ausdrücken: „Als es kam zur Frühlingszeit, wo lieblich
die Vögelein singen, wo die Blumen, weiß und schön, wo
grünt das Gras, frisch und jung, wo die Gärten im
Schmuck der Baumblüte stehen“ usw. [953], ebenso
B. Vers 2138, 1167, 4167, 4586, 4806, 5583. K. ver¬
schmäht diese Wendungen keineswegs; er ist aber in ihrer
Anwendung viel geschickter. Z. B. 11575: „Die Griechen
fuhren ab; guten Wind hatten sie; der schöne Maien¬
sonnenschein gab ihnen das Geleite; auf den Bergen und
in den Wäldern sangen die Vögel, die Blumen lachten
einem ins Herze . . Wie Aveit erhebt er sich über B. allein
schon durch die Personifikation des Maiensonnenscheins!
B. läßt sich die schönsten Gelegenheiten zu einer Aus¬
malung entgehen. B. 1879: „Jason betritt die Insel“ (des
Widders). Das genügte B. K. konnte da nicht vorüber¬
gehen. Er mußte sich diese Insel vorstellen. Das war
ohne Zweifel eine ganz fremdartige, wunderbare Wiese,
wo ein solcher goldener Widder lebte: sie wurlancunde
breit [9599], mit Bäumen wohlbestanden alsam ein irdisch
paradis. Da blühten viele Zweige, die trugen Feigen
und Kastanien! Man beachte, daß K. ausländische Früchte
nimmt: „Süßer Mandelkerne die Fülle wuchsen auf der
Insel; nützliche und edle Früchte gabs im Ueberfluß.
Auch stand da grünes Gras und auserwählte Blumen:
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es wuchsen da Kardamumen, Muskat und Nelken! Der
dichte Mai mit seinem lichten Schein hatte alles wohl mit
Blüten verschönt und die Töne seltener Yögel hinge¬
zaubert.“ Also auch die Yögel sind nicht gewöhnüche.
— Das Gestade von Troja malt B. mit keiner Silbe aus
[983 ff.]. K. fügt eine solche Schilderung ein [6910 ff.].
Recht schön ist Ks. Bild von der Wiese, auf der
der Widder mit dem goldenen Vlies weilte. B. hat
wieder kein Wort zur Ausschmückung: B. 1863: „Jason
ging auf den Widder zu und nahm ihm das Vlies ab.“
K. läßt vor uns einen äußerst farbigen, blumenreichen Garten
erstehen [9990]. „Ein Ring von weißen Rosen und Lilien
umgab diesen Garten. Dieser wunnicliche umbevanc
umschloß den Widder und die Wiese. Ein Bächlein
klingelte und floß durch die Blumen und den Klee!“ usw.
Die Schilderung endet mit einem klangvollen Bericht von
einem Vogelkonzert, das von „Lerche und Haubenlerche,
Drossel und Sittich“ angestimmt wird. Ebenso malt K. allein
den Wald von Aulis aus [B. 5957; K. 24014.], wo auch
Ovid, dem K. hier folgt, nur sagt: „man bleibt im fisch¬
reichen Aulis.“ Desgleichen gibt er selbständig die
Schilderung des Bacchusfest-Platzes (Statius 1 600) K. 16218.
Gleich schön sind Ks. Schilderungen eines Unwetters:
ergiezen sich daz mer began (Personif.!) und wart als un-
gehiure, daz man mit keiner stiure geschifen drüf ge-
torste. si muosten in dem vorste beliben algemeine — ouch
wart der stnrmewint so gröz und also rechte grimmeclich ,
daz nieman üz dem walde sich gebieten mochte zuo dem
se. daz is und der vil kalte sne begunde si da müejen
[24 102]. B. hat hier eine dürftige Schilderung: „ein
wunderbarer, ein häßlicher Sturm“ [5930]. Selbst in Schil¬
derungen, wo K. nach einem guten V orbilde arbeitet, gibt
er so viel Eigenes, daß sein selbständiges Können zweifel¬
st
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los erwiesen ist. Es sei hier erinnert an die Beschwörungs¬
szene der Medea, die K. von Ovid übernimmt. Wäre K.
ein kleinerer Dichter, so würden ihn Ovids Worte hin¬
reißen, und er würde diese Stelle einfach nachschreiben.
Er wagt aber Selbständiges und zeigt damit, daß er hinter
Ovid nicht zui ückzustehen gewillt ist. Ovid, Met. VII 179 ff:
„Drei Nächte fehlten noch, daß des Mondes Hörner sich
füllten zu vollem Kreise. Und als in vollendeter Runde
Luna auf die Erde herabschaute — da trat Medea aus
dem Hause, losgegürtet die Kleider und losgebunden das
Haar, das auf die Schulter fällt. Ohne Begleitung ist
sie; sie trägt der schwankende Schritt durch die Stille
der Mitternacht. Die Menschen und die Tiere und die
Vögel ruhen in tiefem Schlafe. Die Hecke schweigt, es
schweigt unbeweglich das Laub, es schweigt die feuchte
Luft. Einsam blinken die Sterne; zu diesen hebt sie die
Arme empor und wendet sich dreimal; dreimal feuchtet
sie mit dem Wasser des Flusses ihr Haar, und dreifaches
Geschrei entflieht ihrem Munde; mit den Knieen sinkt sie
zur harten Erde und ruft: . . K. 10 492 : „Festlich ge¬
kleidet macht sich Medea auf in Nacht und Finsternis
und eilt vor die Stadt. Alle Kreatur schlief; allein stand
sie da. Der Mond nur gab hellen Schein. An einer
Wegscheide vor einem wilden Gehölze begann sie ihre
Künste. Sie beschwor die Geister; schreckliche Zauber¬
worte sprach sie, sodaß der ganze Wald erkrachte! Die
Windsbraut sauste daher, Blatt und Blüte, Gras und
Kraut schwankte und bebte. Merkwürdige Zeichen und
Figuren malte sie auf den Boden. Da ward es dunkel;
Regen- und Hagelschauer schossen herab ; dann wars vor¬
bei. Der Mond schien wie vorher. Aus der Luft kam
ein Drachenwagen hernieder. . Von Ovids Worten hat
K. wenig Gebrauch gemacht: die Schrecken des Zauberwerks
sind ihm wichtiger als die Stimmung der einsamen Nacht.
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b. Szenerie.
Sein Talent „auszumalen“ kommt K. trefflich zu statten,
wo es gilt, ganze Szenen zu entwerfen. Während B.
trocken und farblos bleibt, bewirkt Ks. Kunst Lebendig¬
keit und Anschauung. Welch ein aufgeregtes Hin und
Her finden wir z. B. in Ks. Erzählung von der Ankunft
des schönen Ritters Paris in Citharea. Das Gedränge
der Neugierigen wächst; man betrachtet ihn, man begrüßt
ihn [19 556 ff]. Von dem allem hat B. nichts [4297 ff ].
Oder man vergleiche die Schilderung Ks. von der An¬
kunft der Schiffe vor Troja mit der Bs. B. [7061] bemüht
sich, die zahllose Menge prächtiger Schiffe darzustellen;
er kommt aber über einige Zahlangaben nicht hinaus.
K. [25 110] erreicht mit einigen Bildern und hyperbolischen
Wendungen eine weit größere Wirkung. „Das Meer in
seinem ganzen Umfange war mit Schiffen bedeckt. Nichts
als Schiffe sah man wohl einer tageweide lanc. Vor
allem in Schlachtschilderungen zeigt sich Ks. Kunst, Szenen
zu entwerfen, vorteilhaft. Welch ein Unterschied zwischen
ihm und B.! der frz. Dichter versagt an solchen Stellen
vollständig. Er zählt einfach eine Anzahl von Vokabeln
auf, mit denen er nichts anzufangen weiß. Da gabs: tant
heaume d'acier, tant bei escn, tant bon destrier, taute
enseigne despleiiee , taute bele arme entreseignee , tante
manche de bliauz d'orfreis de peile e de cendauz usw.
[8317]. Hören wir K.: „Die Heide war überschattet von
den Bannern, aus Seide gesponnen; sie hinderten die
Sonne, ihr Licht auf das Feld zu werfen (Personif!).
Rosse und Menschen ohne Zahl! Die Schilde glänzten
wie der Tag! . . Griechen und Trojaner bliesen die Po¬
saunen! Was David und Salomo je von Saitenspiel er¬
dachten, das ward da gehört. Schall und Lärm mehrten
sich auf Wegen und Straßen“ usw. [30 760]. Vergl. noch
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Ks. Schilderung vom Aufmarsch der Heere vor der 3.
Schlacht: 39 172 ff. ß. 10 561. und öfter.
c. Kleider und Waffen.
a. Kleider.
In den Schilderungen von Kleidern ist merkwürdiger
Weise auch B. ausführlich. Ohne seine sonstigen Formeln
führt er Stück für Stück in anschaulicher Weise vor.
Da konnte sich denn K. begnügen, ßs. Darstellung ge¬
nau zu folgen. So z. ß. hat er Bs. Schilderung vom
Kleide der Medea fast wörtlich übertragen [B. 1230 =
K. 7462]. Die Beschreibung der Kleider des Ulix und
Diomed ist sogar bei B. ausführlicher gehalten als bei
K. [B. 6219; K. 26 364]. Allerdings ist B. nicht konse¬
quent. Paris’ prächtiges Kleid, als er nach Cytherea
kommt, schildert er nicht. Selbst Helenas Anzug wird
von B. nicht beschrieben. K. dagegen hat sowohl Paris’
Kleidung [19 492] als vor allem Helenas sehr eingehend
dargestellt. Helena, die Hauptheldin des Romans, mußte
selbstverständlich auch äußerlich in leuchtendstem Glanze
der farbenprächtigsten Kleider auftreten. Dabei läßt der
Dichter allerlei wunderbare Eigenschaften dem Tuche an¬
haften, um den Wert zu erhöhen: „Dieser plyät“ — be¬
richtet er [20 070] — „war wunderbar; ein heidnischer
Zwerg hatte ihn verzaubert, daß er täglich siebenmal die
Farbe wechselte: ze siben zilen blanc gesehen und ze
siben ziten rot.“ Und weiter! 2018: „Im Winter gab das
Kleid Wärme, daß man nicht fror, im Sommer kühlte es
ab!“ Außerdem trug H. noch ein underzoc: das war ge¬
macht aus der wunneclichen hüt des Dindialus\ das ist
ein sehr edles Tier: es wird um seines Felles willen ge¬
fangen. Es lebt in einem sehr heißen Lande und leidet
daher sehr unter der Hitze. Aber kein Baum spendet
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Schatten. Da tragen die listigen Menschen Laub zu¬
sammen und bergen sich darunter. Ahnungslos legt sich
das Tier in den Schatten und schläft ein. Dann kommen
die Menschen und töten es!“ [20134]. Solche Geschichten
waren natürlich dem „Magus“ Konrad geläufig. Gleich
hinterher erzählt er von einer wunderbaren Fischhaut:
ez rinnet uz dem ])aradis ein ivazzer luter unde frisch ,
daz hiuwet einer hande visch, der hat an im ein edel hüt
[26 240]. Mit dieser Fischhaut war das Kleid verbrämt.
ß. "Waffen und "Waffenkleider.
Im Turnier von Nanteis hatte sich Konrad als he¬
raldischen Dichter gezeigt; auch im Trojanerkriege sehen
wir ihn als solchen. Jeder Kitter, der auftritt, wird ge¬
schildert nach Aussehen und Farbe seiner Rüstung; Schild,
Decke, Waffen trugen die heraldischen Zeichen. B. hat
ganz vereinzelt auch solche Ansätze zur Heraldik. Z. B.
Hector hatte einen goldenen Schild mit 2 Löwen; eben¬
so war seine Lanze [B. 7302]. Im übrigen bestreitet B.
seine Waffenschilderungen mit den üblichen Formeln:
„nie gabs besseren, in der Welt gabs nichts Schöneres;
wer einen besseren oder schöneren hätte suchen wollen,
wäre töricht gewesen“ usw. K. dagegen arbeitet mit
seiner Bildersprache. Vergl. B. 1815; K. 9548. Heraldik
beiK.: 11992; 12 082; 25 352; 25 479; 25 510; 25566;
25 780 u. a. m.
d. Personenschilderung.
a. einzelne Personen.
• •
- aa. ihr Außeres.
B. und K. sind bemüht, uns ihre Helden nicht nur
in ihren Taten vorzuführen, sondern auch durch Be-
• •
Schreibung ihres Äußeren uns ein Bild von ihrem Aus-
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sehen zu geben. Das gelingt nun B. garniclit. Er schloß
sich seiner Vorlage an und schrieb die hergebrachten
Formeln ab. Es spielt hier die Technik des byzantinischen
Romanes herein, die es liebt, solche nichtssagenden Por¬
trätschilderungen zu geben. Selbst K. kann sich nicht
ganz von dieser Tradition losreißen. B. jedenfalls bleibt
vollkommen in dieser öden Schilderung stecken. In seinem
„Porträtkatalog“ gibt er geradezu gruppenweise seine
Personenbeschreibungen: Menelaus [5153], Ulixes [5201],
Machaon [5265] waren: „nicht zu groß und nicht zu
klein“ — Diomedes [5211], Neoptolemus [5239] waren
„stark, dick, groß, eckig.“ Priamus [5295], Nestor [5225]
waren „schön, lang, groß.“ Und so weiter. Briseidawar:
„nicht zu groß und nicht zu klein; ihre Augenbrauen
waren zusammengewachsen. Das entstellte sie ein wenig“
[5275]. — Derartige Schönheitsfehler sind natürlich bei
K. ausgeschlossen. Auch von Hector sagt B: 5313: „er
war ein von der Natur sehr begünstigter Ritter; aber er
stotterte ein wenig.“ K. bildete daraus das Motiv: „er
redete wenig, weil er lange Worte nicht liebte, sondern
die Tat!“ [18645]. Hector hatte auch — nach B. — keine
gesunden Augen. Solche Fehler sind um so auffallender,
als Hector der größte der Trojaner war; ihm widmet B.
eine sehr eingehende Schilderung; dabei findet er sogar
einige recht geschickte Wendungen: „Hector, der Kühnste
der Trojaner . . der Trojaner? Nein, der ganzen Welt!
Der Tapferste von allen, die je waren, sind und sein
werden!“ Diese Rhetorik sticht sehr angenehm ab von dem
sonstigen Formelgeklapper Bs. Auch den Troilus be¬
handelt B. auffallend eingehend; er gibt sogar Detail¬
schilderung: „rötliches Gesicht, . . volle Stirn, blonde
Haare, die von Natur leuchteten; schillernde Augen;
regelmäßig geschnittene Nase und Mund; schöne Zähne,
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weißer als Elfenbein und Silber! viereckiges Kinn, langen,
graden Hals; die Schultern herabgezogen, wohlgeformte
Hände und schöne Arme; schöne Figur, voll an den Hüften,
grade Beine und gewölbten Fuß“ [5393]. Ebenso gibt er
von der Pollixena eine sehr lange Schilderung [5541]. An
solchen Stellen hat B. sogar recht hübsche Worte; aber
das sind Ausnahmen in dem dürren Formelkranze Bs.
Was soll man sich vorstellen unter folgender Charakte¬
ristik: „Helenus und Deiphobus, an Form einander ähn¬
lich, nicht an Fertigkeiten“ [B. 5381]. Selbst der Helena
widmet B. nur allgemein gehaltene Beschreibungen: B.
4229; 4320; 4336; 5119; 10 595. K. geht ganz anders
vor. Die Schönheit des Mannes zu schildern, hält er
gar nicht für angebracht; seine Ritter sind vor allem
Helden; dann selbstverständlich auch schön; aber diese
Schönheit liegt doch mehr in der äußeren Hermachung,
in den Waffen und Watfenkleidem. Diese wird er gar
nicht müde zu schildern; die andere Schönheit kommt der
Frau zu, und zwar steht für K. nur die eine im Mittel¬
punkte, Helena. Sie ist die Sonne, die alles mit ihren
Strahlen erleuchtet, um die sich alle andern Sterne drehen.
Durch das ganze Buch hindurch blitzen die Reflexe
dieser Sonne; um Helena drehte sich ja alles; schon
die Vorgeschichte Ks. zeigte, wie Paris den Streit der
Göttinnen entschied, durch die Hoffnung auf Helena ge¬
trieben. Also auf Helena hat K. alles aufgespart, was
er an Rhetorik besaß; natürlich übergeht er die andern
nicht; er ist viel zu viel Maler, um in repräsentativen
Szenen nicht auch einen Paris (etwa als er zum Apfel¬
streit an den Hof gerufen wird [1642 ft’.]) u. a. zu schildern.
Aber gegenüber der alles Maß überschreitenden Begeiste¬
rung für Helenas Schönheit sind die Schilderungen der
anderen Personen bei K. nicht zu rechnen.
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Die Medea, die ja auch eine große Rolle im Romane
spielt, schildert K. noch sehr ausführlich. B. [1212] hatte
eine spärliche, ganz allgemein gehaltene Schilderung der
Medea gegeben: „Gar schön war sie an Körper und
Gestalt, im ganzen Lande gabs keine Frau von ihrer
Schönheit . .“ K. [7498] „unter dem Häubchen brannte
ihr Haar in leuchtender Farbe, als ob Goldfäden durch
kleine Löcher glänzten. Gott hatte Fleiß verwendet auf
ihre schöne glänzende Form. Das Häubschen stand ihr
hübsch und ir necket drunder war schön und weiß wie
Schnee. Mit leisem, kleinem Schritte kam sie herge¬
schlichen. Angenehm und rein war ihr lauteres Ange¬
sicht; mit Worten ich ir scelde nilit durhgriinde noh
durhglöse. Wie eine frische Rose, die vom Taue naß
und an einem Morgen aufgebrochen ist, seht, also in
frischer Farbe ging Medea daher. (Das Bild hat er von
B. „zarter und frischer und farbiger als eine eben erschlossene
Rose“). Wie man es nur wünschen kann, so war sie an
Gestalt und an Geberde. Langsam schlich sie daher,
wie ein kleiner Falke, dem das Gelieder schön anliegt
(das ist Ks. eignes Bild); den Gästen gab sie durch ihr
Antlitz und ihr Kleid sehr große, glänzende Augenweide. W er
sie sah, dem hob sich das Herz in der Brust; aber auch
Jammer war dem beschieden; denn wer des lebenden
AVunders und dieser Schönheit gedachte, und wer sich
ausmalte, sie zu lieben, dessen Herz hing an ihr. Ihre
Schönheit überragte die aller Frauen des Landes; sie
wußte sich wohl zu geben und war nach Wunsche ge¬
staltet. Die Minne zu ihr machte damals viele Griechen
krank ; sie seufzten und siechten nach ihr hin ; vielen Herzen
brachte sie Weh, viele jagte sie in Trauer.“ Trotz mancher
schönen Wendung bleibt diese Schilderung zu typisch;
vgl die kurz und allgemein gehaltene Schilderung Ks.:
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6564, 7720, 12960- B 2793 (Esiona) 19522, 19574, 19608,
19657 u. a. Aus allen diesen Schilderungen fühlt man
doch heraus, daß Ks. Herz und Begeisterung noch nicht
für diese Frauen gewonnen ist. Das ändert sich bei
Helena. Was alle mhd. Poeten zum Lobe ihrer Frauen
an Farbe aufgeboten haben, das bleibt zurück hinter dem
Blumenregen, den K. über Helena ergießt. Von den
ersten Versen an, fast durch das ganze Buch hindurch, zieht
sich der bunte Kranz der überschwänglichsten Lob¬
preisungen der Helena, ich sag iu von den dingen,
wie daz vil heiserliche wip Helene manigen werden Up
biz üf den tot verserte, . . . ir cldrheit was geflozzen für
alle froutoen üz erkor n. So beginnts und so gehts weiter:
in allgemein gehaltenen Wendungen erhebt er ihre Schön¬
heit über die aller Frauen. Schließlich erklärt er sich
außerstande, ihr Lob zu singen [19690] ; aber immerhin ver¬
suchen will ers. „Nehmt es mir nicht übel, wenn es nicht so
ausfällt, wie es eigentlich müßte.“ In einer endlosen
Reihe von oft sehr schönen Bildern beschreibt er dann ihre
Schönheit; doch bleibt er zunächst immer noch allgemein.
Dann geht er ins Detail. Aber auch wenn er zur Dar¬
stellung der einzelnen Körperteile kommt, schmückt er
seine Worte mit wirkungsvollen Bildern, sodaß seine Be¬
schreibung stets von glitzernder Lebendigkeit bewegt ist.
Mit den Haaren beginnt er seine Schilderung: [19908J
„Ihr Haar war kraus und lockig, es glänzte so wunder¬
bar, als ob es aus arabischem Golde gesponnen wäre.“ Es
folgen die Ohren, die fleckenlose Stirn, die Augen mit den
Augenbrauen, die Nase, die zu schildern er zu tumb
sei. Sie war „nicht zu grade und nicht zu gebogen. Es
fehlte ihr nichts, was zu einer schönen Nase notwendig
ist.“ Das ist allerdings eine wenig deutliche Beschreibung.
Die Farbe ihrer Haut war „rot und weiß gemischt, ohne
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daß eins oder das andere zu weit hervortrat“. — Aelin-
lich werden die Wangen, der Mund und die Zähne ge¬
schildert. „Die Schönheit der Zähne konnte Herzeweh
machen“. Das Kinn hatte ein Grübchen; dann wieder
allgemein: Nacken und Kehle waren „glatt wie Elfen¬
bein und weißer als Kreidemehl“; weiße Hände und zier¬
liche Finger, volle Schwanenarme. Sie hatte eine hübsche
Figur: si was enmitten deine und umb den gürtel wol
gedrät. Ihre Füße waren zierlich, von der richtigen Länge,
ihre Beine grade ; sie hatte schmale Hüften . . . Ihre
Brüste waren wie zwei Kugeln gedreht [20215]. Daß
K. unbedingt die Helena vor alle andern Frauen setzt,
beweist folgende Stelle: B. schildert [10593] die Schön¬
heit der Helena und setzt gleich hinzu, Polixena sei
um nichts weniger schön. K. übernimmt die Stelle:
[ 39278] sie waren beide schön: wan daz Helene ein deine
da luhte viir Polixinam. An dieser Stelle sei auf einen
schönen Zug Ks. hingewiesen: B. hatte angedeutet: an
diesem Tage schaute mancher da bewundernd hinauf, um
ihr schönes Antlitz zu schauen: K. [39268.] sie zwo vil
manigen veigen da mähten ü f der müre, der sich an
ir figiire so lange dö verkaufte daz einer üf in stapfte
und ungeuarnet in ersluoc. sie beide taten schaden
genuoc des mäles mit ir bilde. Der Dichter schildert
übrigens öfter die Schönheit durch ihre Wirkung.
ßß. ihr Charakter.
Eine scharfe Charakteristik von Personen durch
ihre Handlungsweise linden wir weder bei B. noch bei
K. Dazu war schließlich der ganze Roman, in dem es
sich um Kämpfe und wieder Kämpfe handelte, gar nicht
angelegt. Wir haben aber dennoch einige Ansätze zu
solcher Charakteristik.
In diesen Fällen
übertrifft
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dann K. wiederum den franz. Meister. Wenn z. B. Jason
zu Oetes kommt, so fragt Medea ihren Vater, wer die
Gäste seien usw. [B. 1257]. K. setzt hinzu: Medea fragt
„leise“ den Vater [7602] und charakterisiert so des
Mädchens Wohlerzogenheit. Erwähnt war schon [S. 40],
wie K. aus Bs. Angabe: „Hector stotterte ein wenig“
den Charakterzug bildete: „Wenn die Not zwang, dann
redete er; sonst nicht. Er wollte sich nicht mit böser
Rede übereilen; doch mit der Tat war er gleich bereit“
[18 656]. Von B. abweichend charakterisiert K. den Paris
an folgender Stelle: B. 4373: Paris ermuntert die Seinen
zum Rachezuge mit dem Hinweise, daß es hier viel Gold
und Silber, dazu eine schöne Frau zu stehlen gäbe! —
Diesen häßlichen Zug übernahm K. nicht. Paris soll
nicht wie ein gemeiner Frauenräuber handeln; um Ver¬
geltung für die Schmach an Esiona zu üben, will P. die
Helena rauben [20584 ff.]. — Ausführlicher als B., schildert
K. den Charakter des Peleus: B. 740: „Peleus fürchtete,
Jason könne so stark werden, daß er ihn schließlich aus
dem Lande triebe und sich des Thrones bemächtige. Da¬
rum haßte er ihn und suchte ihn aus dem Wege zu
räumen“. K. 6572: „Peleus ärgert sich über den Ruhm
Jasons, wie das ja noch heute geschieht, daß tüchtige
Menschen gehaßt werden. Neben seinem Sohne Achill
vertrug er einen solchen Helden nicht“. Den Achill hatte
B. nicht, also war bei ihm dieses Motiv nicht möglich.
Andrerseits muß man sich wundern, warum Jason [bei K.]
nicht auf den Gedanken kommt, Peleus solle doch seinem
Sohne Achill den Ruhm des goldenen Vlieses überlassen.
Mit großer Beredsamkeit sucht Ks. Peleus den Neffen zu
veranlassen, die Todesfahrt zu wagen.
Was K. aus Andeutungen Benoits dieser Art machen
konnte, beweist die vorzügliche Charakteristik Laomedons:
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B. 1003: Laomedon hat gehört, daß die Griechen in Troja
gelandet sind [unter Jasonj. „Er fürchtete, wenn er den
Griechen nicht wehrte, so würden sie herankommen und
ihm Schaden und Schande bringen.“ K. 6936: rL. glaubte.
die Griechen wären gekommen ihm zu schaden .
L. war ein alter Mann; der hatte kein Verständnis mehr
für harmloses Spiel und Kurzweil. Die kleinsten Anlässe
konnten ihn zu hellem Zorne reizen. Darum mochte er
auch die Griechen nicht in seinem Lande. Als er ihre
große Menge und ihr großes Gefolge sah. da verlor er
seine Freude. Er dachte sicher, sie wären ihm zum Schaden
gekommen. Sorgen ergriffen ihn, wie jeden, der Angst
hat“. Eine ganz ähnliche Schilderung gibt K. von Aeson.
Ovid, Met. VII 162: sed abest gratantibus Aeson ; iam
propior leto fessusque senilibus annis. K. 10 286: ....
„er war ein alter Mann geworden und konnte keine Freude
mehr haben. Das Alter ist von Natur gegen alle Freuden
verschlossen.“ Mit einem Worte sei hingewiesen auf
die Ausführlichkeit, mit der K. die Treulosigkeit des
Nessus schildert. Auch der Erwägungen der Medea.
als sie schwankt zwischen ihrem Vater und Jason, und
der Erörterungen Helenas dem geliebten Paris gegenüber
sei hier gedacht; sie geben immerhin ein deutliches
Bild von dem Charakter der beiden. Auffallend ist fol¬
gende Stelle: Ovid erzählt IX 134: Die fama brachte
der Deianira die Nachricht, daß Hercules sich in Jole
verliebt und der Deianira vergessen hätte. Da ist
D. unglücklich: „Soll ich klagen, soll ich schweigen, soll
ich zurückkehren nach Calydon, soll ich sterben? Soll
ich aus diesem Hause gehn oder soll ich widerstehn? Soll
ich mich erinnern, daß ich eine Schwester des Meleager
bin, und soll ich eine große Tat vollbringen?“ K. [38 186 ff. j
erzählt dasselbe, läßt aber die
verzweifelte Ratlosigkeit
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der Deianira fort. Als sie von dem Treubruch hört,
denkt sie sofort an das Zauberhemd des Nessus. Noch
ein Charakterzug Hectors möge hier Platz finden: K.
36 172 ff.: Theseus hatte dem Hektor, als er bedrängt
war, geraten, Troie zu rufen und dadurch die Trojaner
aufmerksam zu machen. Als nun Rodomalus den The¬
seus niederstechen will, da erinnert sich Hector dieses
Dienstes, den ihm Theseus erwiesen hat und verhindert
seinen Tod. „Er bewahrheitet“, sagt K., „an ihm, daß
man eine treue Tat nie vergißt. Der kluge Mann ver¬
gilt die Tat, die man ihm erweist; übel oder gut — er
gedenkt dessen.“ Daß Hector ein edler Ritter ist, beweist
auch der Umstand, daß er einem getöteten Feinde nicht
den „Harnisch abzieht“, auch wenn er manger marke wert
ist [K. 31 010.]
ß. die Masse.
K., der Vorliebe und Talent hat für die Darstellung
großer, feierlicher Szenen, ist sehr viel geschickter in der
Verwertung des Volkes als B. Während dieser das Volk
in der Handlung sehr zurücktreten läßt, führt K. die
Massen oft wirkungsvoll ein und läßt sie an den Ereig¬
nissen teilnehmen. So erzählt K.: [23 148] wie beim Ein¬
zug Helenas in Troja „Männer und Frauen“ die Wonnig¬
liche begrüßten und feierlich empfingen. Davon stand
bei B. nichts. Sehr viel lebhafter ist Ks. Schilderung
vom Empfange des Paris in Cytherea als die Bs.; vgl.
B. 4297 und K. 19 556 (s. S. 37.) Ähnlich Hectors Rück¬
kehr nach Troja [B. 10 210. K. 37 636]. Sehr glücklich
hat K. die Massen in folgender Szene eingeführt, die bei
B. fehlt: K.: „Den Frieden, den sie unter einander ab¬
geschlossen hatten, hielten sie treulich; Griechen gingen
zu Trojanern, Trojaner zu Griechen. Die aus dem Lager
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gingen auf den Kampfplatz, und die von Troja kamen
zu den gesten heraus; diese wiederum gingen zu den
Bürgern in die Stadt hinein. Die Tore standen offen.
Oft waren Trojaner und Griechen ohne Streit fröhlich bei¬
sammen“ [37 846]. Die Massen im Kriege und ihr Ver¬
hältnis zu den Führern wird an anderer Stelle besprochen.
e. Schilderung von Tieren.
Ks. Talent zu anschaulicher Beschreibung bewährt sich
nirgends so trefflich, wie in der Schilderung von Tieren.
Es ist erstaunlich, wie gut er allemal die richtigen Farben
findet, uns ein deutliches Bild von dem betreffenden Tiere
zu malen; so schildert er den Wunderwidder von Kolchos
im Kling-Klang einer entzückenden Musik; den alten, ab¬
gelebten, knöchernen Versuchswidder der Medea stellt er
in schmucklosen, spitzen W orten hin, und der greuliche
Drache, mit dem Jason zu kämpfen hat, scheint zu leben
wie er pfeifend und fauchend sich auf den Ritter zu¬
ringelt.
1. Der goldene Widder.
Von B. erfahren wir über das Aussehen des Widders
nichts. K. gibt eine detaillierte Schilderung; seine Bilder
und Wendungen sind zwar die bei ihm typischen, doch
ist das Ganze ein hübsches Mosaik: das Vließ glänzte
wie gesponnenes Gold . . .; das Vließ glänzte wie ein
Spiegel usw. Neu ist folgendes Bild: „Wenn er sich
schüttelte, dann tönte seine Wolle wie Klang von
Cymbeln und anderen Instrumenten“ [10040].
2. Der Versuchswidder der Medea.
Hier hatte K. nur eine kurze Andeutnng seiner Vor¬
lage vor sich: Ovid, Met. VII 313: Protinus innumeris
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ejffetus laniger annis attrahitur, flexo circum cava tempora
cornu. Daraus malt K. mit klanglosen Worten einen alten,
ungestalten kraft- und saftlosen Widder: an im was anders
niht wan horn unde ein hüt zceh als ein wide man
liete im alle sine lide und siniu rippe wol gezelt . Mit
dieser trockenen Schilderung erreicht K. die gewünschte
Wirkung: er gienc da schsbic als ein bunt bi dem vihe
uf einer wisen ■ im was diu wolle sin entrisen und daz
vleisch engangen [11010]. Die ganze Beschreibung ist
frei von jeder hyperbolischen Formel.
3. Die Farren von Kolchos.
Da B. an dieser Stelle ein ausreichendes Bild hatte, so
konnte K. es übernehmen; aber er begnügte sich damit
nicht, sondern fügte ein zweites hinzu. B. [1883]: „aus
Nasen und Mäulern der Rinder ging eine solche Lohe
hervor, daß man hätte glauben können, die ganze Insel
stände in Flammen.“ K. [9665]: Dazu: „die Flammen
drangen aus ihnen heraus, daß vor des Feuers Glanz
ein großer Riese verzagt wäre .
4. Der Drache.
Die Schilderung des Drachen ist K. so trefflich ge¬
lungen, wie kaum eine andere; des Dichters Sprachkunst
hat uns eine vollkommene, plastische Darstellung des
Wurmes geschaffen. Mit treffenden Beiwörtern sucht
K. den argen serpant zu charakterisieren: „Feuer und
Gift“ warf er von sich; wütend und gierig ( wan er was
in der wüeste gewesen lange an ezzen) stürzt er sich
mit übelichen ougen auf Jason, um ihn zu slucken.
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dar zuo so krazt er unde beiz
mit grimmen und mit scharpfen
[zenen
swenn er den lip begunde denen,
so waz er üzermäzen lanc.
des ungehiuren wurme» ganc
der was vil gar unsüeze.
in truogen zwene fiieze
mit scharpfen cläwen michel
die stuonden sam ein sichel
krump und wären spitzic.
nach gifte stuont geverwet
sin hüt wol und rehte.
swarz unde sprickellehte
was im der zagel und daz vel,
da vlecken rot, griien unde gel
stuonden in gemenget.
usw. Der Drache trug natürlich auch Flügel;
gröz unde breit vor an der brust
lie sich der tracke vinden;
da bi so was er hinden
gefüeger unde deiner . . .
ein egebsere stimme
liez er üz sinem rachen,
der wert begunde ercrachen
durch den griuwelichen schal
der von sinem giele erhal [9764].
ß. bleibt auch hier hinter K. zurück: „Als der Drache
den Jason auf sich zukommen sieht, pfeift er hoch auf
und windet sich. Feuer und Gift speit er und zerwühlt
die Erde“ [1917].
5. Die Orakelschlange.
Mit der großen Schilderung des Drachen hat sich
Konrads Sprachkunst der Tiermalerei erschöpft. Jetzt
begnügt er sich damit, die Tiere mit typischen Beiwörtern
zu schildern. So die Schlange, die die Vögel in Aulis
frißt. Ovid. Met. XII 13: caeruleum draconem. K. [24180]
noch verre grüener denne ein gras sach man da glenzm
sinen balc. der selbe mortgitige sclicdc . . .
6. Andere Tiere.
Von den "VVundervögeln wird an anderer Stelle ge¬
sprochen werden; ebenso von den 9 Orakelvögelchen.
Wenn von Pferden die Rede ist, so begnügt sich K. mit
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einigen Epithetis und allenfalls mit heraldischen Be¬
merkungen von covertiure u. a. „Ulixes kam auf einem
starken Rosse dahergeflogen“ [25682]. — Ulixes und
Diomedes riten apfelgrisiu pfert, diu wol enzeltes
gierigen ; in sluogen unde hiengen die mene cerre hin ze
tal, von golde glizzen überal ir zäume und ir gereite guot,
wan si durch höhen iibermuot rilichen wären collebrächt
[26370]. Dieser Stelle liegt bei B. auch eine sehr aus¬
führliche zugrunde: pale freie orent gern e beaus soef
amblanz, forz e isneaus merveilles erent bien taillie
e de l’eire bien aaisie ne neif ne eignes n’est si blans
come il avaient toz les flanz, ferranz e bais e pomelez
orent cous cropez e costez, ensele furent gentement e en-
frene si richement que por mil besanz moneez ne fust li
lorains achetez [6235]; und B. 2725:
sor un cheval sist Hercules
e si n’orra parier jamais
uns hom de tel ne de son per
pro vos en porreit om conter
mais a peines creu sereit
come il fu nez ne qu’il valeit.
Gerade die letztere Stelle Bs. geht über allgemeine
Redensarten nicht hinaus. Von Hectors Roß sagt B.:
„H. bestieg sein Roß Oalatee , das er von der Fee Orca
hatte; die liebte ihn sehr, er aber wollte nichts von ihr
wissen. Deshalb haßte sie ihn“ [8023]. Diese Anekdote
hat mit der Beschreibung des Pferdes nichts zu tun; es
ist auch das einzige Mal, wo B. zur Charakterisierung
ein solches Geschichtchen erzählt K. übergeht das, weil
es nicht hierhergehört und er Namen vermeidet.
f. Schilderung von Geräten.
1. Zelte.
Zelte gehören unter das Kriegsmaterial, sie sind Aus¬
stattungsstücke eines Heeres. Wie der Reichtum an
glänzenden Waffen und Waffenkleidern Zeugnis von der
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Vortrefflichkeit eines Heeres ablegt, so ist die Pracht
schöner Zelte das Zeichen eines unüberwindlichen, gro߬
artigen Heeres. Es ist also klar, daß K. wieder mit
größtem Interesse derartige Schilderungen gibt. Da war
wieder Gelegenheit, dekorative Bilder zu entwerfen. Auch
B. bleibt bei der Beschreibung von Zelten einen Augen¬
blick stehn; aber seine Schilderungen bestreitet er wiederum
mit den bekannten, farblosen Wendungen: „Ich will mich
hier nicht aufhalten, um zu beschreiben und zu erzählen,
wie Achills Zelt aussah, wie Menelaus’, wie Ulixes’, wie
Nestors; aber das ist sicher: es gab ihrer da, die waren
nicht für 100 Pfund Goldes gemacht; es war ein be¬
wunderungswürdiger Anblick“ [7597]. Da fühlt B. doch,
daß er uns hiermit keine Anschauung gegeben hat; er
strengt sich also an, um uns folgendes Bild hinzustellen:
maint aigle d’or rcsplendissant e maint einer paile d’Ori-
ant vert e cermeil e aufricant i puet Vom veeir senz
mesure ja n’iert la nuit ensi oscure qu’il ne veient com
par der jor [7614]. Bis auf das Bild zuletzt — das K.
sogar übernahm — ist die Schilderung dürftig; wie ein
Zelt nun aussah, wissen wir immer noch nicht. Ganz
anders Ks. Bild; schon in seinem ersten Satze er¬
kennt man seine Teilnahme an dem, was er schildert:
,.Ha! Was gabs da für Zelte vor Troja! Heide und Gras
waren bedeckt mit lichten pucilünen. Die waren von
weißem und braunem Samt geschnitten; da gabs gelbe
und rote und blaue Zelte, von zenddle wol gebriten ; et¬
liche waren auch von grünem Purpur geschnitten . . . Ihre
Schnüre und Seile waren aus Seide gesponnen; ihre Knöpfe
(Spitzen) leuchteten schön von Gold und Edelsteinen.
Alle glänzten neu; keins war alt. Wie leuchtendes Ge¬
stirn gaben sie auserwählten Glanz von sich. Da blitzten
viele rote Rubinen und viele lichte Karfunkel. Wie dunkel
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die Nacht je wäre, man hätte doch dabei gesehen [= B.
7618/19]. Sie leuchteten und brannten gegen Troja hin
als ob dar in diu sunne schin unde ein wolkenloser tac “
[26 216]. Wie glänzt und glitzert das gegen Bs. lebloses
Einerlei !
2. Banner.
Dasselbe bunte Bild malt K., wenn er die Banner
beschreibt, die er vor allem in Kampfschilderungen ein¬
flicht. Es handelt sich da meist um die Gesamtheit der
Banner, die einen blendenden Eindruck auf den Zuschauer
machen. B. erwähnt die Banner kaum. Ks. Bilder sind
die gewöhnlichen, Farbe und Stoff der Fahnen bunt und
seltenen Wertes. Und welch eine Menge von Bannern
sah man da! als ob daz ertrich iiberal erbibente und er¬
brachte, so groß war der Lärm! K. 25176; 39168; 30760;
31 874 ...
3. Segel.
Banner und Segel sind in ihrem Aussehen nicht ver¬
schieden; wie die Menge prächtiger Fahnen einen schönen
Anblick bietet, so ergeben die Tausende glänzender, sei¬
dener Segel ein dekoratives Bild. Alle Farben leuchteten
von den Segeln; hineingewebt waren der kiinge wapen.
Ihre Zahl war so groß, daß man sie nicht aufschreiben
konnte. B. macht Ansätze zu einer ausführlicheren Be¬
schreibung der Segel: „Voran schickten sie 100 Schiffe,
die Segel im Winde aufgerichtet. Die waren aus Purpur,
Zendal und „kaiserlichem Tuche“ gemacht. Als sie im
Winde entfaltet waren, da sah man 1000 Wappen¬
zeichen“ [7061]. K. 25142 ff. überbot das nach seiner
AVeise: „Das Meer in seinem ganzen Umfange war mit
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Schiffen bedekt ... ein Segel schwarz, das andere weiß,
das dritte grün . .“ usw.
Daß Banner und Segel gleicher Art waren, zeigt ein Ver¬
gleich Ks. [30 816]: „Man hörte die Banner schnurren wie Segel
auf dem Meere.“
4. Verschiedenes
a. Bettschilderungen.
Auffallend finden wir bei B. 2 mal eine sehr eingehende
Beschreibung von Betten, während K. sich einmal sehr
kurz faßt und das andere Mal stillschweigend an Bs.
Schilderung vorbeigeht. Die erste Stelle bei B. handelt
von dem kostbaren Bett der Medea:
En un chier lit d’or et d’argent,
Quonques nus hom ne vit
p 1 ub gent,
Dont li quatre pecol egual
Furent tuit ovre a esmal,
A esmeraudes verdeianz
E a rubins clers e luisanz; —
Conte i ot grant vouse de paile
Oncmeillor n’enotenThe-
saile ,
E lengueus blans deugiez de seie
Ne cuit que nu6 hom meil-
lors vei e.
Mout i ot riches orcilliers
Onques pucele n’ot si
chiers;
Li covertora fu riche assez,
D’unes bestes fu toz orlez
Que reluisent conie orpimenz;
D’autres mout chieres fu dedcuz
Vous fu d’un drap sarragoceis
D’or e de seie trestot freis; —
El lit sc coucha la pucele
Que mout fu sage e gente e bele :
Bien esteit digne d'itel lit.
(1651).
Die nichtssagenden Phrasen zeigen wieder recht Bs.
Hilflosigkeit. Viel schöner ist Ks. Schilderung:
und leite sich diu vrouwe nider
uf ein spanbette reine,
gedrat von helfenbeine
und üzer mäzen wunnevar.
ez was gezieret unde bar
den ougen liehtebaeren solt.
gesteine, silber unde golt,
diu glizzen druz sö vaste,
daz von ir drier glaste
diu kemenäte wart erlulit.
ez möhte drinne hän geduht
diu naht ein wunneclicher tac.
ein purpur ob dem bette lac
geworht von riehen Sachen,
ez wart nie deckelachen
sö wsehe noch so tiure [9014].
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Hectors Bett wird von K. nicht beschrieben [37 683],
während B. auch diesem Bette eine längere Schilderung
widmet. Seine Phantasie aber reicht nicht weit, er be¬
nutzt die gleichen Worte wie für Medeas Lager: wir
hören von „sarazenischer Arbeit“, von „Gold und Edel¬
steinen“ usw.; nur zum Schluß hat er eine andere Wendung:
„Die Decke war von Tuch, weißer als Schnee, mit gol¬
denen Sternen dicht besät“ [10238].
b. Schlachtwagen.
Bei der Truppenaufzählung wird erwähnt, daß Fion
einen Schlachtwagen mit sich führte. Den beschreibt B.
bis in alle Einzelheiten. K. schließt sich eng an seine
Vorlage an, bisweilen wörtlich übersetzend: B. 7885 ff.
K. 30000 ff. B. les roes furent de benus; K. üz ebenö dem
holze qtiec . . . die reder wären und die naben . . B. e li
aissnel e li paisson ( esteient ) dore si tres menuement; K.
sin dihsel und nn ahsel die luären Uder silberin. Aber
ganz nur B. zu folgen, war K. unmöglich. Es drängt ihn,
über B. hinaus, selbst etwas zuzusteuem; er fügt Bs.
Schilderung eine schöne heraldische Partie an. vorn üf
dem wagene was ein cane gestecket , der schein grüene
und was ein louwe küene ton bläwer siden drin geneben;
der stuont als ob er kiinne leben und was gekroenet
schone ; con golde schein sin kröne gar wunnecliche, so
man seit.
c. Tempel.
Auf der Insel des goldenen Widders stand ein Tempel.
B. hat weder die Insel ausgemalt, noch des Tempels ge¬
dacht. Auch Ks. Schilderung ist hier nicht auf der Höhe;
er behilft sich mit wenigen üblichen Redensarten [9598 ff.] :
„er war außen und innen mit Marmor und Gold ausge-
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legt. In Edelsteinen leuchtete und glänzte er wie ein
Sternenbild. Trotz seiner „wonniglichen;‘ Farbe war er
sehr alt Mars hatte ihn selbst dahingesetzt. So stand
er denn nach des Gottes Gebot seit langem da; man sah
nirgends einen Tempel also wonnesam.** Man sieht, archi¬
tektonische Schönheiten sah K. nicht. Dennoch fühlt er
sich berufen, auch auf diesem Gebiete seine Fertigkeit
zu prüfen. Noch einmal fügt er in seine Vorlage eine
Tempelbeschreibung ein, wo wir recht seine Unfähigkeit
in solchen Schilderungen erkennen. In der Erzählung
vom Bacchusfeste (nach Statius I 285) beschreibt er näm¬
lich einen Tempel mit den gleichen Worten wie den von
Kolkos : ein tempel an demselben stade, stuont con marmel¬
steine, daz was mit g olde reine gewieret und mit gimmen,
und wart mit süezen stimmen dick unde wol bcdoenet. diz
betehüs beschcenct eil gar mit höher koste was [14 548].
Hier ist von Ks. großer Phantasie wenig zu merken.
g. Schilderung von Festen.
Wie sieht ein Fest bei K. aus? Gleich zu Anfang
seines Romanes finden wir die Erzählung einer glanz¬
vollen Wirtschaft. Es soll die Hochzeit der Thetis mit
Peleus gefeiert werden. — Zunächst verlegt K. den Schau¬
platz ins Freie. Dadurch hat er Gelegenheit, von seinem
Talent für landschaftliche Schilderungen den ergiebigsten
Gebrauch zu machen. Da sehen wir eine herrliche Wiese
mit Blumen, Gras und Kräutern; da singen Vöglein, da
rauschen Wälder und fließen Bächlein [1116]. Auf diesem
zauberischen Plane stehen Tische und Stühle, mit kü-
niclicher richheit geziert. Dort versammeln sich die Gäste.
Nun gilt es, deren Kleider und Schmuck zu beschreiben.
Das glänzt und leuchtet alles im Wettstreit mit den
Blumen und der Sonne! Man saß unter „kaiserlichen*4
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Zelten und sang „süße Weisen“ [1160]; und endlich:
da was eil gröz gercete ton tränke und ton spise [1158] ;
auffallender Weise begnügt sich K. an dieser Stelle mit
der allgemeinen Andeutung von Speise und Trank; es ist
sonst seine Art, diese Genüsse bestimmt zu bezeichnen,
wie z. B. beim Bacchusfest, das ähnlich geschildert wird;
K. 16174. Da heißt es: ein braten undc ein siden huop
sich in dem gecilde. ton zame und ouch ton wilde wart
da gekochet wunder [16212]; und 16310: man briet in
wunder undc söt ton spise manger slahte ■ in wart da
manic traJite dir gesetzet und geleit, ein tisch wart in
zehant bereit dar über si da setzen si trunken sere und
äzen (man erinnere sich, daß nur Frauen zu diesem Feste
zugelassen waren!) und wären mit einander trö. man
schände in unde gap in io mete, mörat unde win. swaz
cht ein ; Wirtschaft mac gesin ton zame und auch ton
wilde, des ivart ein gröz unbilde getragen für die megde
clär. si triben stille und offenbar tröud unde wunnec-
lichen spot, da mite wart des wines got gepriset und ge-
rüemet. Jetzt endlich reißt sich K. von dem Eß- und
Trinkvergnügen los; der weitere Verlauf des Festes ist
dieser: Mit Kränzen in den Haaren geben sich die Jung¬
frauen ausgelassen dem Sang und Tanz hin; mit wol gc-
blüemten esten schuzzens über sich enbor. Kurz: swaz man
ton tröuden ie gelas, des alles wart begangen til ... da
was dehein gebreite an spise und an gercete. Selbstver¬
ständlich trugen die Mädchen alle die ausgesuchtesten .
Kleider, was K. Gelegenheit gibt, einen Augenblick be¬
wundernd zu verweilen. 16404: dieser Tag ward gefeiert
mit wunneclichen Sachen; der Wald erkrachte unter diesem
fröhlichem Spiele! sich huop da michel ringen unde ein
brehten unde ein toben Auch die selbstverständlichen
Folgen dieser Ausgelassenheit vergißt der kluge Dichter
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nicht: zerfüeret und zertrennet wart con siden manic
mit an der cd kiiniclicJien wät, die die Frauen anhatten.
ouch wart von blanker hende cd schapel und gebende
cerrücket bi der stunde [16412]. Als alle müde waren,
machten sie sich aus Blumen und Gras ihr Lager
[16476 ff.]
Trotz vieler allgemeiner Redensarten hat es K. doch
verstanden, ein sehr bewegtes, lebensprühendes Fest zu
schildern. Es ist ein ganz modernes Bacchanal, das K.
da entwirft. Gutes Essen und reichliches Trinken galt
auch K. schon für den Mittelpunkt einer Festlichkeit.
Auch als Jason mit den Seinen zu Oetes kommt, läßt
es sich der König als Wirt sehr angelegen sein, daß
rilichiu spise und edel träne den Gästen vorgesetzt werde.
ichn mac ez halbez niht gesagen waz Wirtschaft in da wart
geboten , wütbreet, gebraten und gesoten , gab ihnen der
König [7378]. — B. hatte an dieser Stelle eine allge¬
meiner gehaltene Bemerkung [1203]: Der König bewirtete
sie gut; zur Nacht wies er ihnen ein gutes Nachtlager
an und gab ihnen reichlich zu essen und zu trinken. Vgl.
auch die Tafelgenüsse K. 37 730, [B. 10271] K. 20367. —
Endlich noch ein Beispiel dafür, daß K. bei Festlich¬
keiten auch an die Musik denkt. Die Nacht nach der
1. Schlacht verbringen die Griechen unter Singen und
Lärmen. 26250: bei Kerzenlicht ward herschefte ein
wunder gepflegen. man hörte manic seitenspü da clingen
unde erhellen, püsünen vil er schellen begunden üf der beide.
B. an dieser Stelle: la nuit sofrirent cest labor, poi man-
gierent e poi dormirent estrange peine par sofrirent [7620].
h. Schlachtschilderungen.
Das Thema der Trojasage ist Kampf und Schlacht.
Wenn auch Konrad sich bemüht hat, andre Themen
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(vor allem das der Minne) möglichst gleichbedeutend
neben die kriegerischen Ereignisse zu stellen, so bleibt
doch die Grundlage des Werkes der Krieg mit allen
seinen Nebenumständen wie Ursachen, Anlaß, Vorbe¬
reitungen, Verhandlungen usw. Es war also von größter
Bedeutung, ob der Dichter imstande war, dieses eine
Thema durch ein so großes Werk hindurch so zu be¬
arbeiten, daß es nicht durch fortwährende Wiederholungen,
einseitige oder dürftige Darstellung ermüdete.
Da finden wir nun zwischen Benoit und K. den
großen Unterschied. B. muß sich mit seinem Stoffe ab-
finden, so gut es geht; K. ist mit Begeisterung dabei.
B., dem jede Fähigkeit zu variieren abgeht, setzt uns ein
wirres Durcheinander von allzu ähnlichen Einzelkämpfen
• • _
vor; K. versucht Übersicht und Wechsel hineinzubringen.
B. bestreitet seine Schilderungen mit ewig gleichen Redens¬
arten; K. überschüttet uns mit Bildern und Vergleichen
und reißt uns durch seine Sprache mit fort. Einzel¬
kämpfe, wie Jason und der Drache, schildert B. gar
nicht oder sehr dürftig; K. scheint selber initzukämpfen.
I. K. bringt Kampfschilderungen, wo B. keine hat.
Der Kampf Jasons mit den Rindern und dem Drachen
bietet ein schönes Beispiel dafür, wie K. einen Kampf
wirklich beschreibt, während es in Bs. Worten gamicht
zu einem solchen kommt. Rinder- und Drachenkampf
werden von K. ganz getrennt geschildert. B. 1883: Jason
findet Rinder und Drachen und Widder . er be¬
streicht seinen Körper und sein Gesicht mit der Salbe,
opfert das „Bild“, setzt seinen Helm auf . . geht auf die
Rinder los; mitten durch die Flammen. Sofort verbrennt
sein Schild; er selbst aber war nicht verloren. Er wirft
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den Leim den Ochsen in die Nasenlöcher, daß kein Feuer
mehr herauskommen kann — ihre Kraft ist zu Ende.
Soweit geht K. noch mit; doch betont er ganz bestimmt:
daß J. mit den Ochsen kämpfte! Er kämpfte, bis ihm
„die Ringe von starker Hitze glühten.“ Dann erst wirft
er den Leim in die Nasenlöcher der Farren [9665]. —
K. läßt den Jason kämpfen, obwohl ein solcher Kampf
überflüssig ist. Das hängt auch mit des Dichters An¬
sicht vom wahren Ritter zusammen, der so leichten Kaufes
nicht davon kommen kann. War hier noch keine rechte
Schilderung des eigentlichen Kampfes, so finden wir eine
solche in der nun folgenden Drachenepisode. B. erzählt
wieder: „Jason wäre in dem Feuer und Gift umgekommen,
. . . aber die Salbe und das Bild retteten ihn. Er gibt
ihm mit dem Speere solche Hiebe, daß die Insel wider¬
hallt; aber er dringt nicht durch das Fell des Untiers
durch. Jason bekommt so große Angst, daß ihm das
Blut aus dem Munde fließt, daß er Blut schwitzt! Endlich
schlägt er ihm den Kopf ab. Hätte der Kampf nur noch
wenig länger gedauert, so wäre Jason gestorben, ohne
Zweifel.“ Der Schlußsatz zeigt so recht, wie gedankenlos
B. eine Formel hinsetzt, wo sie gamicht am Platze ist;
Jason ist doch gegen einen unglücklichen Ausgang des
Kampfes gefeit. Auch ist die Angst, zu der Jason keinen
Anlaß hat, lächerlich. K. erzählt uns einen großartigen
Drachenkampf, dessen Ende vom Dichter geschickt aus¬
gedacht ist: Der Drache reißt — mit dem Schweife eine
Schlinge bildend — den Jason zu Boden. In dieser
höchsten Not gedenkt der Ritter des Ringes, er macht
sich also unsichtbar und entgeht dem Verderben. So hat
K. auch den Talisman angebracht, wovon bei B. keine
Rede ist [K. 9764 ff.]. Jason kämpft einen gewaltigen
Kampf mit dem Wurme; der Elfenbeinschild kam dem
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Helden sehr zu Nutze. Seine Glätte wies die Krallen¬
angriffe des Drachen ab! Jason wäre verbrannt, wenn
er die Salbe nicht gehabt hätte (= B). Nun macht der
Drache mit dem Schweife die Schlinge . . . usw. Jason
stieß ihm das Schwert in die Kehle da, wo ein weißer
Fleck war; dann schlug er ihm den Kopf ab.
II. Vereinfachungen, Gruppierungen.
In Schlachtschilderungen gelingt K. durch Ausscheidung
einiger Episoden eine größere Klarheit, wie er durch ge¬
schickte Zusammenfügung zugehörender Teile eine über¬
sichtliche Einheit herzustellen weiß. In der 1. Schlacht
kämpfen:
bei B : 2400 ff bei K. 1 1 950.
Nestor . Nestor
Castor und Pollux . C. u. P.
Nestor — Laomedon .... fehlt.
Diese N. L.-Episode ist überflüssig, auch bei B. bleibt dieser
Kampf resultatlos.
Nestor — Cedar . N. — C.
Castor — Seguradon . . . fehlt.
Dieser Zweikampf ist ohne Bedeutung.
Castor — Cedar . C. C.
Castor gefangen, v. Pollus befreit . . ebenso.
Pollux tötet den Eleachim .... ebenso.
Eleachims Tod ist der Anlaß zum Eingreifen Laomedons in
den Kampf (E. ein Neffe Ls.). Darum durfte K. diese Episode
nicht übergehen.
Laomedon . L.
Es ergibt sich also bei K. folgendes Schlachtbild:
Nestor eröffnet den Kampf, bald gerät er in große
Bedrängnis; doch kommen ihm Castor und Pollux zu
Hilfe. Nun bringt Cedar den Castor in eine gefährliche
Lage. Castor wird gefangen genommen. Pollux befreit
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den Bruder und schlägt den Eleacliim nieder. Das sieht
Laomedon und stürzt sich, Rache sinnend für den
erschlagenen Neffen, in den Kampf, wo ihn der Tod
trifft. Das ist eine klare, übersichtliche Darstellung.
Benoits Schilderung ist zu lang und nicht übersichtlich
genug. B. weiß nicht das Wesentliche vom Unwesent¬
lichen zu scheiden. Das zeigt auch die Geschichte von
der Einnahme Tenedons. Die Erstürmung dieser Feste
ist eine ganz nebensächliche Episode; darum tut K. sie
kurz ab. Schon im Stil ist seine Schilderung knapp und
ohne Redeschmuck:
nü waz ouch dö der Kriechen
[her . . .
ze Tenadon gerunnen,
daz wart von im gewunnen
unde erstürmet schiere.
Diu stat und ir rifiere
mochte sich da nicht erwern.
zerstoeren und gar verhern
begunde man die veste.
die fremden leiden geste
man unde wip ersluogen.
si fuorten unde truogen
üz der stat vil grozen hört,
und do si jämer unde mort
begiengen in dem kastei,
do kertens üf dem wäge snel
von dannen vil ges winde [25089].
B. gibt hier eine ganz eingehende — nicht unschöne
— Darstellung von der Verteidigung und Erstürmung
der Stadt. „Die in Tenedon schlossen die Tore, sie
schickten sich zur Verteidigung an. Die Tapfersten stellten
sich auf die Tore und Mauern. Mit Steinen verteidigten
sie sich tapfer. Spitze Pfähle schleuderten sie von den
Türmen ; Harnisch, Helm oder Schild, die davon betroffen
wurden, waren dahin. . . Die, die hinaufwollten, wurden von
denen, die hinunterstürzten, mit gerissen. Dabei riß immer
einer mehr als zehn mit sich. An den Toren war der
größte Kampf, la veissez lancier e traire, la ceissez
heaumes croissir, e checaliers espes morir. Die drinnen
haben ihr Leben teuer erkauft; aber schwer haben sie
büßen müssen; keiner entrann dem Tode; arm und reich
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sterben sie da, wie die Estoire berichtet. Die draußen
gaben keinen Pardon, denn sie hatten großen Verlust“
usw. Die Gegend wird verwüstet, dann fahren sie weiter
nach Troja.
Auch in der 1. Schlacht vor Troja läßt K. einige
Helden weg, um nicht zu breit zu werden; so: Thoas
Aiaus Serses. Auch die Verwandtschaftsverhältnisse läßt
K. [7471] beiseite; B.: Sicamor, frero. germain le rei
Mennor . . Ebenso läßt er die Namen der 30 Söhne des
Priamus fort, die B. der Reihe nach aufzählt 2. Schlacht:
Die griechischen Streiter teilt B. in 30 butaxlles, K. in 15,
was natürlich eine Vereinfachung ist. Grade in der
• •
2. Schlacht versucht K. eine Übersicht in den endlosen
Kneuel dadurch zu bringen, daß er die Scharen rotten¬
weise in den Kampf einführt. Für Bs. Unaufmerksamkeit
ist bezeichnend, daß er seinen größten Helden Achill ganz
vergessen hat. K. erwähnt ihn dagegen: 30521, 31018,
31994; 32479, 34 783, 35320. Ks. Haupthelden treten
immer wieder aus dem Gewirre heraus und bilden dann
ein Centrum, um das sich der Kampf dreht (so auch
Hector).
III. Ks. Schlachtschilderungen.
Hier zeigt sich nun Ks. ganze Art; wenn er Schlacht¬
getümmel und Kampfeslärm erzählen kann, dann läßt er
die reichen Schätze seiner Phantasie und Sprachkunst
über uns ausströmen. Da rasen die Rosse schweißbedeckt,
da donnern und krachen die Speere, da qualmt und
raucht der Staub, da schwirren und schnurren die Banner,
da ächzen die Sterbenden und schreien Triumph die
Sieger; ein Bild folgt dem anderen, bald schön und wohl
angebracht, bald hyperbolisch bis zum äußersten Erlaubten.
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K. ist alles gleich; hier feiert sein Schilderungstalent
wahre Feste. Das fühlt man um so mehr, als B. gerade
an solchen Stellen eine unerträgliche Dürftigkeit und
Armut offenbart. Man lese etwa folgende Schilderung
Benoits: [9682]:
la ot dreciee mainte lance
e despleie maint confanon;
e raainte enseigne e maint penon ;
vert e verraeil, de seie ovre
„Nie sah man härteren
solchen sehen.“
com eist rendront as Greceis,
chascuns ot ire e fu toz freie,
chaacune a l’enarme saisie,
e de fil d’or menu brosdö.
la parut maint heaume d’acier
e maint escu e maint d’estrier
sor e baucens, grisle e ferrant . .
Kampf, noch wird man je
chascuns a Pavenir s’escrie,
chascuns ala le suen ferir.
es folgen nun die bekannten: la oissez, la veissez . . . usw.
Eine von Ks. Stellen möge zum Vergleiche hier Platz
finden: eigentlich ist es nicht angebracht, eine bestimmte
Schilderung herauszuheben, da die ganze Schlacht, die
K. erzählt, eine einzige Kette von Bildern und Vergleichen
ist. K. 36 867 : sich huop da grimmez striten ... es folgt
eine schöne Szenerie. Dann .36896:
do wart von vientlichen siegen
der plan erschellet über al.
da bibent anger unde wal
dur daz getemer engeslich,
daz in diu wölken über sich
gie von den swerten stehelin.
und wserez mügelich gesin,
daz der himel da zehant
von gneisten möhte sin verbrant,
er solte bi der selben stunt
sin an gestözen unde enzunt,
von maniges fiures blicke
der hoche und also dicke
üz dem gesmide vlouc darin,
und wsere niht an im gesin
so manic sterne virne,
do möhte ein glanz gestirne
üz niuwen flammen sin gebom.
man schriet da leder unde hom,
golt, silber, isen unde bein.
do wart vil manic edel stein
getengelt üz den helmen,
von wunder liute gelmen
huopsichdowüefen undgesclirei,
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als ob der donre slüege enzwei
mit kreften einen ganzen walt,
sus wart ein brasten manicvalt
von scheften und von lanzen.
die vesten und die glanzen
halsperge sich dö rizzen.
diu swert, diu schone glizzen,
diu Sprüngen da ze stücken,
hurtieren unde drücken
wart aber nicht verläzen.
man hörte ros da grazen
und vientliche weien.
da möhte sin von schreien
vil manic öre worden toup.
diu varwe üz liehten schilten
8 toup
und flouc ir also vil dervon,
daz si den ougen tet gedon
mit ir gestüppe manicvalt.
so mortlich jämer nie gestalt
von kämpfe noch von strite wart,
als manic heit von höher art
des males künde stiften,
verlüppet mit vergiften
die stralen da snedicke flugeu,
die manigen brähten unde zugen
in einen egebseren tot
man göz bö vil da bluotes rot
ir gnuogen z’ ungewinne,
daz vrechiu ros dar inne
biz an diu knie da wuoten.
ver8witzen und verbluoten
vil maniger sich begunde,
der niht genesen künde,
swenn im daz verch von hitze
wiel.
man unde man da nicht enviel,
da vielen hundert samenthaft.
ach got, waz vrler ritterschaft
und höher fürsten da verdarp!
So geht das durch Konrads ganze Dichtung. Es sei
noch hingewiesen auf B. 2649, die sehr dürftig geschilderte
Szene und an derselben Stelle K. 12193, wo K. weit
überlegen, selir ausführlich den Kampf schildert. Ebenso
B. 2400; B. 7470; B. 8644; B. 8680; K. 25815 u. a.
Der Stoff an sich verlangte gebieterisch neben reicher
Anschauung eine glänzende Stilkunst, die der Eintönig¬
keit der Schlachtenschilderungen etwas abzuringen ver¬
mochte. B. hat dieses Talent nicht; seine Schlachten¬
schilderungen langweilen uns. Was will das sagen, wenn
er an wenigen Stellen wirklich einmal ein fesselndes Bild
gebraucht (etwa 7140) gegenüber der sonstigen stilisti-
• •
sehen Ode? K. dagegen gibt sich alle Mühe, uns durch
eine blendende Darstellung, die auch Anachronismen, Un¬
richtigkeiten und sogar Halbheiten nicht scheut, über das
langweilige Thema der Kämpfe hinwegzutragen. Welche
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wirkungsvolle Abwechselung bedeutet es z. B. schon, daß
er fast jedem Zweikampf einen Dialog der Streiter voran¬
gehen läßt. B. versucht es auch einmal (2740; ganz
kurze Aussprache). Vergl. dagegen K. 12643, 31090;
32216; 34330; 36512. - Daß selbst Ks. virtuose Technik
den Eindruck des Endlosen nicht ganz überwindet, darf
uns doch nicht blind machen gegen das Maß der künst¬
lerischen Leistung.
2. Stilmittel.
Durch welche Mittel nun kommt K. über B. hinaus?
Seine Stärken sind zugleich seine Schwächen. Die poe¬
tische Fülle belebt; aber eine Häufung von Hyperbeln
• •
oder ein Übermaß von Wiederholungen kann die Wirkung
auch vernichten. K. gegenüber stelle ich Bs. Technik, die
uns den Mißerfolg seines Stils erklären wird.
a. Der durchgeführte Vergleich.
Ein altes Mittel, eine Schilderung wirksam zu machen,
ist der Vergleich. K. hat ihn in Fülle. Er wendet ihn
vor allem an, um die Taten eines Helden herauszuheben;
diese vergleicht er dann etwa mit dem Wüten wilder
Tiere (Löwen, Schlangen, Habicht, Falke): „wie ein wilder
Wolf unter zahmen Schafen wütet, also entbrannte Her¬
kules auf die von Troja“ [12 618]; ähnlich: K. 12764;
25 652; 25 934; 31130; 32 250; 34127; 35524; 35592;
35850; 36362; 37 658; u. ö. 22 758. Auch Bilder aus
der Natur und dem Landleben nimmt K.: „Wie ein Mäher
das grüne Gras, bo mähte Herkules die Männer“ [12612]
oder: „Da war ein Krachen, als ob der wilde Donner¬
schlag 1000 Bäume zerschmetterte“ [12241]. Vgl. 36920;
35 496; 36480; 36608; 25 658; 32006; 33346; 35654;
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Bilder aus dem See- nnd Schifferleben sind nicht selten:
in sorgen vaht er unde ranc reht als ein marner unde ein
verf den sturmeweter üf dem mn in eime schiffe deine
bestanden hat aleine [35758]. Vgl. 31422; 34478; 35884.
Vergleiche aus anderen Sphären: K. 10040 ff.: Die Wolle
des goldenen Widders: „schüttelte er sich, so klang die
Wolle, als ob man Cymbeln und andere süße Töne hörte“.
Das Bild vom Hammer und Amboß wird oft gebraucht:
K. 12 802: „Laomedon schlug auf seinen Gegner, wie man
mit einem Hammer auf den Amboß schlägt.“ Von Helena
sagt der Dichter: K. 19 714: „Wie ein totes Gemälde ver¬
blaßt gegen lebende Menschen, so erloschen alle Farben,
wenn Helena auftrat.“ Ganz vereinzelt hat auch B. einen
Vergleich: B. 9159: „Wie ein Wolf, der lange gehungert
hat, losgeht, um Beute zu fassen — nichts kann sie ihm ent¬
reißen — ganz ebenso ging Hektor auf 7000 Griechen los.“
b) Einfacher Vergleich.
Diese sind bei K. zahllos; die Sphäre, aus denen er
sie nimmt, ist die gleiche wie die der durchgeführten
Bilder: 30972: Patroclus und Hector rannten auf einander
„gleich zwei wilden Drachen“; 37 247 ebenso; 12568:
Herkules kam „wie ein Pfeil“ dahergeflogen. = 22534;
25284; 35886; 35991. Schwerter glänzen wie Spiegel:
12568; 17468; 19932; 23006; 29999; 30983; Augen,
Mund u. a. leuchten wie Karfunkel: 10044; 23185;
19960; 34010; 23 456; Vergleich mit Blumen: 7 528
[=B. 1250] „wie eine frische Rose, feucht von Tau“ (Medea)
= 19952; 19976; 20076; 22896; 25566; 37 628. Ver¬
gleich mit Sternen: 7278; 26 248 und vieles mehr; vgl.
noch: 12241; 25852; 33208; 9807; 19730; 31413. Auf¬
fallend sind Ks. Vergleiche mit Engeln. An solchen
Anachronismen im Trojanerkriege stößt er sich nicht;
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auch die Hölle u. ä. führt er im Bilde ein. 19657 „wie
ein Engel und ein Rosenzweig leuchtete Paris an Herz
und Sinn.“ 24859; 33488; 34592; 39180 (wo die
ganze Schar der Engel, die aus dem Paradiese geflogen
kommt, aufgeboten wird). Hier sei auch hingewiesen auf
Ks. zahllose Menge von Ausdrücken wie: kohlschwarz,
silberweiß, grasfarbig, goldgesponnen, kreideweiß, schwanen¬
weiß, lasurblau, grundlos, bodenlos, rund wie eine Kerze,
grüner als Klee (Lauch), gelb wie Seide usw.
c. Metapher.
Die Metapher trägt bei K. keine besonderen Züge;
doch kennt er sie natürlich: 19676: Helena war „die
Blume weiblicher Schönheit“ Hector, ein slüzeel unde ein
rigel manheit und aller tagende wert; 32444: Lifronis ein
kerne was an höher degenheit usw.
d. Bilder.
Das Wirkungsvollste in Ks. Erzählkunst ist sein
Talent , anschauliche Bilder in die Darstellung einzu¬
flechten: Will er etwa Hercules’ Wüten in der Schlacht
plastisch uns vor Augen führen, so sagt er: 12598,
12 588: ,.Er schlug eine Straße durch die feindliche
Ritterschaft; ein großer Wagen hätte hinter ihm herfahren
• •
können.“ B. hat an dieser Stelle nichts Ähnliches:
2 725: „H. schlägt alles nieder, was er erreicht; 2 Hälften
inacht er aus 1 Ritter. So starke Hiebe teilt er aus,
daß alle sterben und verderben. Alles weicht vor ihm.“
Ein anderes Bild: K. 25377: Prothesilaus verwandelte
das Gestade des Meeres in ein Blutbad; oder 26010:
Hektor, der auch eine Straße durch die Feinde hieb,
machte aus den Toten „eine Wand und einen großen
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• •
Haufen“ usf. Tut K. im Überschwang und bunter Fülle
seiner Bilder des Guten zu viel, so hat B. zu wenig.
Seine paar bildlichen Wendungen (vgl. 7 140; 7 193; 8578
u. a.) sind verirrte Goldkömchen im Wüstensande. Der
französische Roman setzt sich zusammen aus den gebräuch¬
lichen, eintönigen Formeln; daher können wir aus diesem
Werke den Schöpfer nicht herauserkennen; hinter der
deutschen Dichtung steht eine Persönlichkeit. Und wie
vielseitig ist Ks. Talent! Überall findet er sich zurecht,
alles macht er seinen Zwecken gefügig. Natur-, Feld-,
Wald-, Seeleben erschließt sich seiner Phantasie. Kriegs¬
gewitter und friedliche Stille zaubert er hin; Vogel- und
Tierwelt, Handwerk (Schmiede, Kalkbrennerei) und Kunst
spenden Beiträge; ja die Pforten des Himmels öffnen sich,
und Engel des Paradieses schweben heraus, und die Hölle
versendet Rauch und Dampf, und die Wunderwelt gibt
ihre Drachen her.
K. ist natürlich nicht immer originell in seinen
Bildern. Meist verarbeitet er alte, bekannte Wendungen:
Pfeilschnelle Geschwindigkeiten, Blitze lichter Augen usw.
Schon anders ist es, wenn er von der Liebe sagt: „Die
Minne faßte sie . . . ihre Kraft . war der eines ganzen
Heeres und einer übermächtigen Schar gleich“ [7830].
Oder Medeas Herz „bäumte sich wie ein wilder vrier visch ,
der aus dem tiefen Wasser sich in ein Netz verfängt“
[7833 u. 20730]; oder: „Als Helena kam, da wars dem
Paris, als ob ein Regenbogen mit seinen vielen Farben
in sein Herz schien“ [19 790], od. „Helena kam schön wie
eine Wünschelrute aufrecht daher“ [20006], od. „Kein
Sommer ward je so warm, in ihrem Antlitze fand man
stets frischen Schnee; kein Winter ward je so kalt, man
sah an ihr doch frische Rosen“ [20018]. Man beachte
die Antithesen, von K. sehr geliebt; vgl. 20018: „Und
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war der Winter noch so kalt, man fror nicht in diesem
Kleide; kein Sommer war so heiß, man schwitzte nicht
in diesem Kleide“. — Helenas Atem wehte wie Muskat
[20 030]. Um Hector herum war Staub und Dampf „als
ob Kalk da gebrannt würde“; dürfte auch vor K. nicht
gang und gebe gewesen sein [35932]. „Die Ringe des
Panzers drückten sich ins Fleisch wie das Siegel ins Wachs“
[31 188]. „Hektor glühte in Hitze gleich den Salamandern“
[31 190]. Hierher auch die Vergleiche mit Engeln, Höllen¬
rauch und Drachen. Sehr schön ist der Vergleich:
„Neben Helena waren alle Frauen Traum und Schatten“
[19708]. — Ganz neu ist wohl: Helena was ein leite-
sterne üf aller siner wunne pfat [20422].
e. Hyperbeln.
K. neigt außerordentlich zur Hyperbel. Wie Leo Wolf
in seiner Arbeit über „den grotesken und hyperbolischen
Stil in den mhd. Volksepen“ zeigt, hat der hyp. Stil etwas
Archaisch Populäres im Gegensatz zu der höfischen Kunst.
Aber auch die Kunst der Epigonen, die überbieten will,
wird zur Hyperbolik neigen. Und Ks. Virtuosentum zeigt
• •
überall die Tendenz der Übertreibung. Wie seine Helden
die tapfersten sind, seine Frauen die schönsten, die Kleider
und Waffen die besten, kostbarsten, so ist eben alles
„noch nie dagewesen“, „nie schöner und besser gewesen“.
Natürlich verarbeitet er da ganz Geläufiges; besonders in
Schlachtenschilderungen kann er auf altes Erbgut zurück¬
greifen. Aber er will auch hier überbieten, wenn nicht
anders so durch Häufung von Hyperbeln. 25168: „So¬
viel Schilfe hatte man noch nie gesehen! Der Schwarz¬
wald und der Spessart tragen nicht soviele Tannen, wie
da Mastbäume in die Luft ragten! . . . Soviele Segel gabs
da, daß man ihre Zahl nicht in ein Buch schreiben
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könnte! Als ob das Erdreich erbebte und erkraclite, so
erhob sich das Geräusch der Segel, und ein so ge¬
waltiger Lärm war, daß denen in Troja das Grausen an¬
kommen konnte!“
1. Negative Hyperbeln.
Die gewöhnlichsten und einfachsten Hyperbeln sind
die negativen : „nie sah man . . “ „nie gabs schöneres“ . .“
„nie ist das . . dagewesen“ usw. Solche "Wendungen be¬
herrschte auch Benoit, dessen ganzes Werk mit diesen
Hyperbeln überschwemmt ist; sind sie doch fast seine
einzigen Mittel, eine Person oder einen Gegenstand her¬
vorzuheben. Zu Konrads Ehre sei bemerkt, daß er sicht¬
lich bemüht ist, diese trivialen Hyperbeln zu meiden. Er
sucht auch hier besondere Einfälle. Von der Bewirtung
der Gäste durch Oetes sagt er . . . „nicht die Hälfte
könnte ich aufzählen, was für Aufwand da gemacht wurde“
[7346]. — Den Paris hielten die Leute gar nicht für
einen Menschen, sondern für einen Gott [19 613]. — „Alle
Tapferkeit, die gesehn ward, war nichts gegen die, mit
der Prothesilaus focht“ [25 906 J. Von Helenas Schönheit
erklärt er: er sei außerstande, sie zu schildern; man kann
sie überhaupt nicht beschreiben; man glaubte, menschliche
Kreatur könne nie so schön sein . . .
2. Positive Hyperbeln.
Konrads Fehler ist wieder der, daß er keine Grenzen
kennt; wenn die Segel [25182] einen Lärm machen, „als
ob die Erde ganz und gar erbebte und erkrachte“, — so
ist das gewiß zu übertrieben, eher mag es gelten, daß
die Straßen Trojas so glänzend und glatt waren, „daß
man sich wie in einem Spiegel darin sehen konnte“
[17 408 ff.] oder; das Gold der Rüstungen und Kleider
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gibt einen Glanz von sich, „als ob der ganze Plan in
Feuer stände“ [30 780], eine beliebte Hyperbel, schon vor
K. sehr oft angewandt. Bedenklicher ist es schon, wenn
K. die Zahl der Streiter vor Troja so bestimmt: „Die
ganze Welt und alle Königreiche sind in 3 Teile geteilt:
Europa, Asien, Afrika; alle streitbaren Männer der beiden
Erdteile Europa und Afrika kämpften gegen die Leute
des 3. Erdteiles : Asien. Der eine große W eltteil (Asien)
ward von den beiden anderen bestanden!“ [23962]. Auch
das alte Testament muß herhalten. 30804; „Griechen
und Trojaner bliesen die Posaunen; was David und
Salomo je von Saitenspiel erdachten, das ward gehört.“
Hyperbeln wie: „in dem Kampfe könnte ein ganzer Wald
von Speeren verschwendet werden;“ oder „die Rosse jagten
dahin, daß Feld und Heide zitterten. Blut, das bis zum
Himmel raucht, die Toten, die in Haufen liegen, Pfeil¬
schnelles Dahinrasen“ oder „Glaubt! Im roten Blute versank
da mancher und ertrank da jämmerlich“ [32498] sind über¬
liefertes Gut. Merkwürdig ist folgende Hyperbel: 31250
Achill wehrt sich gewaltig: üz orsen äne tille gemachet
wart ein sülze!
f. Personifikationen.
Natürlich liebt K. wie B. die den mittelalterlichen
Dichtern so geläufigen Personifikationen wie: der Wunsch ,
duz Gelücke , diu Wärheit, diu Minne, der Meyge usw.
B. : Amors, Novele, Renomee. Diese R. erinnert K. so¬
gleich an Ovids bekannte Darstellung der Fama; an diese
sich anlehnend gibt er seine Schilderung des liumct [24672].
g. Zahlen.
a. Zahlen in Aufzählungen.
B. und K. bringen in den zahlreichen Schiffs- und
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Truppenregistern auch Zahlen. K. überbietet dabei stets.
Vgl. die Aufzählung der Schiffe:
K.
23778 ff.
B. 5587 ff.
Agamemnon
mit 200 Schiffen
— mit
100 Schiffen
Menelaus
» 200 „
n
40 „
Doas
ft 100 „
50 „
U8W.
Ganz anders sieht es aber aus, wenn Zahlen als An¬
gabe für ein Maß gebraucht werden.
ß. Zahlen als Maßangabe.
Da können wir wieder die stilistische Überlegenheit
Ks. über seinen französischen Gewährsmann bemerken.
B. kennt, wenn er eine eindrucksvolle Menge schildern
will, nur die Zahlangabe. Sie kann ja sehr gut wirken.
Wenn B. bemerkt [6316], daß „man nach 1000 Jahren
noch von dem Unglück erzählen wird, das . .“ [vgl. 4443;
4983], so wird diese Zahl ihren Eindruck nicht verfehlen.
Aber das Gros dieser Zahlen offenbart wieder Bs. stilis¬
tische Dürftigkeit. K. dagegen hat ein feines Gefühl
dafür, wann Zahlen am Platze sind und wann nicht.
Wir können das durch Gegenüberstellung gut sehen.
Hält er Benoits Zahlangabe für überflüssig oder unge¬
schickt, so läßt er sie fort B. 1304: Oetes küßt seine
Tochter 100 mal. 1764: Jason küßt sie ebenfalls 100 mal.
2006 : Medea hätte den siegreichen Jason gerne 500 mal
geküßt! (wenn sie sich getraut hätte). K. 9370: „ihren
lichten rosenroten Mund küßte Jason güetliche .“ 10127:
„Die kaiserliche Frau hielt sich nur mit Mühe zurück,
den Jüngling zu küssen.“ — B. 2609: Dem Pollux folgen
700 Griechen. K. 12057 weiß von 700 Griechen nichts.
— B. 2656: Laomedon stürmt mit 7000 Bittern an. K.
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12212 keine Zahl an dieser Stelle. — B. 2676: Der Bote
aus Troja meldet: „7000 oder mehr Feinde folgen mir! . .
Auf den Mauern der Stadt stehen mehr als 1000 von
ihnen!“ K. 12 409 ohne Zahlangabe! — B. 2707: „1000 sieht
Laomedon auf sich zukommen . . . 1000 Lanzen senken
sich nieder.“ K. 12502: vü manic spiez und manic swert
wart üf sine schar geweget.
Vgl. B. 3019: in der neuen Stadt Troja gabs 1000
solcher (schönen) Häuser und mehr. B. 4176: Paris fährt
mit 3000 und mehr nach Griechenland. B. 7164: 1000
verlieren das Leben, 7150: 7000 fielen in den Sand,
7220: 1000 und mehr der ihrigen ließen sie tot zurück.
8329: Hektor kam veant 10000 Rittern. 8367: Merion
kam devant 3000 Rittern, u. a. m. Sehr hoch sind Benoits
Zahlen also meist nicht gegriffen; man kann sie über¬
sehen. Einmal rafft er sich zu 100000 auf: Diomedes
antwortet dem Könige: „100000 sollt ihr wohl gerüstet
sehen . . .“ [6389.] Das ist so ziemlich die einzige Stelle,
wo B. mit Bewußtsein seine Zahlenangabe macht; sonst
wirft er gedankenlos eine Zahl hin, wobei ihm die „7“
und „1000“ besonders in Gedanken liegen. Zu Peleus’
Feste kommen viel Leute, Grafen, Fürsten und Ritter,
700 und mehr [B. 800]. „Die Trojaner verloren in der
Schlacht — das weiß ich gewiß — 100 kühne und tapfere
Ritter.“ „Achill,“ erzählt er [7566] „macht 100 oder mehr
nieder;“ Hector [8463] tötet „ungelogen“ mehr als 15!*)
Die Zahl „7“ spielt auch mit, wenn B. erzählt: 5034:
„Um Agamemnon scharen sich 14 Könige und Fürsten
oder mehr.“ 2620: „Castor blutete aus 7 Wunden.“ Sinn¬
gemäßer ist’s schon, wenn B. erzählt: 8514: „Von 100
*) Oder liegen bei so unwahrscheinlich ziellosen Zahlen Fehler
der Handschrift vor, deren Zahlenzeichen besonders mißverständ¬
lich waren?
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weiden immer 30 niedergemacht“ oder 8451: „Mehr als
10 schlugen auf ihn ein“ oder 6245: „Die Pferde des
Ulixes und Diomedes waren prächtig; nicht für 1000
Byzantiner wären die Zügel feil gewesen“. 7 602: „Nestors
Zelt war nicht um 100 Pfund feinen Goldes gemacht
worden“! 6379: „Solange ich noch 100 Ritter habe“, sagt
Priamus, „werde ich mit euch nicht Frieden machen“!
Von der großen Beute, die man voraussichtlich in Troja
machen wird, heißt es [B. 2272]: „Noch 1000 Jahre
nach unserem Tode werden unsere Kinder und Kindes¬
kinder reich sein an den Schätzen, die wir hier erobern!“
Ks. Gewissenhaftigkeit geht soweit, nicht einmal diese
doch unbedenkliche Zahl zu übernehmen: 11696 . so
führen wir von hinnen große Schätze, alle unsere Ver¬
wandten werden davon reich sein!“ Ganz anders ver¬
hält es sich mit folgender Zahlangabe: „Auf jedem
Hauptturme waren Ritter, 1000 an der Zahl und je
7000 Mark zum Unterhalt“ [B. 3160]. K. hat das über¬
nommen: „Die Stadt hatte 7 Tore [B. „6“], über jedem
war ein Kastell; da saß ein Herzog mit 1000 Rittern;
dazu 10000 (!) Mark“ [17373]. K. 17459 und B. 3054:
„Der Hauptturm hatte eine Höhe von 500 Klaftern“. Hier
handelt es sich um ganz bestimmte strategische Angaben.
Darin ist K. sehr genau; allerdings kann ers nicht lassen,
auch da noch zu überbieten. K. und B. 1235: Der
Mantel der Medea . . „der seine 7 Pfund feinen Goldes
wert war“ . .; wiederum die Zahl 7! Sehr bezeichnend
für diese Zahl ist folgende Stelle: B. 7545: Achill er¬
scheint auf dem Kampfplatz, nachdem Hector „7 mal oder
10“ am Tage erschienen war. Die „7“ neben der „10“
zeigt die Vorliebe für diese Zahlen. B. 4089 erzählt:
Pantlius spricht von seinem Vater Euforbius, der „300
Jahre“ alt gewesen sei. Hier fühlt sich K. einmal ver-
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anlaßt, die Zahl nach unten zu korrigieren: 19248: „ich
hatte einen Vater — Eufebius — der war wohl 100
Jahre alt.“ Das war angemessener und auch noch genug.
Eine kleine Vereinfachung nimmt K. an folgender An¬
gabe vor: B. 2 023; „die Griechen verweilten 14 Tage und
einen Monat bei Oetes“. K. 10186: „Jason blieb 14 Tage
da“. [Man beachte wieder die „7“.] Der Meeresarm,
den Jason zu überschreiten hatte, war — B. 1803 —
ll/2 Meile breit. K. 9476: „Die Insel des Widders war
l*/2 Meile von der Stadt entfernt“. (S. S. 21.) — Wiederum
• •
entspringt es einer bewußten Überlegung Konrads, wenn
er eine Zahl einsetzt, wo B. keine hat. B. 2 395: Lao-
medon . . . stürzt mit soviel Leuten wie möglich aus der
Stadt, den Griechen entgegen. K. 11936: erwähnt
30000 Mann, mit denen Laomedon auszieht. Der Grund
ist der: Die Griechen müssen zurückweichen ; das kann
nur möglich sein, wenn ihnen eine Übermacht gegenüber
steht. Daher die Zahl Ks.: „Die Griechen mußten vor
den Trojanern weichen ; die Trojaner waren in der Über¬
zahl: 30000 Mann!“ Andere Zahlenangaben Ks.: „Hector
schlug 500 Griechen tot“ [35642]; „soviele Hunderte schlug
er tot“ [35726]; mit tüsent hundert handen schlugen die
Griechen auf Hektor los [35800]. Hector und Aiax
küßten sich „hunderttausend Mal!“ [37468] Das ist ein
bißchen viel; aber man sieht, wie K. die Zahlen hoch¬
treibt, und so allein hat eine Zahl doch schließlich als
hyperbolisches Maß Sinn! Wenn bei Benoit 1000 tot
daliegen und Liebende sich 500 mal küssen, so ist der
• •
Reiz des Übermaßes dahin.
c. Zahlen überhaupt.
Außer der Hyperbel meidet K. die Zahlen möglichst.
B. 1094: Als die Griechen von Laomedon vertrieben wer-
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den, erklärt Hercules dem Boten: „Heute in 3 Jahren
kommen wir wieder; da werden wir Rache nehmen.“
K. merkt, daß diese Angabe nichts weiter als eine Phrase
ist, die nicht im geringsten Sinn hat. Wie kann Hercules
wissen, wann die Griechen zurückkehren; und warum
gerade erst nach 3 Jahren? K. 7124: ganz unbestimmt:
„I-aomedon wird noch den Tag erleben, wo ihn die Frevel¬
tat gereut!“ B. 3997 : Troilus sagt: „Töricht ist, wer glaubt,
er könne wissen, was heute in 3 Jahren geschieht“; diese
formelfeste Zahl ist ganz verständig; K. läßt sie dennoch
fort. Ebenso B. 2971: Als Priamus und die Seinen das
Unglück (Zerstörung Trojas) hörten — „da weinten sie die
3 ersten Tage lang.“ K. 13252: Keine Zahlangabe. B.
schließt die Aufzählung der trojanischen Streitkräfte mit
der Bemerkung: D. 6917: „33 habe ich genannt, von
denen der Geringste ein König oder Fürst war mit 1000
oder mehr Rittern.“ K. 24972:
wer mac die fürsten über al
ze rechenunge bringen,
die man ze Troye dringen
sach in die wunneclichen stat.
ez müeste sin ein breitez blat,
da man geschribe ir namen an.
min zunge ir aller nicht enkan
gedenken hie besunder.
von ritterschaft ein wunder
Priande kam ze stiure
dur strites aventiure.
Ouch hete er selber liute vil,
der namen ich verswigen wil,
wan ich ir aller nicht enweiz.
„Doch — so viel sage ich, die Griechen waren in
•• ••
10 facher Übermacht.“ Diese „Übermacht“ hat einen
guten Grund. Da die Trojaner schließlich unterliegen,
• •
so muß die „Übermacht“ die Ursache sein. Das hängt
mit Konrads Auffassung vom Rittertum zusammen. Das
„zehnfach“ bedeutet eine hübsche Variation von Ks. Zahlen-
• •
angaben. Für das Uberbieten Benoitscher Zahlen seien
noch folgende Stellen erwähnt. B. 10316 spricht von
,,2“ Monaten Waffenstillstand. K. 37779 macht „3“ daraus.
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Bei B. 2245 gibt Peleus „3“ Ratschläge: 1. nehmt Rache,
2. verwüstet das Land, 3. holt Beute. Bei K. sagt Telamon,
(der den Peleus hier ersetzt) 11632: „4 Dinge lege ich
euch ans Herz“; und nun gibt er 3! an: 1. „bringt möglichst
viel Leute zusammen, und seht, wieviel auf jeden Fürsten
kommen.“ 2. „Macht euch auf einen hartnäckigen Kampf
gefaßt.“ 3. „Wir werden große Beute machen.“
h. Technik der Rede.
Die Redetechnik ist für die stilistische Untersuchung
von Bedeutung. Wie verhält sich die direkte Rede zur
indirekten; liebt der Dichter Monologe, Dialoge; hat er
Trios, Quartetts, Quintetts? — Für uns ist eine solche
Untersuchung um so fruchtbarer, als wir zwei Dichter
vergleichen können.
A. Die Rede.
1. Die indirekte Rede.
B. und K. haben eine Fülle von langen Reden. Das
kann nicht überraschen. Einem Romane, dessen Gegen¬
stand Krieg ist, sind Gesandtschaften, Versammlungen^
und also auch Reden natürlich. Ob der Dichter direkte
oder indirekte Rede bevorzugt, wird von seinem Tempera¬
mente abhängen. K., der lebhafter, dramatischer ist, wird
die direkte Rede vorziehen; B., der ruhig, kalt ist, liebt
die indirekte Rede.
Z. ß. Peleus sinnt darauf, wie er den Neffen verderben
könne. B. 782. indir.: ne int engin ne lieu ne tens com .
poÜ8t ... ; porpensa sei qu’il requeirret e en toz sens
porchaceiret coment . . . K.: 6612: er begunde in alle uns
dar üf gedenken und gehügen, daz er . . . (direkt) er dälite
alsus: „cerderbest dun so enist . . sus wart gestellet
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sin gedanc dar üfy daz er; oder Oetes ruft seine Tochter
zu sich: B. 1305: comande li e dit apres que o Jason e
Hercules parout par bien. K. : 8010 ff. macht einen Dia¬
log daraus: Oetes: ich sage dir , tohter icaz du tuo, ganc
zuo Jäsöne sitzen usw. Medea: eil gerne cater {sprach
si dö). Als Oetes sieht, daß Jason die Fahrt zum
Widder machen will, redet ers ihm aus B. 1781 — 96;
aber : tot quant qu’ Oetes li reis dit prise Jason assez petit
il ne se oeut plus atargier de la eite s’en ist premier.
Das genügte K. nicht; auf Oetes lange Bede muß Jason
auch etwas sagen; das geschieht bei K. in Form des
Dialogs : 9424 :
„genäde herre“ sprach der gast
„ir sprechet friuntlich unde wol,
daz ich verschulden iemer sol
mit libe und mit dem guote.
mir ist also ze muote,
swaz mir darumbe sol geschehen,
daz ich den widder wil gesehen
und umb die wollen ringen“.
„So müeze iu wol gelingen,“
sprach der künic aber z’im,
„vil gerne ich iuwer heil vemim
und inwer lop vil werder man.“
Der alte Priamus besucht nach der Schlacht den ver¬
wundeten Sohn Hector. B. 10259: demanda li com li
esteit K. 37710: ,,sun, lieber {sagt P.) wie gehabestu
dich? dur got, nü sage mir unde sprich , bistu eerwunt
iht sere?u Als Priamus das Unglück Trojas vernommen
und den toten Vater Laomedon bejammert und beklagt
hatte, da prist conseil o sa gent que la eite restorereit
meillor e plus grant la fereient e plus defensable e plus
fort . . usw. [B. 2978]. Das läßt K. den Hector in direkter
Rede sagen : 13300 er sprach : ... . und biuwent iuwer
veste wider und iuwer küniclichen stat . . Nach der
Unterredung der Gesandten (Ulix und Diomedes) mit
Priamus kehren sie ins Lager zurück. B. 6500: li mes -
sage lor ont rctrait ensi come . Hier hat K.
eine lange Rede. 26946. Er wollte nämlich auf Achill
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kommen: Ulix setzt auseinander, wie es in Troja stünde,
wie Hektor unüberwindlich sei ; darum müsse man einen
Helden finden, der dem furchtbaren Trojaner ebenbürtig
sei. Das ist Achill. — Dies alles ließ sich indirekt nicht
wirksam geben.
Wenn es sich aber irgend machen ließ, folgte K. dem
frz. Yorbilde und erzählte wie B. indirekt. B. 1255:
bien ot [Medea] enquis e demande dont eil erent, de quel
regne. K. 7604: (si) begunde tragen lise ir vater, wer
si weeren . Ebenso : B. 2010 = K. 10132. B. 2870 =
K. 13120. B. 3652 = K. 18342. ß. 4316 = K. 19640.
B. 6284 = K. 26458. - Der Modus der indirekten Rede
ist bei K. fast durchweg der Conjunctiv ; auch wenn B.
den Indikativ hat.
Interessant ist es, wenn B. bisweilen von indirekter ohne wei¬
teres zu direkter Rede übergeht: Achill erzählt [B. 664BJ com
faitement se combati c o quel gent, com li reis fu morz e conquis
e Telephus ot le pais e tot le regne quitement , reis en est riches
poissantment ; del ble del vivre del pais nos socorra, qo m’a pramis.
Eine Mischung von direkter und indirekter Rede sind Stellen wie
diese: Castor und Pollux versprecheu Hilfe: B. 2116: presl sont, qo
dient, del vengier; ja por eus ni avra tarjance , mout en iert prise
grief venjance. Bien puet estre li reis süurs, ja si fort tors ne
si forz murs r’avra que par forze nes prengent e que sa honte ne li
vengent. Zur direkten Rede palit die 3. Person nicht; der indirekten
widerstrebt das qo dient und das Fehlen der Conjunction.
2. Die direkte Rede,
a. Allgemeines.
Hat B. direkte Rede, so übernimmt K. sie, schwellt
sie auf und erweitert sie mit neuen Motiven. Oft schafft
er nach erzählenden Andeutungen Bs. neue, direkte Reden
und gestattet sie möglichst dramatisch.
B. erzählt: Oetes bewirtete seine Gäste außerordent-
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lieh freundlich. Denn: 1211 li reis es chambres enveia
e si tramist por Medea. Hier sieht K. einen Sprung; er
fügt ein begründendes Motiv ein: Oetes will mit der Her-
beiholung der Tochter dem Jason eine besondere Ehre
erweisen. Das setzt der König auch in feierlicher, direkter
Rede auseinander: „Ich freue mich sehr über deinen Be¬
such, Jason. Ja, ich sah nie lieberen Gast! möht ich iu
zuht gebieten hie , daz tet ich uf die triuioe min. ir sult
gewis der dinge sin, het ich seltscenes erämes iht, daz ich
des vor iu bürge niht , won mir nie gast so lieber wart-
ich hän vor mangem man gespart ein rieh cleincete mtnin
jär, daz sol iu werden offenbar und muoz für iuwer ougen
körnen, min tohter schoene und üz genomen , der man rilicher
scelde gibt, diu wirt für iuwer angesiht gefüeret äne zwifel
her [7388]. Nachdem sich Jason bedankt hat, kommt
Medea. B. 1254: Oetes l’a lez lui asise; K. 7564: 0.
läßt sie neben sich hinsetzen und stellt sie den Gästen
vor: seht, sprach er zuo Jdsöne, diz int der beste prisant
den ich in minem hnse vant usw. J. antwortet wiederum
in direkter Rede. — Medea fragt nun, wer die Gäste
seien. B. 1257; quant eie certainement sot que c’est
Jason . .; K. 7606: diz wart der wunnebceren mit rede
von im gekündet : sich, sprach er, liebiu tohter min, diz ist
Jason von Kriechenlunt . . usw.
Als Jason vor Liebeskummer krank ist, besucht ihn
Oetes und fragt ihn nach der Ursache seines Schmerzes;
das geschieht in Form eines kleinen Dialogs. K. 7910
bis 944. B. hat diese Szene nicht Bevor Hercules den
Laomedon erschlägt, haben beide eine große Aus¬
einandersetzung in Dialogform [K. 12 646 bis 733];
B. nichts. Als Paris zum erstenmal die Helena sieht,
lallt ihm sofort ein, das müsse die von Venus ihm
Verheißene sein: er denkt bei sich [K. 19 809]: waz frouwen
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mölite diz gesin wan Helena , diu hünegin . . usw.; B.
nichts davon. — Trotz seiner Vorliebe für Reden weiß K.
doch Halt zu machen, wenn Gründe der Composition
etwa eine Rede unmöglich machen. B. 3209: Priamus
macht den Vorschlag, die Griechen erst zu fragen, ob
sie vielleicht gütlich die Esiona herausgeben wollten. Mit
dieser Botschaft wird Antenor beauftragt; noch einmal
hören wir den Inhalt der Botschaft, wenn P. dem Ajitenor
in einer Rede seinen Willen auseinandersetzt 3257 . . . .
ä ceus dites qui furent ga s’ü me rendent Esiona usw.
Antenor erwidert: 3273: go sacheiz bien , por message ni
perdreiz rien: des que jo la en dei aler ne quier targier
ne demorer. Diese Reden hat K. weggelassen. Nachdem
Hector bei ihm (im Namen der Fürsten) den Rat gegeben
hatte: 17 903 dnz ir geruochent balde z’in nü senden einen
boten hin usw., ist es überflüssig, dem Antenor noch einmal
die Sache vorzutragen. Bei K. heißt es 17 980: ze boten
wart er uzgewelt von den fürsten alzehant und zuo den
Kriechen hingesant von Priande an underbint . Übrigens
ist K. mit direkten Reden auch freigebig, wenn er Ovid
folgt. Wie viele direkte Reden dieser hat, K. überbietet
ihn doch: Met. VII 169 = K. 10415 u. a.
b. Der Monolog.
Ks. Monologe sind dramatisch: sie sind scharf ge¬
gliedert; mit großer Ausführlichkeit — oft in Gegensätzen
— werden die Gedanken klargelegt. Wenn die Vorlage
nicht ausreicht, zieht er andere heran oder gibt Eigenes
dazu. Die Redenden apostrophieren sich stets in der
1. Person; wie rede ab ich, vil tumbiu, so? Selbst wenn
z. B. Ovid in der 2. Person die Anreden hat, ändert K. das:
Met. VH. 17 : excute virgineo conceptas pectore flammas, si
potes! si possem sanior essem\ K. 8656: ich wil lue
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cm mir dräte ir Cd. Liebe) flammen triben al zekant , diu
min gemüete hat enbrant . . . mäht ich ez tuon, ez wcere
guot\ ß. bleibt in der 1. Person. Der bedeutendste Mo¬
nolog ist der der Medea: B. 1487. M. ist ärgerlich, daß
die Leute nicht zu Bette gehn; sie erwartet nämlich
Jason. Da plötzlich kommt ihr der Gedanke: de quei
me sui jo entremise! . ... fol corage e mauvais sem-
blant porreit V om or trover en mei que ci m’estois
ne sei por quei .... tant en ai fait qu'or m’en re-
pent. Das genügte K. nicht, um den Seelenkampf der
Medea wiederzugeben. Er holt den Ovid heran. Zu¬
erst bleibt er noch bei B. K. 8566: Medea ärgert sich
über das lange Aufbleiben der Leute. Dann verläßt er
den frz. Dichter und folgt Ovid. Dieser bringt Metam.
VII 10 ff. den großen Medea -Monolog. Den hat Ovid
so vollendet erzählt, daß K. im allgemeinen ihm folgen
• •
konnte. Er tut das auch bis zur wörtlichen Übersetzung:
O. 12: „Das wird das sein, was man Liebe nennt! Oder
• •
doch dem etwas Ähnliches!“ K. 8628: „Ich glaube, was
mich bezwingt, das ist die Liebe und nichts anderes!“
O. 17: „Reiße sie heraus, die empfangenen Flammen,
aus der jungfräulichen Brust!“ K. 8658: „Ich will der
Minne Flammen sogleich aus meinem Herzen treiben,
die mich verbrennen, wie das Feuer dürres Stroh!“ Das
Bild ist von K. Jetzt folgt bei O. der Gegenschlag:
17: si potes, infelix! si possem sanior essem! sed trahit
in vitam nova vis; aliudque cupido, mens aliud suadet;
video meliora proboqne deteriora sequor! Dieser Gegen¬
satz reizt _K., hier wird er selbständig: 8660:
wie rede ab ich_vil tumbiu so,
daz ich erleschen-wsene
der heizen'4minne[8p8ene
und ir starken fiures gluot!
möht ich ez tuon, ea wsere guot,
nü raac sin leider niht geschehen,
ich hän daz waeger spil ersehen
und daz unwseger ouch da bi.
ü*
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waz mir guot oder schade si, vor schedelicher sweere.
daz hän ich beidez wol ervarn, daz guote ist mir muntere
und mac mich doch nicht hie und daz arge lieber vil.
bewarn . . . . .
und 8712:
min magetuom mich reizet da von enweiz ich, waz ich tuo.
üf kiusches herzen sinne, Ich volge ir zweiger rate nach
so twinget mich diu minne und ist mir doch darunder gäch
üf innecliche friuntschaft : von ir beider lere.
aus bin ich worden kumberhaft diu schäm diu wil min ere,
von zweiger hande leide. diu minne mine unwerdikeit.
minn unde schäm die beide owe minn unde bliucheit,
twingent mich spät unde vruo: wie tuont ir mir so leide!
In diesen Erwägungen ist K. ein Meister. Wir haben
noch eine Stelle, wo K. über denselben lat. Dichter hin¬
ausgeht, wenn es sich um Reflexionen handelt. Als
Nessus die Dejanira über den Strom führt, packt ihn die
sinnliche Lust, sich an der Frau zu vergreifen. Das er¬
zählt 0. so [Met IX 119]: Nessoque parante fallere
depositum ... K. führt das aus in längerer, allerdings
indirekter Rede, 38060 ff. Oder in direkter Rede: Jason
bittet die Medea, den Vater zu verjüngen auf Kosten
seines Lebens: Ovid, Met. VII 169: Mota est pietate
rogantis, dissimilemgue animum sübiit Ae'eta relictus“ ;
K. 10415: Medea diu qedahte dö vil tougen wider sich
also: wie gar getriuwe dirre man ... sie stellt Jasons
Liebe zum Vater ihrem lieblosen Verhalten gegenüber
und ist entschlossen, den greisen Eson zu verjüngen.
So ist K. überall seinen Vorbildern in der Ausführ¬
lichkeit voraus ; seine Monologe sind durchweg eingehender,
schärfer in der Entwicklung der Gedanken. Was seine
Vorlage andeutet, arbeitet er heraus. Man vergleiche
noch den Monolog des Priamus, als er den toten Vater
beklagt. B. 2885: Priamus beklagt in wenigen Sätzen den
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Vater, dann die Schande, dann das niedergemachte Volk . .
K. 13157: P. verweilt lange beim Tode des Vaters: „Wäre
ich dabeigewesen, so wärest du nicht erlegen! Wäre dein
Alter nicht so entkräftigend gewesen, so wärest du nie
• •
besiegt worden!“ Dann zum Volke . . . usw. — Ähnlich
Achills Klage um Patroclus: B. 10335 — 10369, K.
38792—908 mit einigen Wiederholungen und Zutaten auf¬
geschwellt. Cassandras Wehruf ist von B. und K. gleich
erzählt B. 4897-4928, K. 23247-370; B. 10421 bis 446,
K. 38974 — 39020; K. überall hier ausführlicher. K. allein
hat einen Monolog des Prothesilaus, als er in der 1.
Schlacht von den Feinden hart bedrängt wird; er ist von
den Seinen im Getümmel abgeschnitten worden K. 25 608 ;
B. 7123 ff. nichts. Dagegen haben ß. und K. einen Zu¬
ruf des Palamedes ( Dolamides bei K.) an die Seinen;
inhaltlich nicht ganz übereinstimmend: B. 7449 — 463,
K. 25788 — 814. Als Hector den Prothesilaus niederge¬
streckt hat, da beklagt er den toten Feind [K. 26054];
er bedauert, daß P. durch seine Hand das Leben ver¬
lieren mußte. Dann spendet er ihm das verdiente Lob.
Bei ß. ist es der Dichter selbst, der einen klagenden
Ausruf nicht unterdrücken kann. Von Paris’ Selbstgespräch,
als er die Helena sieht, ist schon gesprochen worden.
c. Der Dialog.
Nirgends können wir die Verschiedenheit der Künstler
Benoit und Konrad so gut sehen, wie in der Technik des
Dialoges. Er ist ein Prüfstein stilistischer Kunst. Der
gute Dialog fordert ein zielbewußtes Durchführen der
Gedanken; er bedarf einer „Spitze,“ der alle seine Glieder
zustreben müssen. Die erste Unterredung zwischen Jason und
Medea zeigt uns schon den Gegensatz zwischen B. und K.
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ß. 1313: M li dist: „Legt es mir nicht falsch aus, wenn
ich euch anspreche; aber es gehört sich, daß man einem
Graste mit Unterhaltung und Rat beisteht.“ — „Frau,“
sagt Jason, „ihr sagt recht“. [Er dankt ihr und macht
ihr einige Komplimente.] „Jason“ erwidert sie, „wir
wissen wohl, warum ihr hergekommen seid: um des
Vlieses willen. Aber ihr unternehmt da etwas ganz
Törichtes . . .“ Sie setzt ihm breit auseinander, warum es
unmöglich ist, das Vlies zu gewinnen [ — 1386]. Jason
respont come afaitiez : „Frau“, sagt er, „ihr braucht mir
keine Angst zu machen; ich bin nicht hergekommen, um
wieder umzukehren, als ließe ich mich einschüchtern!
Lieber will ich sterben als es unversucht lassen!“ (Kurz,
er ist entschlossen, was ihm auch begegnen mag, den
Widder aufzusuchen.) „Jason,“ erwidert sie, „höre wohl!
Du siehst Dein Verderben; niemand kann Dich vor dem
Tode bewahren! Du tust mir leid; Du sollst aber hin¬
gehn; wenn ich sicher sein könnte, daß ich Deine Neigung
haben könnte, daß Du mich zur Frau nähmest und mich
niemals verlassen würdest, . . .“ [dann wollte sie ihm hel¬
fen, denn außer ihr gäbs keine Rettung! Sie aber verstehe
sich auf Nigromantie und Zauberei.] „Frau“ — erwidert
Jason, „was soll ich sagen?“ (Er ist bereit, ihr Treue zu
schwören, sie zu heiraten und nie zu verlassen.) La
pucele respont a tant : „Nun kenne ich deinen Willen .. .“
(sie gibt ihm ein Stelldichein in der Nacht) „Frau“, sagt
er, „ich bin damit einverstanden; aber laßt mich holen,
ich weiß sonst nicht wo und wann.“ Dist la pucele:
„Ciert bien fait.“ Das ist Benoits Dialog; die langen
Reden schwächen die Wirkung ab, die in diesen Gedanken¬
reihen liegt. Der dramatische deutsche Dichter hat nun
aus diesen Reden einen außerordentlich lebendigen Dialog
gemacht. Die verbindenden Glieder der einzelnen Reden
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(er sprach, antwortete sie . . .) hat er schließlich ganz
weggelassen; in kurzen Reden und Gegenreden entwickelt
sich der Dialog, stellenweise einer griechischen Stichomythie
gleichend [8039]: zuerst = ß: M. entschuldigt sich, daß
sie ihn anspricht. Er antwortet gebührend. Dann be¬
ginnt der Dialog. Man achte darauf, wie die Reim¬
zeilen so getrennt sind, daß der Reim immer zur Ant¬
wort gehört; also:
a
a
b Dadurch erreicht K. eine größere
b Triebkraft.
c
c
Medca: swie selten iuch min ouge sach,
doch horte ich von iu wunder sagen,
ich hän da her in minen tagen
manheite gnuoc von iu vernomen:
da von weiz ich, daz ir sit körnen
durch äventiure in disen creiz.
ir wellent aber, goteweiz,
hie striten umbe werdekeit.
diu wolle, die der wider treit,
diu waere iu liep gewunnen.
Jason: „ja, frouwe, wol versunnen,
ich wolte gerne si bejagen.“
Medea: vriunt herre, so wil ich iu sagen,
daz ir hie niht gewinnent die!
Jason: „war umb enkan ich ir niht hie
bejagen noch erwerben?“
Medea: da müezent ir verderben
ob ir nach ir went ringen.
Jason: „und mac mir misselingen
an der wollen, vrouwe guot?“
Medea : ja, herre tugentrlchgemuot,
der schseper kan iu werden niht,
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des läzent alle zuoversiht
üf die wollen guldin.
Jason: „wie flieget sich daz, vrouwe min,
daz ich ir niht gewinnen kan?“
Medea: da lit vil inanic hoher man
durch si jämmerlichen tot.
wan swer daz golt fin unde rot
mit strite wil erwerben,
der muoz darumbe sterben
und ein ende kiesen.
Jason: „mac er den lip Verliesen
swer daz golt bejagen sol?“
Medea: ja, herre, des geloubent wol,
er muoz bi namen tot geligen
swer an dem schaeper wil gesigen!
Hier bricht der Dialog ab. Jason bittet die Medea,
ihm zu sagen, warum die Wolle so schwer zu gewinnen
sei. Darauf erklärt sie ihm das in langer Rede [8128 bis
234]. Dann folgt wie bei B. Jasons Eheversprechen, das
Stelldichein. In dieser Schärfe und dramatischen Form
hat K. allerdings keinen Dialog mehr; doch geht durch
das ganze Buch dieses Streben nach beweglichen, lebendigen
Dialogen. K. [4776]: der Hirte, der den Paris einst
aufzog, kommt in die Herberge, um Näheres von Paris
zu hören [Vorgeschichte Ks.]. K. [4840]: Er fragte
den Wirt, ob am Hofe ein Knappe wäre, mit Namen Paris.
Ja“, sprach der wirt dö sä
[zehant,
„eia jungelinc ist komen her
der hirte sprach: „des fröuwe
[ich mich,
wan ich gan im eren wol.
swie lützel ez mich helfen sol,
doch bin ich siner wirde geil,
mich dunket daz ein höhez heil,
daz man im lop und ere birt.u
(der Wirt:) „war umbeu, sprach
[er, „sit ir vrb
durch siniu werdeclichiu dinc?
waz get iuch an der jungelinc,
daz ir im also günstic sit?“
„her wirt! ich bän in lange zit
erzogen“, sprach der hirte z’im,
„da von ich sinen pris vemim
mit willecliches herzen ger.“
„ist er denn iuwer sun ?u s p ra ch
[er,
daz sagent mir an allen spot.“
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Der Hirt erzählt ihm,, was es für eine Bewandtnis
mit Paris habe.
Vgl. noch einmal: K. 7910 Oetes— Jason; K. 8012
Oetes — Medea; K. 7564 Oetes - Jason ^ K. 12646 Her¬
cules — Laomedon; K. 34333 Menelaus —Paris u. a. m.
Bs. Dialoge: 1539 = K. 8950 Medea — die Alte; 1591 =
K. 9054 Medea — Jason. Der große Dialog zwischen
Paris und Helena nach den Briefen der Ovidischen Hero¬
lden (XVI, XVII) zeigt wieder Ks. Geschick.
d. Trios, Quartetts usw.
Wenn wir von Parlaments u. a. Beratungen absehen,
so finden wir bei B. keine Scene, in der mehr als
2 Personen reden. Wohl aber bei K. So gleich zu An¬
fang in der Erzählung vom Apfelstreit: Jupiter läßt zur
Entscheidung des Zwistes den Paris kommen. Es ent¬
wickelt sich nun ein lebhaftes Wechselgespräch zwischen
Jupiter, Paris, den Göttinnen und den Gästen
[K. 1733 ff.]. Durch solche Scenen gewinnt die Erzählung
natürlich außerordentlich. Hier tritt das dramatische
Element, das wir bei K. schon in den Dialogen erkannten,
stark hervor. K. 3351: Priamus fühlt das verwandt¬
schaftliche Blut in Paris und will ihn an seinen Hof
nehmen. Pallas und Juno sind dagegen. Man unter¬
breitet Jupiter die Sache: Juno, Pallas, Jupiter, Pria¬
mus. Vgl. die Scene, in der jener Hirt die Entdeckung von
der Abkunft des Paris macht [K. 5060]. Hier sprechen
Hirt, Hector, Priamus, Wirt. (Diese Scene erinnert
in Handlung und Personen sehr an die Erkennungsscene im
„Oedipus“. ) In den angegebenen Stellen war schon eine
besondere Art von Reden berührt, auf die noch mit einem
Worte hingewiesen werden soll: auf die „Chorrede“ (nach
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Schwarzkopfs Benennung). Wenn eine Menge denkt oder
redet, so drücken B. und K. das durch einen Monolog aus,
den sie in den Mund Aller legen. Dem siegreichen Hektor
ruft „die Menge“ zu: B. 10210: vez ci de toz vaülanz
la flor, li soverains e U plus proz usw. K. 37636:
seht, sprachen fromven unde man , diz ist, der uns erlöset
hat., usw. Vgl. nach B. 4308, K. 19582, 3192, 3074,
3118, 4272.
B. Die Verknüpfung der Rede.
Eine Rede kann auf verschiedene Arten in die Er¬
zählung eingefügt werden. Die einfachste Form einer
Verscrzälilung ist, daß die Rede mit einem ganzen Verse
vorher „angekündigt“ wird.
B. 6290: Ulixes a premiers parle.
„Reis Prianz, ne te salu mie
quar . u
K. 19372: und rief mit leide sunder twäl:
„Paris nü var von hinnen!“
Diese Form der Ankündigung erzielt eine feierliche
Wirkung. B. und K. verwerten sie fast durchweg in be¬
deutenden Augenblicken, in Versammlungen u. ä. Vergl.
B. 1602; 1704; 1780; 3659 u. ö.; K. 390; 1861; 3118;
• •
5534. u. ö. Ähnlich ist die Form, 'die nach der An¬
kündigungszeile in der Rede ein sprach er u. ä. einfügt;
das ist von B. besonders angewandt worden:
B. 3771: Hector respont come Bcnez:
„Sire“, fait-il, „vos volontez
vueil jo mout faire . . .“
K. 20821: ei . . . seite ir die gebserde eiu.
„vernement“, sprach si, „frouwe min
(t
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Vcrgl. : B. 882; 1387; 1445; 2224 u. ö.; K. 23135;
27612; die Ankündigung kann auch durch 2 oder mehr
Verse hindurchgehn:
ß. 4077 : Panthus, uns vassaus mout senez
de letres sages e fondez,
a comenciee sa reison
8i que l’oirent li baron:
„Reis sire, oez que vueil retraire
ll
K. 27 424 : seht, do begunde sprechen
der kunic Diomedes:
„ich wsene, friunt Ulixes . .
vergl. B. 2132, 3331, 3463, 4079 u. a. In solchen langen
Ankündigungen fühlt der Dichter oft das Bedürfnis, ein
sjrrach er einzufügen. K. sehr oft: 760, 1782, 4455f
6344, 6979, 7018 usw. Weitaus am häufigsten wird die
Rede ohne vorherige Ankündigung begonnen; aber durch
ein inquit in der 1. Zeile unterbrochen. Diese lebhafte
Form wird gern bei Antworten gebraucht:
B. 4468: „Or n’ i a plus,“ qo dist Paris,
„sempres . “
K. 34475: „Diz lobe ich!“ sprach dö sä zeliant
der künic . . .
B. 1063, 1321, 1401, 1429, 1456 1487 .... K. 2022,
2134, 3192, 3391, 3414, 5700 .... Oder diese Einfügung
steht erst in der 2., ja 3. Zeile; bei B. wie K. selten.
B. 5079: „Ne poeient mie inorir
n’en mer ne en terre perir“
ensi distrent la gent vilaine.
K. 8057. „Vrouwe, ir habent war geseit,“
sprach der ritter ungemeit,
„ez kan eilendem gaste . .“
Bei K. kommt die Erläuterung bisweilen nicht an den
Anfang, sondern an den Schluß der 2. Redezeile:
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K. 4870: „her wirt! ich hän in lange zit
erzogen!“ sprach der hirte z’im,
„da von ich einen pris vernim .
Endlich kann das, „er sagte . .“ am Beginn des Verses
stehen:
K. 6172: Fait Ulixes: „Des ore est lait;
vilanie est . “
K. 6630: er dähte alsus „Verderbest dun
so enist ouch nieman . .
Der Beginn der direkten Rede kann natürlich ganz
verschieden sein: nach der 1. Hebung, oder nach der 2.,
3. oder letzten. Das Gewicht der Rede ändert sich, je
nachdem die Einführung an jener oder dieser Stelle steht:
2798: er sprach: „erweltiu künigin,
enphähent diz cleincete rieh! .
Die Rede ist hier anders betont als etwa:
K. 8566: si sprach vil dicke: „wäfen!
waz hat . .
Durch das Hinziehen der Erläuterung wird das länger er¬
wartete wäfen hervorgehoben.
i. Verschiedene Stilmittel.
B. hat nicht viel Mittel zur Verfügung. Bei ihm gehts
in einem Tone fort; nur ganz selten treffen wir einen An¬
satz zu einer künstlichen Wendung, wie in der wirkungs¬
vollen Revokatio: 5313: „Der Trojaner kühnster war
Hektor; der älteste Sohn des Priamus. Der Trojaner?
Nein! Der ganzen Welt!“ So etwas ist so selten, daß es
für eine Verschönerung des Stils gamicht in Betracht
kommt; es war früher schon auf Bs. Epitheta mout, grand
hingewiesen. Wenn B. erzählt: Helena beklagte [4639]
.9 on seignor .... ses freres, sa fille e sa gent e sa ligniee
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e ses amis e sa contree e son pais, sa joie , s'onor, sa
richece e sa beaute e sa hautece, so halte man das nicht
für bewußte Stilkunst Bs. ! Es ist nichts weiter als unge¬
schickte Aufzählung! Wie anders, wenn K. bei der über¬
schwänglichen Schilderung Helenas sagt [19830]: wer mac
den glanz geschouwen der uz ir varwe schinet? . . . [rhe¬
torische Frage!] nü gent eht släfen alliu wip und tuon
sich under an ir lobe. Helene vert in allen obe an ereil
unde an werdekeit; Helene ir aller Spiegel treit, die frouwen
heizent finde sint, Helene ist ein erweltez kint an herzen
und an libc! usw. Die Anapher an dieser Stelle ist
äußerst wirkungsvoll. Vgl. 1158 ff.; 14253. Dem ähnlich
ist die Wiederholung der Attribute: 20446: ir
muot, ir sin und ir gedanc, ebenso 23401; 31831 und
sehr oft. Selbstverständlich hat K. auch in Menge die
Allitteration. 12226: gevellet und geveiget wart an
der juste manic man, ebenso 907; 919; 1160; 3186;
3950; 4732; 8196; 9673; 9747; 9798 usw. Gehäufte Al¬
litteration: 24701: daz läget unde lüzet .
ez forschet unde fraget vil. Dreifache Allitteration in
1 Vers: 21078: daz wilde wunder weihe • 25774: — des
wilden wäges wege. Sehr beliebt sind von K. antithe¬
tische Wendungen: 1564: dar unde dan, her unde
hin, 728: er wart ir man, si wart sin wip, si wart im
trüt, er wart ir Up 8800; 8812; 23010; 25406; 25902
usw. Auch Chiasmen kennt K. 33 136: Anthilion Pärise
mit nide sluoc vil mangen slac, den wol mit siegen über -
wac Paris Anthiliöne. Vgl. 32016 und sonst. Rheto¬
rische Fragen bei beiden Dichtern häufig. K.: 1; 859;
2164; 2362; 2538; 4026; 8567 usw. B.: 1487; 2671;
2753; 2893; 6008 . . usw. Ausrufe B.: 2892: hai! bone
chevalerie come estes mortes en poi de tens ! K. sehr viel öfter:
ach got ! owe ! lieg! u. a. Enjambement hat K. bisweilen :
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I
25 376: mit bluote er jämmerlichen twuoc
kis unde sant. des meres stade
Trojaereo gap er z* einem bade !
25451; 25830. Sehr auffallend: 24264.
gar flizecliche bat er die
göt unde ir hohe stiure.
Vgl. ferner 25 683; 31550; 31616; 31982; 32144. Durch
Tautologieen schaden B. und K. ihrem Stile. Von
Beispielen kann abgesehen werden. In der gleichen
Sphäre liegen bei K. die ewigen Wiederholungen eines
und desselben Gedankens. K. sagt uns jede wichtige
Bemerkung 5—6 Mal; da wont ir ivildez wunder bi (d.
Wolle d. Widders) daz den tot eil manigem tuot ; . . .
daz dur si /ip und ere git ein iegelicher man, der sich
des wil nemen an . . vil manger hat den Up verlorn • .
ir mugent wol des libes onch beroubet werden und verliert
usw. [8128 ff.J Das wird schließlich lästig für den Leser.
Mit vielem Bewußtsein schafft also K. ein großes,
alles umfassendes Werk; nicht, wie B., eine Chronik des
Krieges, sondern einen richtigen, natürlich auf Wahrheit
beruhenden Roman! Er begnügt sich nicht, uns ein buntes
Bild zu geben, sondern hat mit fast mathematischer Be¬
rechnung seinen Bau konstruiert; Grundlage blieb ihm B.;
aber hoch über ihn hinaus hat er mit kritischem Auge^
mit großer Belesenheit und peinlicher Genauigkeit sein
AVerk getürmt; wo er Lücken zu sehen meinte, hat er
sie mit Eigenem oder Fremdem geschlossen, wo er Aus¬
wüchse sah, rücksichtslos das Messer angesetzt, in seinen
Schilderungen mit größter Sorgfalt darauf geachtet, daß
der Rahmen gewahrt blieb. Daß er seine mittelalterlichen
Anschauungen in die Trojasage hineintrug, das ist ihm
gewiß zu verzeihen. Er war Gelehrter genug, um sich
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Mühe zu geben, Land und Leute antik hinzustellen; daß
seine Griechen und Trojaner schließlich doch deutsche
Ritter geworden sind, die bei Gott schwören und den
Engeln im Himmel gleichen, das tut seinem guten Willen
keinen Abbruch. Aber auch die innere Durchdringung
des Stoffes, seine psychologischen Analysen bestätigen
wieder, wie er bemüht ist, die Antike zu zeichnen, und
wie er doch nur das Mittelalter schildert.
I. Minne.
K. hat das Verdienst, neben dem Hauptthema — Krieg
zwischen Griechen und Trojanern — auch die Minne
oder besser gesagt die Liebe, zum Gegenstand seiner
Dichtung gemacht zu haben. Er hat sogar dieses zweite
Thema viel interessanter gelöst. Bei aller Bewunderung
für das Leben und den Wechsel, den er in seine Kampf¬
schilderungen hineinträgt, die zähe, spröde Masse dieses
Stoffes macht er uns doch nicht flüssig. Ganz anders
aber seine Liebesbilder! Eine Erzählung wie die
von Achills Lieheslust und -Leid ist geradezu modern.
Mit raffiniertester Psychologie erzählt uns K. da eine
Liebesgeschichte mit all ihren Aufregungen und Wir¬
kungen bis zu den realsten Folgen. Und das gilt von
allen seinen Liebesepisoden.
1. Die Art der Minne.
Schon B. hat unhöfische Liebesleidenschaft geschildert.
Medea liebt den Jason und kann ihre Blicke nicht von
ihm wenden [B. 1261]. „Er gefällt ihr“ und „sie ihm“.
Sie wollen möglichst schnell auch die Genüsse der Liebe
kosten; ja, Medea will, so sehr die Leidenschaft sie
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gefaßt hat, doch nur unter der Bedingung, daß Jason sie
zur Gattin macht, ihm ihre Liebe schenken! Das ist
doch außerordentlich unhöfisch! K. folgt nicht nur dieser
Auffassung der Liebe, sondern führt sie noch rücksichts¬
loser durch, diu minne und der natüre strit ir zweiget
wille überwant, so heißt es bei ihm [7700]; und ebenda:
sie wolle umb in sich selber geben! Ganz deutlich er¬
klärt K. die Gegenseitigkeit der Liebe: ir muot was un-
gesclieiden, wan ir sin geliche ivac. ir wille an sime libe
lac und lac an ir daz herze sin [7772] und 7868: ir
beider leben und ir Up wart so verstricket under ein, daz
niht anders an in zwein wan der state da gebrast . .
(ihre Begierden zu befriedigen). Daß die minne nichts
Gemachtes, sondern eine Naturgewalt ist, mächtiger als
eine andre, das hören wir fortwährend: Achill, der Löwen
und sonstige grimme tiere überwand, wurde von der minne
besiegt, er was in kurzen stunden con ir gewalt also
cerzaget . . . diu minne des gewaltes pfliget, daz nieman
ir mac widerstreben [14 730] usw. Wie unwiderstehlich
die Kraft der richtigen Minne ist (K. betont oft die
wahre Minne!), das geht schon daraus hervor, daß sie
sich an nichts kehrt! si machet sieht gerillte krump und
die lcrumben sache sieht ! lcünc und fürsten nigent ir!
Die Minne ist etwas Hehres, Reines; sie verträgt nichts
Unschönes, keine Untreue, keine Falschheit: „sie ist wie
Rosenwasser, das auch schon durch einen Tropfen anderer
Flüssigkeit getrübt wird“ [2450]. Sie ist auch die süßeste
Wonne! swer niht ir süezen lönes gert und niht umb
in kan werben, der schicke eht umb ein sterben und tuo
sih lebender scelden abe. swie eil er anders heiles habe ,
er muoz an fröuden tot geligen, wirt im der scelikeit
cerzigen, daz er niht hat der minne gutist waz hilfet
den guot oder kunst, der muotes niht üf minne treit ?
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[2528] u. s. f. Und wie schnell kommt die Liebe! be¬
sonders die auf natürliche Weise entstandene [7798].
Es ist nun zu verstehen, warum K. in seinen Liebes¬
geschichten da, wo er mit Ovid geht, sich ganz an dessen
Schilderung hält. Ovids Liebesauffassung ist die der
„Leidenschaft“. Die Liebe zwischen Paris und Helena
z. B. konnte K. einfach herübernehmen. Er hat auch
wenig an der Vorlage geändert. Diese Liebe ist mäch¬
tiger als alle höfische Sitte! Sie zwang sogar die Medea,
daz si do liez ir blücheit! [8535]. Das ist in der kon¬
ventionellen Liebe überhaupt nicht denkbar!
2. Die Wirkung der Minne.
Diese Liebe, deren Feuer wirklich brennt, bringt den
Liebenden „Sorge und Unruhe“; „Willen und Freiheit“
gibt man hin; ist die Liebe einmal vil tougenlichen als
ein diep in das Herz gedrungen, so ist Vernunft und Sinn
„betört“. Medea und Jason gewannen kranke unde tumbe
sinne von liebe [7894]; dann kommen der heizen minne
siechtage und bringen des Leides allzuviel. Jason wird
von der sorgen jämermht bleich und kraftlos [7900]. Auch
bei Benoit leidet man mout grant peine toz les uit jorz
de la semaine [1291] und hat nicht Buhe noch Trost!
— Aber K. weiß die großen und kleinen Schmerzen und
Freuden der Liebe viel wärmer zu beleuchten. Durch ein
geschickt eingeführtes frisches Bild klärt er etwa die Situa¬
tion: ir jungez herze (sagt er z. B. von Medea, 7834)
sich versivanc als der wilde vrie visch, der ü z dem tiefen
wage vrisch sich ver swinget in ein garn. Vor allem
peinigt die Liebenden quälende Sehnsucht: si quälen
unde brunnen tac unde naht in sender clage (so oft).
Wie lange dauerts Medea, bis der Abend des Stelldich-
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eins herankommt! si dühte, ez müeste sin ir tot ob niht
ir wille ergienge! daz der tac enpfienge ein ende an alle
süme, des wart von ir vil küme gebiten und gewartet!
usw. Und wie verzweifelt erwartet sie den allzulange zö¬
gernden Jason! wird ich noch lünaht niht erlöst von
senelicher ungeha.be, so wirde ich morne hin ze grabe ge¬
frieret und geleitet [8588] und weiter 8859: Sus gie si
kosende allez dö nü dar , nü dan, nü sus, nü so tet si
vil mangen umbekreiz. wilent kalt und wilent heiz wart
ir von süezer minnegir. Wenn ß. die Wirkung der
Minne schildert, so hat er gar keine Vorstellung zur Ver¬
fügung: B. 4768: r Helena kann sich nicht mehr halten
und bricht in Tränen aus. Paris tröstet sie und bereitet
ihr eine schöne Nacht/4 Dagegen K. 22858: Freude und
Leid geschah ihr zugleich . . . Sie sehnte den Augenblick
herbei, daß Paris ihr bi geltege und mit ir liebe pflwge
lieplicher kurzewile . . . P. sieht es ihr an den Augen
an, daß sie von Sehnsucht verzehrt wird. Da bat er sie
um ihre Minne. Sie erbleichte und wurde wieder rot
alsam ein rosenblat. Da riß er sie an sich, küßte und
umarmte sie und drückte sie an seine Brust. Sie litt
es und sank ohnmächtig nieder. Die Liebe schenkte
ihnen ihren wunnelxeren solt. Denn wie die Schmerzen,
die von der minne kommen, groß sind, so sind ihre
Freuden überaus süß! Im Arme des Geliebten ver¬
gißt Helena all ihr Weh und Leid; und Paris dachte
nicht daran, daß diese Liebe den Untergang Trojas zur
Folge hat!“ Zu einer solchen Leidenschaft gehört die
Eifersucht: auch ihr wird K. gerecht. Bei üvid, Met.
LX 134 las er, wie Dejanira über Hercules’ Treulosigkeit
unglücklich ist. Das übernimmt K. [38262] : D. ist ver¬
zweifelt; damit er die Jole vergäße und wieder zu ihr
seine Liebe kehrte, sendet sie das verhängnisvolle Hemd.
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— Daß man so seine alte Liebe einer neuen opfert, ist
menschlich ebenso einleuchtend wie höfisch ausgeschlossen !
K. aber erzählt ganz offen [11232]: Die Minne wirt
vil manigem herzen ein falscher leitesterne. minn ist
so niuwegerne, daz ir vertaner viürwiz durch ganze liebe
manigen sliz kan zerren undet brechen, si solte niht
versprechen daz virne dur daz niuue .... swem
altiu liebe wonet bi, daz der belibe der niuwen fri, daz
wcere ein wunneclichez dinc. K. mißbilligt also solche
Liebesirrung, solche unstceteheit, der bösen Folgen wegen,
die er an Jasons Beispiel zeigt. Kleine Züge der „Eifer¬
sucht“ sind z. B., wenn Oetes seine Tochter küßt und
Jason dabei Schmerz empfindet [K. 8006], oder wenn
Paris Zusehen muß, wie Menelaus die Helena umarmt
usw. (teils eigene Gedanken Ks., teils von Ovid übernommen).
3. Sinnlichkeit der Minne.
K. bleibt in seiner Liebesschilderung keineswegs stehn
bei gegenseitiger Vergötterung und unerfüllten Liebes-
wünschen. Die Liebe ist ihm durchaus körperlich; er
beschreibt die Einzelheiten dieser minne mit antiker Un¬
befangenheit. 7718: Medea betrachtet Jasons Glieder
einzeln ganz genau; seine ritterliche „Form“ beachtet sie
im Herzen. Sein Haar, seine Augen, seine Arme und
Hände ließ sie durch ir gemüete gän. Auch B. erzählt,
wie Medea ne poeit pas a nesun fuer tenir ses ieuz se a
lui non. mout li ert de gente fagon ; la forme esguarde
de son cors (Haare, Augen und Gesicht). Mund und
Blicke, Kinn und Körper und Arme sind schön an ihm.
mout la reguarde en mi la chiere. — K. malt die eigent¬
liche minne ohne Bedenken, während B. nur andeutet.
B. 1643 Medea und Jason : tote la nuit se jurent puis ,
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ensi com jo el Livre truis. Die Berufung auf „das
Buch“ ist hier sehr bezeichnend: tot nu a nu e braz a
braz. autre celee ne vos faz: se il en Jason ne pecha,
cele nuit la despucela. quar, si le voust, eie autretant!
Das ist doch eigentlich noch ganz abstrakt B. geht mit
Redensarten um die Sache herum. Wie anders K. Schritt
für Schritt geht er vor, bis er alles gesagt hat: nü daz
er disen eit getete} dö wart in beiden an der stete vröud
unde herzeliebe kunt. si husten ougen unde munt ein
ander dicke enwiderstrit und umbeviengen bi der zit mit
blanken armen ofte sich [9127]. Soweit bleibt er noch
in den Grenzen Bs., dann [9140]: diu maget wart ze
wibe von dem erwelten manne; . ... si vlähten
sich beid under ein als ez gezam der minne: diu werde
küniginne schiet von ir magetuome\ ir kiuscheite bluome
wart nach ir willen abgenomen. swaz herzeliebe mac qe-
fromen ze vröuden an der minne spil, des funden si da
beide vil usw. da wart getwungen brust an brust und
munt an munt ge/imet wol. Man denke weiter an die Schil¬
derung, wie Paris die Helena „zum Weibe macht“ [22906].
Nachdem er sie gehalst und geküßt hatte, daß sie ohn¬
mächtig niedersank, da legte er sie aufs Bett, diu
schcene diu bran unde wiel von minnen gar ze gründe
. . . . wes mähte Paris langer me dö biten unde
warten? Er machte sie also zum Weibe: „unsagbare
Wonnen kosteten sie; meine Zunge kann die Freuden
nicht schildern, die sie da fanden ..." Am deutlichsten
ist Konrads Liebesschilderung in der Deidamia- Episode.
Da erzählt er mit fast berechneter Deutlichkeit, wie Achill
in seiner Leidenschaft immer weiter geht; das Motiv der
Verkleidung gibt dem Dichter Gelegenheit, die gewagtesten
Schilderungen zu geben. Wie harmlos hatte Statius das
erzählt ! illam sequiturque premitque improbus, illam ocufis
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iterumque iterumque resumit, nunc nimius lateri non evi-
tantis inhaeret; nunc levibus sertis, lapsis nunc sponte
canistris nunc thyrso parcente ferit . . . [560]. K. : 15442 ff.
. 15774 ff. „er wirft sie zur Erde, legt, gleich¬
sam als geschehe es im Scherze, seine Hände auf ihre
Brüste; . Oft gehn sie zum Bache; „Zeige mir
doch deine Füße!“ sagt er zu ihr; und so schaut er ihre
weiße Haut. Mit den Händen hebt er ihr das Gewand
auf und greift hin, wo er will“ usw.
4. Minne und Ehre im Konflikt
K. ist ein Meister psychologischer Tüftelei. Jeder
Schritt seiner Personen wird nach allen Seiten beleuchtet;
jeder Entscheidung gehn die genauesten Erwägungen
voraus, Motive, eventuelle und wirkliche Folgen, moralische
Bedenken, praktische Rücksichten, kurz, alles wird ge¬
hörig besprochen, mit allgemeinen Weisheiten begründet
und bis auf den letzten Rest aufgearbeitet. Diese Eigen¬
art Ks. zeigt sich vor allem in den Scenen, wo Liebe
und Pflicht im Streite liegen. K. entscheidet sich allemal
für die Liebe; Medea und Helena und Deidamia kämpfen
sehr, doch die Kraft der Minne ist größer. Diesen Seelen¬
kampf zu schildern, ist für K. ein wahres Fest. B. kommt
auch da nicht mit dem geistreichen deutschen Meister
mit. B. 1496: Medea zu sich: certes mout a en mei folor:
de quei me sui jo entremise? ... fol corage e mauvais
semblant porreit Vom or trover en mei, que ci m'estois
ne sai por quei . . . que faz jo ci ne cui atent ? tant en
ai fait qu'or m’en repent . Das ist überhaupt kein Seelen¬
kampf. K. genügte das nicht; er zieht Ovid heran,
Met. VII 10 ff. Aber auch Ovid reicht nicht aus und
er gibt Eigenes dazu. Ovid 10: et ludata diu postquam
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ratione furorem non poterat. K. 8589: „Da ward die
Schöne gewaltig in Sorgen und in Gedanken gebracht.
Dies und das bedachte sie in ihrem Herzen. Gern
hätte sie sich des Mannes und der Minne erwehrt. Mit
ihrer Keuschheit kämpfte sie: mit Herzen und mit
Leibe wollte sie von ihm los. Und doch! Je mehr
sie sich von ihm wenden wollte, um so mehr sehrte die
Minne ihr Herz. Sie kämpfte mit sich selbst in großer
Qual . . .“ Jetzt folgt er im allgemeinen Ovid. Dann
wieder selbständig 8712: „Meine Mädchenehre weist mich
auf Keuschheit des Herzens, und die Minne zwingt mich
zu inniger Freundschaft. Zwiefacher Leideskummer hat
mich betroffen. Minne und Scham bedrängen mich spät
und früh. Ich weiß nicht, was ich tun soll; nach beiden
ziehts mich hin: die Scham, die will meine Ehre, die
Minne meine Schande, owe minne unde bliucheit wie
tuont ir mir so leide !u Dann, nach Weglassen einiger
nicht brauchbarer Stellen, folgt er nur wenig noch Ovid
(O. 62). Zuletzt wieder ganz Eigenes: K. 8794: mit
zweiger hande muote begriffen was ir herze . . . und
wieder wirft sich K. in einen Strom von Reflexionen.
Dieselben weitschweifigen Auseinandersetzungen lesen wir
von Helena: K. 22858: „Glaubt nur, daß ihr da Wohl und
Wehe zugleich geschah: Wehe, daß sie Ehre und Gatten
verlor; Wohl, daß sie Paris zum Freunde gewann“; u. s.
wiederholend: „Die hohe Frau litt Leid und Freude zu
gleicher Zeit“ ; und noch einmal : „Sie war betrübt und er¬
freut zu einer Zeit“ ; und wiederum: „In ihrem Herzen war
ein Streit zwischen Liebe und Leid“ ; und so noch weiter.
Während K. hier nichts als Wiederholungen bringt, hat
er den Medeamonolog viel besser durchgeführt. Man
könnte zu dem Schlüsse kommen, daß K. eben nur da
in seinen psychologischen Auslassungen geschickt ist, wo
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er einem großen Vorbilde folgen kann. Dem ist aber
nicht so, wie die Deidamiascenen beweisen: Achill
steht vor der Entscheidung: er muß, koste es, was
es wolle, die Minne des Mädchens erringen: K. nicht
nach Statius [16560]: hat in der Minne wäfen da
langer iht verseret , daz müest im sin verkeret von
allen werden hüten. Hier spricht K. ganz deutlich
aus, daß man in Fällen, wo man zwischen Liebe und
Pflicht zu wählen hat, ohne Bedenken seinem Herzens¬
triebe folgen soll. Das beweist er mit einer Phrase, die
eigentlich nicht recht hierher paßt: „"Wer etwas vorhat,
wobei er mit einem kühnen Schritte sich Leides ersparen
kann, der zögere nicht! [16571.] wan ob er langer
Inten wil durch zegelichen sin, ich fürhte , er neme den
ungewin, daz sin wille niht geschehe, ich rate, ob er die
state sehe, diu minneclicher sache tilge und im sin leit
geringen möge, daz er sich niht ensume! Läßt er sich
die Gelegenheit entgehn, wer weiß, ob sie sich ihm so
leicht wieder bietet!“ Und so redet Achill lange noch
bei sich: endlich führt er sein Vorhaben aus; nun ist es an
Deidamia, Bedenken gegen solch ein Gebahren zu äußern:
schäm, sagt sie, ist ein kröne reiner tugent , diu wibes
lop beschauet und werde vrouwcn krcenet an herzen und
an libe. kein tugent stät dem wibe so wol so vrouwelichin
schäme [16772] usw. Sie bittet ihn also mit allem
Nachdruck — sie würde sogar dem Vater Mitteilung
machen — von ihr abzulassen. Aber, sagt Konrad, [16979]
sie tet aJs al die megde tuont, die sich von erst be-
ginnent wern. . . . ungeme wart si niht sin wip und
iverte sich doch vaste sin und nun echt Konradisch: „Sie
dachte, es ist nicht so schlimm, wenn ich seiner Gewalt
unterliege, als wenn ich zu ihm sagte: „Vollende Deines
Herzens Gier an mir!“ si wolte gerne stillen sin trüren
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mit ir giiete und machen sin gemüete vil höher wunne
riche. doch tet si dem geliclie sam si niht gerne scehe, daz
an ir da geschehe sin wille und sines herzen ger.“
II. Rittertum.
Hat sich K. sonst bemüht die Szenerie des orienta¬
lischen Altertums zu wahren, so hat er in der Zeichnung
seiner „Ritter“ sicher nicht daran gedacht, sie dem an¬
tiken Rahmen anzupassen. Auch seine Kämpfer und
Helden sind eben höfische' Ritter; Hektor und Achill,
Jason und Herkules sind typische Kronen der Ritterschaft.
Soweit ist auch Bs. Auffassung dieselbe. Aber, während
es bei dem französischen Dichter nicht ausgeschlossen ist,
daß seine Ritter auch Mängel und Schwächen haben
(schon rein äußerlich, wie wir uns erinnern), so ist das
bei K. nicht nur unmöglich, sondern er geht in der V er-
herrlichung seiner Helden soweit, daß es ihm schon
Schwierigkeiten macht, zu schildern, wie ein Ritter dem
andern unterliegt. Wenn er schon (den Laomedon etwa)
einen Helden unter dem Schwerte des Gegners fallen
sehen muß, so entschuldigt er diese Niederlage mit so¬
viel Gründen, daß das Peinliche der Situation nicht zu
merken ist.
1. Der Ritter selbst.
Ein Konradischer Ritter ist allemal der schönste und
tapferste, der je gelebt hat; er hat schon viele Helden¬
taten hinter sich, bevor wir ihn kennen lernen. — Man
denke an Jason, dessen Heldentaten so berühmt sind,
daß Medea schon verliebt in ihn ist, bevor sie ihn ge¬
sehen hat. Als Herkules zuerst auftritt, sagt B. 971:
„mit ihnen zusammen fährt Hercules, ein naher Verwandter
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des Jason.“ K. stellt ihn uns vor mit seinen Taten [6868]:
„ein Ritter, Herkules, fuhr mit: er war sein Mage und
hatte viel Wundertaten verrichtet. Wie ich von ihm ge¬
lesen habe, so hat er viel starke Riesen bezwungen, große
Taten der Ritterschaft hat er ausgeführt. Meerwunder
und Drachen hat er besiegt; er galt für einen auser¬
wählten Ritter. Alles, was zur frumekeit nötig war,
besaß er.“ — Nie rastender Ehrgeiz treibt den Ritter
von Taten zu Taten; nur die Ehre hat er dabei im
Sinne; (Wenn bei B. Jason aus Gewinnsucht die Fahrt
nach dem Widder unternehmen will, so ist das für K.
eine Unmöglichkeit. B. 847 : Peleus will ihm die Hälfte
seiner Herrschaft abtreten, wenn er das goldene Vlies
gewönne. „Was du auch immer wünschen wirst, das
will ich dir geben!“ Jason läßt sich zur Fahrt be¬
stimmen durch die Aussicht auf diesen Lohn. 855: „er
hört das Versprechen, hört, was er bekommen soll“. 874:
„Das Versprechen hörte er, das große Geschenk vernahm
er.“ Er ist gewillt, die Fahrt zu unternehmen; nebenbei
hofft er auch ein wenig Ehre dabei zu gewinnen! 872/73.
— Von dieser Belohnung ist bei K. keine Rede. Peleus
stachelt den Ehrgeiz des Neffen an: „Du bist der beste
Ritter! Nur eins fehlt dir noch, ganz vollkommen zu
sein!“ [6634], nämlich das goldene Vlies: und swie dir
nü gelingen mac an dem rilichen tiere, so muoz din name
schiere vür alle kiinige werden erhoeliet üf der erden;
und Jason antwortet: „Ein elender Feigling wäre ich,
holte ich aus Furcht das Vlies nicht, wenn soviel Ehre
dabei zu verdienen ist! — Ich will den Schäper holen
und siegen oder tot um seinetwillen dahegen.“ — Wie scharf
hat K. die Szene gemalt, wo Ulix und Diomed den Achill
durch Anstacheln seines Ehrgeizes hinreißen, mit nach
Troja zu kommen (nach Statius).
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Neben der Ehre ist es die Frau, um die der Ritter
Leib und Gut wagen muß. so muoz ein ritter durch
diu wip und unib sin selbes ere lip unde guot vil sere an
strite wagen alle frist [19150]. B. an dieser Stelle:
Troi'lus: peine e travail por pris aveir itel vie devons
aveir [4011]. Ja, solcher Ruhm ist das Höchste, was
man erringen kann: „Es ist wirklich wahr, Ruhm macht
die Männer wert ... lop zieret unde blüemet mit eren
werder manne lip und reizet höhgeborniu wip uf herze-
licher liebe trift “ [K. 7642]. Von Jason sagt KL — das
gilt für sämtliche Ritter: — „Diesem auserwählten Ritter
mißlang nie etwas; ein so trefflicher Held war er des
libes und des herzen , daß er nie Angst noch Tod
fürchtete, wo es galt das Leben zu wagen durch ganze
wirde höh“ [6534]. In dieser Beziehung ist die Schilderung
des Kampfes zwischen Jason und den Tieren sehr lehrreich.
Bei B. ist von einem Kampfe überhaupt nicht die
Rede: Jason geht auf die Rinder los, das Feuer ver¬
nichtet seinen Schild. Da wirft er den Zauberleim in
die Nüstern — und der Kampf ist zu Ende [1907].
Bei K. ist das anders; so ohne Anstrengung kommt Jason
nicht davon; er kämpft einen gewaltigen Kampf mit den
Farren; obwohl er nicht durch die dicke Haut der Untiere
durchdringt, so versucht er doch, ob er mit siegen etewaz an
in geivinnen mähte, swie lützel es im töhte, doch tet er, swaz
er solle, wird unde pris er wolle an arbeit niht verschulden
[9706]. Hier ist die Anstrengung Jasons gar nicht angebracht,
schließlich gibt die Anwendung des Leimes doch den
Ausschlag. — Diese Vollkommenheit des Ritters schließt
jeden Mangel, jede Schwäche aus. AVenn B. 8165 ff. den
Achill nicht mit aufzählt, weil er „nicht auf dem Posten
war“, so wäre das hei K. unmöglich; (diese Scene konnte
auch aus Gründen der Composition von K. nicht übernommen
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werden, weil bei ihm Achill an dieser Stelle noch nicht
auftritt). Einen Ritter wie Achill aus Unpäßlichkeit vom
Kampfe auszuschließen, ist für K. undenkbar. Von der¬
gleichen Aeußerlichkeiten wird ein Held nicht bezwungen ;
so ein Ritter wird überhaupt nie besiegt; wenn aber der
Verlauf der Geschichte einmal einen Rückzug verlangt,
dann muß er mit gewichtigen Tatsachen begründet
werden. So müssen in der ersten Schlacht vor Troja
die Griechen einmal weichen. B.: le champ lor covint a
guerpir jusqu’ a la mer ne tindrent place , assez per dir ent en
la chace [2662]. Das ist für B. nicht weiter bedenklich, aber
für K.peinlich ; zunächst bemerkter [12296]: wan si Troicere
entsäzen der drizic tüsent ritter was! Dann sagt er von dem
großen Verluste auf der Flucht kein Wort. Die 30000
hatte er übrigens vorsorglich schon vorher angezeigt
[11936]: wol drizic tüsent man bereit (kehrten mit Lao-
medon aus Troja). — Als Priamus den Paris nach
Griechenland schickt, sagt er zu ihm: „Wenn es euch
nicht gelingt, die Esiona zurückzubringen, so kommt
wieder, dann werde ich euch Hilfe bringen“ [B. 4202]. K.
läßt die Möglichkeit eines Mißerfolges, sodaß Paris Hilfe
brauchte, gamicht zu [19406]. Also schon den geringsten
Anschein einer Schwäche der Ritter vermeidet K. Da¬
rum kann er auch Bs. Grund nicht annehmen, daß die
von Laomedon bedrohten Griechen fortziehen, „weil sie nicht
wagten zu bleiben“ [B. 1127]. K. sagt dafür [7196]: „sie
hatten nur keine Zeit, sonst hätten sie dem Laomedon schon
etewaz getan . . ze leide. Jason wollte nämlich erst die
Sache erledigen, um derentwillen er ausgezogen war.
Darum schob er die Rache auf die Rückfahrt auf' (was
ein sehr schwacher Grund ist; denn so etwas pflegt ein
Ritter gleich in Ordnung zu bringen). Aber wir können
K. begreifen, wenn er die klägliche Haltung Jasons im
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Drachenkampfe bei ßenoit nicht übernommen hat. Jason
[B. 1945] hat solche Angst, daß ihm das Blut aus dem
Munde rann! Das paßt garnicht hierher; Jason war doch
gefeit gegen das Untier! B. erzählt selbst, wie Jason
vor dem Kampfe Salbe, Figur und Ring benutzt
[1929]. Bei K. macht Jason erst von dem Ringe Ge¬
brauch, als ihn der Drache zu Falle bringt ; trotzdem ist
auch von Furcht keine Rede bei ihm! K. schildert
einen heißen Kampf zwischen Jason und dem Untiere
[9855]. Auch die Benoitsche Bemerkung: „nach dem
Kampfe wollte Jason nicht länger warten, um anderem
Unheile zu entgehen“ [1965], läßt K. fort Ein Ritter,
der eben den Drachen bezwungen hat, brauchte „anderes
Unheil“ nicht zu fürchten.
So steht denn der Ritter ohne Furcht und Tadel da: un-
besieglich, und ohne Makel; alles, was sein Verdienst nur
irgendwie herabsetzen könnte, wird von K. vermieden. Sogar
das Eingreifen der Götter wird zurückgewiesen, wenn dadurch
dem Ruhme des Ritters etwas abgenommen wird. B.: „Die
Leute erstaunen über das goldene Vlies, das Jason ge¬
holt hat: sie sagen, es sei chose faee . . . wenn die Götter
nicht gewollt hätten, so wäre es einem Menschen nie ge¬
glückt, das Vlies zu gewinnen“ [1994]. K. läßt das fort:
man hörte im ganze)' wir de jehen und hoher mannes
krefte. von siner ritterschefte von vröuden vil geweinet wart
[10 102]. Ja, selbst bis zu den unbedeutendsten Kleinig¬
keiten legt K. seinen kritischen Blick hinein: Pollux
schlägt den Eliachim nieder; von dem sagt B.: „jung
war er, von wenig Jahren“ [2627]. Es könnte nun
so scheinen, als ob es grade kein Meisterstück gewesen
wäre, so einen Knaben zu bezwingen: Darum läßt
K. diesen Zusatz weg [12075 ff.]. — Daß Ritter
weinen und klagen, das ist völlig unstatthaft: „Man
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soll den Sorgen mit hohem Mannesmute widerstreben!
Wie steht das einem Ritter an, so blcedecliche zu
tun ? Verkehrt ist es, den Verlust mit Klagen noch
zu begleiten! Nein! Fröhlich sein vor den Leuten
und doch sein Herzeleid sich so nahe gehen lassen, daß
man auf Rache sinnet — das ist eines biderben unde
vrechen Mannes würdig!“ [23472]; die wisen hcere ich alle
jelien, daz trüren harte wenic tüge und nieman überwinden,
möge mit clage einen smerzen usw. „Weinen ist zweck¬
los, Rache nehmen ist nötig! witz unde starkiu ritter-
schaft muoz uns trüren biiezenil spricht Agamemnon bei K.
An dieser Stelle läßt auch Benoit den A. ähnlich sprechen:
B. „Die berühmten Männer der alten Zeit . . . gewannen
ihren Ruhm nicht durch Klagen, Weinen und Jammern,
sondern sie nahmen Rache, wenn ihnen jemand Leid zu¬
gefügt hatte. So müssen Ritter handeln!“ [4953] usw.
Als Troja zerstört war, da „weinte und klagte man drei
Tage lang“ [B. 2971]. K. fügt hinzu: „Hektor weinte
nicht! sin muot begunde ersteinen in ritterlicher frume-
keit.u Er wollte nicht im Leide verzagen, sondern sich
rächen! „Trauern hilft jetzt nichts“, sagt er zu seinem
Vater Priamus, „kühne Helden dürfen im Unglücke nicht
verzagen. Denkt lieber, wie wir uns bei Gelegenheit für
den Schaden rächen!“ [13 290]. Wenn Zeit und Gelegen¬
heit ist, darf man auch einen toten Helden beklagen.
Achill beweint den gemordeten Freund, setzt aber hinzu,
daß er dessen Tod blutig rächen wolle. Ebenso beklagt
Prothesiläus laut jammernd das Schicksal der gefallenen
Freunde und schwört Rache für ihren Tod [25608]. —
Forderte der Verlauf der Ereignisse, daß ein großer
Ritter unterlag, so wußte K. sich geschickt aus der pein¬
lichen Situation zu retten. Hercules und Laomedon
kämpfen, niuwan ein tcetlich wunde diu miieste bi der
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stunde ir zweiger vehten understcin ... [12 759]. Lao-
medon mußte — so forderte es die Geschichte — unter¬
hegen. K. muß also einen einleuchtenden Grund suchen,
das zu erklären: ,.Laomedon war immer ein tüchtiger
Ritter gewesen; er hätte den Hercules sicher erschlagen,
tv an daz in daz alter mit ncete manicvalter beroubet hete
slner jugent. wcer im geswachet niht sin tugent von langer
zite stunden , er hiete in überwunden und üf den plan
gevellet nider. nü waren alliu siniu lider gekrenket von
der gare zale so vaste , daz er üf dem wale niht langer
mohte sich gewern [12 780] und nun kommt noch eine
Lobrede auf Laomedon; ,ja, der König schlug einen so
guten Hieb, daß er den leidigen Widersacher fast getötet
hätte! Leider ging der Schlag fehl, sonst wärs um Her¬
cules geschehen gewesen!“ Wenn L. doch sterben mußte,
so kam es nicht darauf an, ihn erst noch gehörig heraus¬
zustreichen. Dieses psychologische Kunstmittel ist von
K. sehr hübsch ausgeklügelt. Damit auch kein Zweifel
bestehe, läßt K. den Priamus noch einmal sagen: ich
weiz wol, höhgelopter degen, daz du dich wertest harte
e dich din wider warte gar sigelos geta-te. ob niht daz
alter hivte daz ellent din geswachet, so miieste sin er-
krachet vor diner hende manic man , e man dich toten
hate dan gefiieret von der beide . . . [13 174]. — Ganz
ebenso: als Hector auf Achill losrennt, fällt erst Achill
unter dem Anstürme Hectors [K. 39330]; hier sagt B.
10643: „beide fielen ins Gras,“ und noch einmal wirft
Hector den Achill aus dem Sattel [K. 39 490] ; B. 10 695
ebenso. K. schont den Hector, der ja schließlich unter
Achills Waffen erliegen wird. — 25556: Der Trojaner
Philemenis, der von Ulixes getötet wird, kann sich vor
seiner Niederlage noch einmal auszeichnen (K. gegen B.,
der den Ph. gleich erschlagen läßt).
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— 111 —
2. Der Ritter und sein Feind.
Persönliche Tapferkeit und Streben nach Ruhm und
Ehre genügen nicht zur Vollkommenheit eines Ritters.
Auch die Noblesse gegen den Feind gehört dazu. Die
Anerkennung der Tüchtigkeit des Besiegten ist mindestens
so schön wie der Sieg selbst. Wie vornehm steht es
Hector an, wenn er dem erschlagenen Prothesiläus einen
würdigen Nachruf hält: „Daß Ihr von meiner Hand
sterben mußtet, das wird mich ewig erbarmen! Kein
Ritter kann sich je an Ehren mit Euch messen! Ihr
habt Euch mit solchen Kräften gewehrt, daß Euer leuch¬
tender Preis immer emporsteigen wird“ [K. 26056].
Bei B. hält nicht Hector diesen Nachruf, sondern der
Dichter selbst. Daß K. diese Worte dem Hektor in den
Mund legt, beweist wieder, wie bewußt er künstlerische
• •
und psychologische Änderungen vornimmt.
Vor allem wird oft betont, daß der Kampf, in den
ein Ritter geht, ein gerechter sein muß. Dazu gehört,
daß eine „Widersage“ erfolgt ist. Es ist unfair, ohne
eine solche den Krieg zu eröffnen; ein Kampf ohne Wider¬
sage ist ein räuberischer Überfall und kein ehrlicher
Kampf. So wirft Laomedon dem Hercules vor, daß die
Griechen ihm nicht „widersagt“ hätten. Hercules erkennt an,
daß der Vorwurf zuträfe, wenn es der Fall wäre. Aber dem ist
nicht so! Und nun setzt H.dem Laomedon in echtkonradischer
Dialektik auseinander, wie die Widersage doch erfolgt sei:
K. 12686: Laomedon: „Ihr habt mir gar nicht widersagt!
Heimlich wie Diebe habt ihr mir meine Stadt gestohlen,
statt mir erst zu widersagen! Was habt ihr nun für
Ehre dabei gewonnen? Nichts. Hättet ihr mir wider¬
sagt, so hätte ich die Stadt nicht verloren!“ Hercules
antwortet: „Ihr zeiht mich falscher Dinge! Es ist gar
nicht wahr, daß man euch nicht widersagt hat! Erinnert
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euch doch einmal, wie ihr uns seinerzeit vertrieben habt!
Damals hat man euch gesagt, eure Schandtat würde ge¬
rächt werden an euch! Das ist doch eine Widersage!
• • ••
Zudem: wer Übles tut, ohne daß man ihm Übles getan
• •
hat, der muß auf übles gefaßt sein! Auch wenn ihm
nicht erst widersagt wird. Seine Argheit selbst warne
ihn! So einer büßt mit Recht alle Schuld!“ Ganz ähn¬
lich wirft Menelaus dem Paris vor, nicht widersagt zu
haben, und Paris gibt dieselbe Antwort. „Ihr habt uns
die Esiona geraubt, also mußtet ihr eine Rache erwarten“
[K. 34334 ff.]. Dieses Motiv der wider sage trägt K. auch
in jene Stelle hinein, wo Priamus den Griechen eine Ge¬
sandtschaft schickt, die Esiona zu fordern [B. 3236].
K. 17910: Hector: „Schickt einen Boten und fordert Sühne;
sie werden darüber lachen; dann habt ihr gute Ursache,
zu widersagen! In diesem Falle ist alles, was wir ihnen
dann antun, in Ehren getan; sodaß uns kein Vorwurf
trifft, wenn wir uns an ihnen rächen!“ Also die Wider¬
sage muß einen Grund haben, damit der Krieg nicht un¬
ehrenhaft geführt werde.
3. Der Ritter als Führer.
Jeder einzelne Ritter ist der „vollkommenste“, „beste“;
aber sie sind untereinander keineswegs alle gleich; sowohl
bei ß. als auch bei K. wird der und jener Ritter den
andern gegenüber herausgestellt; der ist dann der Führer
der andern; mit väterlicher Sorglichkeit ermahnt er die
Seinen vor der Schlacht, er selbst geht ihnen als Vorbild
voran: als erster in die Schlacht, als letzter aus der
Schlacht! Er ist überhaupt der, auf den alles in der
Schlacht ankommt; allerdings erntet er dann auch den
größten Ruhm. „Niemand kann so großes Lob im Kampfe
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erringen als der, der das Haupt einer Schar ist. ob er
si wol enthaltet, man priset in mir mangen man; wan
er da wirt gekapfet an mit filze vor den allen der lop
da muoz geva/len den ougen und den herzen [29836].
Schon äußerlich zeichnet er sich durch prächtigere Kleider
vor den andern aus. K. 7250 und B. 1141 erzählen,
daß Jason und die Seinen herrliche Kleider anhatten;
K. allein hebt hervor: , jedoch Jasons Kleid war präch¬
tiger als die der andern“ [7290]. So ein Führer der
Scharen hat nicht nur die Aufgabe, die Rotten zu ordnen
und zu leiten, sondern ermutigt und begeistert vor der
Schlacht durch eine entsprechende Rede die Seinen, denn
die Macht einer mutigen Rede ist außerordentlich groß.
K. 19208: „ein kühner Mann kann mit tapferen und mu¬
tigen Reden ein ganzes Heer auf die Beine bringen!“
B. und K. erzählen, wie die Führer ihre Scharen er¬
mahnen, daz si ze strite munder und z’eime kämpfe würden.
B. 3757: Priamus ernennt den Hector zum Herrn imd
Führer aller, mit dem Hinweis auf die Bedeutung dieses
Amtes: en tei sera Iw recocrier, ä tei se cenront con-
seillier : ne cueil qu’i, ait fil de baron qm rien face se
par tei non; de toz acras /« seignwie, la poeste e la
maistrie. e tu, guarde que sauce i seit . Vgl.
K. 18608 ebenso. Man beachte noch, wie bei B.
Paris eine große Rede vor seinen Leuten hält, worin er
den Raub der Helena bespricht [B. 4375 Ö'.]. Beide
Dichter haben den Zug, daß Hector als letzter von dem
Schlachtfelde heimkehrt [B. 10201; K. 37626].
4. Die „milte“.
Daß ein Held furchtlos, tapfer und fest ist, das ist
Gemeingut aller Zeiten, die Helden preisen. Aber eine
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andere Eigenschaft beweist uns. daß diese Hectors und
Jasons nicht griechische, antike Helden sind, sondern
höfische, mittelalterliche Kitter; das ist die milte'. Bei B.
fällt diese Eigenschaft kaum auf; hin und wieder erwähnt
er wohl, daß largece zum Ritter gehöre, aber ohne be¬
sonderen Nachdruck. Anders bei K. Der große und häu¬
tige Nachdruck, den er auf die milte legt, die Begeisterung,
die er für den mitten Ritter aufbietet, zeigt, wie sehr ihm
dieses Thema am Herzen liegt: „Was kann den Ritter
kühner machen als edle miltekeit ?“ sagt K. [18536] und
ergeht sich in endlosen Sentenzen über die milte. „Wer
milte ist und gerne gibt, der wird die Feinde besiegen!
— Wer milte ist, der überwindet alle Not! Der schöpft
Wasser in einem Siebe, der ohne milte mit Schild und
Speer in den Krieg geht . . . .“ Vor allem müssen die
Fürsten und Könige sich der Tugend der milte befleißigen.
Ebenda: „deren Hände müssen stets offen sein, wenn sie
große Dinge unternehmen wollen . . . Wie kann ein König,
der ungeme gibt, Ehre erlangen? Ein Reich, das nicht
auf milte gebaut ist, kann nicht bestehn! — So ein Land
nehme sich einen Baum zum Beispiel, der da einsam in
der Wüste steht und dessen Früchte niemand genießt
Der verdirbt schließlich und geht zu Grunde und ver¬
wildert, bis er endlich gar kein Obst mehr trägt. So
gehts auch dem Lande, dessen Gut nicht Gemeingut ist:
zehrt niemand von seinen Gaben, so wird es wertlos.“ Da¬
rum also ist milte unbedingt eine Hauptforderung lür einen
Ritter oder Fürsten. Ja, es ist milte geradezu der Ma߬
stab für die Liebe des Ritters zu seinen Mannen. B. 3733:
„Dann wird sich zeigen, wer die Seinen am meisten lieb
hat und am meisten geben wird!“ (so Priamus zu seinen
Söhnen). Und K. an dieser Stelle: „Ihr sollt die Führer
sein; ihr sollt ihnen lihen unde geben; dann kämpfen
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sie gern . . [18528] usw. (s. o.) Priamus mahnt ernst
und eindringlich : „ W er von euch am freigebigsten ist, der
scheint mir fruvn unde quec zu sein und ist mein Kind
von rechter Art. Wer aber knauserig ist, der wisse, daß
er nicht mein Sohn aus königlicher Ehe ist! Darum gebt!
gebt!“ Schon bei Schilderungen von Personen hebt B.
hervor, daß etwa Jason neben vielen anderen guten Eigen¬
schaften die der largece hat [B. 736] oder Troilus
[5446] oder Hector [5341]: de sa largece ne fu rien quar
se li mondes fust toz sien, sil do?iast tot a bones gern-
lui ne durot ors ne argem ne bons destriers ne palefreiz
ne riches dras ne bons couriez . . Hier sehen wir auch,
was alles geschenkt wurde. Wenn K. erzählt: „Als Paris
nach Cytharea kommt, kauft er seinen Genossen allerlei
kleincete“ [19 628], so streift das natürlich auch das Gebiet
der mitte. Diese Stelle ist übrigens Ks. Eigentum.
III. Religion.
In religiösen Fragen scheint K. ziemlich frei; jeden¬
falls betont er das Religiöse viel weniger als B.;
wenn ein andres Motiv neben dem der Religion in Frage
kommt, so entscheidet sich K. stets für das andere; z. B.
empfiehlt Medea zwei Opfer: B. 1706: eins, um die Götter
günstig zu stimmen, das andere, um für den Sieg den
Göttern Dank zu sagen. K. 9294 erwähnt nur ein Opfer:
das Dankopfer schien ihm nicht angebracht, da es nicht
der Götter Verdienst war, wenn Jason siegte. Damit
lällt bei K. auch die dreimalige afßicion [B. 1751] fort.
— Oder: wenn bei Jasons Rückkehr [B. 1987] die her¬
beieilende Menge den Göttern den Sieg zuschreibt, so
vertrug sich das nicht mit Konrads Aulfassung vom Ritter¬
tum! Somit läßt er das religiöse Motiv auf Kosten des
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ritterlichen fallen. — Wie B. ist auch K. bemüht, die
religiösen Anschauungen der Antike zu bewahren. Aber
die Macht der Götter hält K. keineswegs für so groß.
Wenn B. 2763 erzählt, wie die Menge in die Tempel der
Götter eilt, weil nur da Rettung zu finden ist, so traut
K. den Göttern in diesem Falle nicht zu, die Bürger
• •
schützen zu können. Überhaupt hat K. eine interessante
Auffassung von dem Charakter und Wesen der Götter.
1. Die Götter.
Die griechischen Götter hält K. überhaupt nicht für
Götter; nach seiner Meinung waren das Zauberer. ,. Leute,
als ir nü sit “ [860]; die hatten große Kenntnisse von
„Kräutern und von Steinen“, deren Nutzen und Eigen¬
schaften sie kannten (a. a. 0.); ja da gabs viele Gaukler
und Zauberer, die für Götter gehalten wurden! Natür¬
lich umgaben sich diese Betrüger, die auf die Dummheit
der Toren und Einfältigen rechneten [a. a. 0.], mit dem
Scheine des Wunderbaren, zogen sich in einsame Berges¬
gegenden zurück und ließen keinen in ihre Arbeit sehen.
Ihr huubetman war Jupiter; und nun zählt K. die „besten“
Götter auf; jedem gibt er sein charakteristisches Attribut
mit; da kommt Apollo, der Gott der Arzenei, mit seiner
apoteke; da sacli man büJisen inne stdn mit latwerjen uz
erkorn . . . [950]. Dann Herr Mars, der Gott des Krieges,
im Stahlpanzer gewappnet; der sollte, falls jemand wäh¬
rend des Festes (Hochzeit des Peleus mit der Thetis) un¬
botmäßig sein sollte, dagegen einschreiten; wie auch Apollo
seine Kräuter zur Verfügung stellte; während Cupido
ohne Nutzen zu bringen daher kam; dur Ul kam er nur,
mit Pfeil und Bogen versehen. Der Götterbote Mercurius ,
der sprachgewaltige, kam mit seiner biiJise . . mit brieven
und mit mären. Herr Bache versorgt die Gesellschaft
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mit Trank. Und so folgen Götter und Göttinnen, jeder
mit seinem Zeichen versehen.
2. Die „pfaffen“.
• •
Uber K.s Verhältnis zu seinem christlichen Glauben
und seine Stellung zur Kirche erfahren wir in seinem
Romane wenig. Das lag freilich am Stoffe; dieser brachte
es mit sich, daß er den Ritter unbedingt über den pfaffen
stellt. In einem Vergleich zwischen Ritter und Pfaffen
spricht K. klar aus, wie verschieden beide sind: „Der
Pfaffe soll in der Kirche schön singen und mit reichlicher
und guter Speise sich mästen“ [19146]. Vor allem weist
K. seine Einmischung in Fragen des Krieges und Kampfes
zurück : im ist von einer Wirtschaft ze redene baz gemwze,
als nämlich von Streit und Kampf zu sprechen, ein pfaffe
lieber oeze stark unde veste mursel denne er ze kamphe
würde snel unde üf ritterlichen strit [a. a. 0.]. Davon
versteht ein pfaffe nichts, und wer auf ihn hört, der nie¬
mals im Kampfe war, der ist töricht [19133]. K. hat
das von Benoit übernommen; auch dieser spricht scharf
gegen die proveire [3995]; aber bei B. ist die Beziehung
zu dem trojanischen Seher Helenus zu deutlich, als daß
man aus seiner Stelle schließen könnte, daß er auch die
christlichen pfaffen meint.
3. Zauberei.
Aus der Charakteristik der Götter, die K. gibt, geht
klar hervor, daß er an Wunderkräuter und -steine glaubt;
872: ouch lepten gnuoge bi der zit die zouberoere wären
und wunder in den jären mit gougelwise worhten ■ Diese
erfanden schcen unde niuwe liste und machten künste¬
lte Sachen. Ja, sie verstanden ihre „Meisterschaft“
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darin so gut, daß sie von einfältigen Leuten sogar für
Götter gehalten wurden! — Also „Götter“ waren das
nach K.s Meinung nicht; aber diese Wunderdinge konnten
sie zu Wege bringen! Und was für wunderbare Sachen
gabs da! Medea — so hatte K. bei Ovid gelesen —
konnte (abgesehen von kleineren Zaubereien, wie der Kunst,
kleine Bächlein in große Flüsse, Tag in Nacht zu wandeln usw.)
sogar alte Leute wieder jung und schön machen! Mit großem
Eifer erzählt uns K. diese Geschichte; doch scheint ihm da¬
bei nicht ganz wohl zu sein; er fühlt sich jedenfalls veran¬
laßt, Ovids Erzählung durch eine längere Erklärung zu
ergänzen: „Dieses Wunder braucht euch gamicht so un¬
möglich vorzukommen! Das ist wohl möglich! Man
hat schon viele Wurzeln gesehen, die solche Tugend und
Kraft hatten. Man findet Kräuter mancher Art, womit
man Wunder brauen kann. Einige von ihnen haben so¬
gar die Kraft, einen toten Körper lebendig zu machen.
Nichts auf Erden birgt solchen Schatz in sich als Steine,
Kräuter und Worte . Damm darf niemand sagen,
die Geschichte (der Verjüngung des Eson) sei nicht wahr;
zumal da gerade Medea diese Künste bis auf den Grund
verstand“ [10847]. Aus diesen Worten spricht deutlich
das lebhafte Interesse, das K. für diese Zaubereien emp¬
fand. Keine Frage, daß er sich mit solchen Dingen selbst
und gern befaßt hat; wie natürlich hat er doch die Be¬
schwörungsszene der Medea geschildert. Die Dindialus-
Episode, der Fisch aus den Wassern des Paradieses,
die Schar des Epistroples [24992], die halb Tier halb
Mensch waren, und die Wundersalbe der Hecuba [37690],
mit der sie Hektors Wunde bestreicht (B. hat da einen
berühmten Arzt, Goz, 10245), das alles ist Konrads Zu¬
tat. Daß ihm so etwas nahe lag, beweist auch die Stelle,
• • _
wo er — gegen B. — der Überlieferung folgt und den
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Achill gegen alle Wunden gefeit sein läßt [31 168]. Wie
überlegen K. in solchen Darstellungen dem französischen
Dichter ist, beweist z. B. die Schilderung des Wunder¬
bauines vor Priamus’ Saal [B. 6265; K. 17 560]. In Benoits
Darstellung kommt eigentlich nicht viel Wunderbares vor;
die Zweige sind von Gold, nigromance e grammaire
hatten daran gearbeitet. K. erweitert das sehr: ,,I)a gabs
künstliche Vögel! Die waren aus Edelsteinen gemacht;
weiße, braune, gelbe, rote und grüne. Die konnten Sommer
und Winter singen!“ Es kann auch K. nicht begegnen,
daß er wie B. 1672 „nicht weiß, wie die Salbe der Medea
gemacht war“. K. weiß das natürlich: „aus guten Wur¬
zeln hab’ ich sie gekocht . . . gar viele edle Kräuter hab
ich zerstoßen und gesotten“ [9308]. Endlich sei noch
einmal an die Bestandteile des Zauberwassers für die
Verjüngung des Eson erinnert [Ovid, Met. VII 266;
K. 10 658].
IV. Sittliche Anschauungen.
1. Beurteilung von Taten der Helden.
Beide Dichter äußern sich zuweilen über das Handeln
ihrer Helden. So z. B., wenn Medea den Geliebten gegen
alle höfische Zucht Nachts erwartet, hält sich B. nicht
darüber auf; K. aber erklärt diese Ungehörigkeit mit der
großen Liebe, die alle Schüchternheit überwand; die Ge¬
walt der Minne brachte sie soweit, „ein bißchen kühn zu
sein“ [8530]. — Als Jason der Medea den Eid leistete,
sie nie zu verlassen, da kann sich B. nicht enthalten, zu
bemerken: 1636 mais envers li s'en parjura covenant ne
lei ne li tint. por fo — espeir — Ven mesavint. K.
sagt davon kein Wort [9127 ff.] imd es ist kein Zufall,
daß K. die moralische Entrüstung Bs. nicht teilt: denn
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kurz darauf übergellt er wieder dessen Bemerkung: „Jason
brach ihr die Treue; verließ und betrog sie; das tut mir
leid; das ärgerte auch die Götter, sodaß sie dafür an
Jason Bache nahmen“ [B. 2039]. K. sagt zwar auch,
daß die ganze Sache ein übel rrnere war [10206], aber
von einem „leid tun“ ist bei ihm keine Rede, noch weni¬
ger davon, daß Jason von den Göttern dafür bestraft
werden würde. Die Götter haben damit garnichts zu
tun. Und wie ist B. erst empört darüber, daß Telamon
die Esiona nicht als eheliche Gattin, sondern als Kebse
mitnimmt! „Das ärgert und empört mich! ja, wenn er
sie als eheliche Gattin mit sich genommen hätte, dann
würde ich mich nicht ärgern“ [2793.] K. hat ein viel
weiteres Gewissen; er sagt kein Wort dazu: da lebte er
mit ir lange zit in herzehcher Hebe kraft; doch hete er
si ze friuntscliaft und niht ze sUeteclicher e [12976].
Mit der Konstatierung der Tatsache ist die Angelegenheit
erledigt. —
Nach der 1. Zerstörung Trojas blickt Benoit in die
Zukunft: welch schreckliche Folgen sieht er da: or est
la chose comenciee, que mout sera griefment vengiee [2841].
Da kommt ihm der Gedanke, ob die Trojaner nicht
besser getan hätten, die Rache zu unterlassen. Wie sagt
doch der gemeine Mann? teus cuide sa honte vengier
cui en avient grant encombrier. Auch K. greift den Ge¬
danken auf [17 742]: „Wer so gescheit wäre, daß er eine
ihm zugefügte Schmach übersehen könnte, wenn er weiß,
daß ihm die Rache noch mehr Unheil bringen würde,
der bewalnt sich wirklich vor Leid! Kann jemand aber
einen Schaden nicht vertragen und bemüht sich, ihn zu
rächen, so wird sein Unheil nur noch größer.“ Über¬
haupt, meint K., wer alles das, was ihm zugefügt wird,
gleich rächen wollte, der wird seines Lebens nie froh
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werden! Man überlasse doch Gott die Sache! Wenn man
aber entschlossen ist, ein großes Unternehmen ins Werk
zu setzen, dann: „respice finem!“ B.: 3646: Antenor
warnt den Friamus : quar qo nos dient li antor : qni grant
• hose vueut envair, la fin, a qu’il en deit venir, deit es-
guarder, se il est sages, que rCen vienge honte e damages-
K. 18302 ff. führt diesen Gedanken weitläufig aus. man
tuo sich des Beginnes abe, des man niht vollebringen
miige . . usw. Das ist ja eine sehr alte Weisheit und
K weiß ihr nichts hinzuzufügen. Ebenso stehts mit dem
folgenden Satze: B. 3675: Priamus legt seinen Rittern
den Zug nach Griechenland nahe: „Es ist nicht ausge¬
schlossen, daß wir, die wir besiegt wurden, nun unsere
Feinde besiegen! Oft hat man gesehen, daß die, die
besiegt wurden, wiederum gesiegt haben.“ K. schließt
sich der Meinung an, . gelücke ist gar ein
wildes lös, das dicke walset an und abe .
swer hiute sitset üf dem rode, der siget morne drunder
. . . [18400]. Man beachte wie K. die Vorlage durch
hübsche Bilder übertrifft. — Sehr interessant ist folgende
Stelle: Pantus widerrät den Krieg, der ohne Not ge¬
schieht Wer in Ruhe bleiben kann, soll sich deren
freuen und nicht den Krieg mit Gewalt herauf beschwören.
So richtig dieser Gedanke ist, den Rittern gefällt er gar
nicht. Während es sonst heißt: diu rede in allen wol
geviel, erzählt K. nach Pantus Rede : dö wart ein brehten
unde ein ruof. sin uisiu rede in allen schuof swier unde
grasen urdrus. swie rilich ere und manic nuts an sinem
rate läge , sie wiesen ihn zurück [19333]. Ebenso B.
4119: Man widerspricht dem Rate des Pantus. — Die
Gäste des Oetes werden durch ein großes Gelage beehrt.
Dagegen ist nichts zu sagen. Aber wenn so etwas
übertrieben wird, so fühlt sich K. veranlaßt, das zu kriti-
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122
sieren. K. 8924: Zu rechter Zeit ist Kurzweile angebracht;
aber es muß mit Maße geschehen; ohne mäze ist jeder
• •
Scherz vom Übel.“ — Als Antenor nach dem Mißerfolge
seiner Reise einsieht, daß alles weitere Reden nutzlos ist,
• •
da „tat er wie ein weiser Mann tut.“ „Wer nur Ärgernis
mit seinen Worten erregt, soll lieber schweigen“ [K. 18 217].
— Wie überzeugt K. ist, daß sich jede Schuld auf Erden
rächt, zeigen seine Worte, als Hector den Merion tötet.
Dieser hatte im Kampfe den Hector verwundet; jetzt
vergilt ihm Hector die törheit. Ze gelte ez etewenne
kumt daz ein gebür dem andern tuot [36516]. Er
erschlägt den Merion und macht an ihm wahr , daz
schulde Ixt und rastet niht, man richet ofte die geschiht,
der man vergezzen warnet hdn.
2. Gastfreundschaft.
Sie wird in der vornehmsten Weise ausgeübt. Ist
doch die Verletzung dieser Pflicht die Ursache des ganzen
Krieges gewesen. Laomedon hatte die Griechen verjagt;
„so begann es,“ sagt der Dichter. Sonst werden alle
Gäste — ohne Nennung des Namens zuerst — freund¬
lich aufgenommen und bewirtet. So sorgt Oetes um
Jason, so Menelaus um Paris. Der aber belohnt diese
Freundlichkeit mit schändlichem Verrat. Der Gast hat
nämlich auch Pflichten gegen den Wirt: darum hält
Menelaus nachher im Kampfe dem treulosen Paris
schmerzbewegt vor: wer hcete des versehen sich, daz edel
gast sin ere so gar unmdzen sere zerbreche an sime
wirtel [34342] „Ihr habt“ — fährt er fort — „bewiesen
damit, daß Ihr ein Bauernlümmel seid; ein edler Ritter
tut das nicht!“
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3. Die Gesandten.
Vor allem genießen Gesandte das Recht der Gast¬
freundschaft. Sie nehmen bei den Alten eine hohe
Stellung ein. Sie vertreten ihren Fürsten und beanspru¬
chen dieselben Ehren wie dieser. Darum werden auch
nur hochangesehene, vornehme Männer zu diesem Amte
gewählt; ciiers de haut parage war der Bote des Laomedon
[B. 1025], ein grave witze unde eren vol [K. 7006]. Was
er immer für eine Botschaft ausrichtet, seine Person
ist nicht verantwortlich. Er läßt sich auch nicht in
Auseinandersetzungen ein. jo ne ving pas a vos tencier ,
mon message vos ai dit bien, ne cuit qu’i obüasse rien.
jo n’en ai plus o vos que faire [B. 1110]. Ebenso K.:
der Bote macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daz ich
sinen willen sage [7020] und darumbe sint mir niht
gehaz, wenns eine böse Botschaft ist. Man kann übrigens
beobachten, daß Ks. Bote sich viel feiner seiner Aufgabe
entledigt als Bs., der gleich losschreit : „Der König fordert
euch auf, davon zu gehen!“ Bei K. kommt er erst nach
längerer freundlicher Erklärung zu dem Gebot, das Land
zu räumen. Doch auch er läßt sich auf nichts weiter
ein: ich hän iu siniu wort geseit und den willen sin
gezelt. darüber tuont ir, als ir weit; be/ibcnt oder varent
hin [7160]. Er geht, ohne daß die Griechen ihm etwas
zu Leide tun. Dem Antenor ergehts allerdings recht übel
in Griechenland ; aber schließlich kommt er doch heil zu¬
rück; nachdem er die beschimpfendsten Zomesausbrüche
der Fürsten eingesteckt hat (fiz a putain redete Nestor
ihn an), macht er sich schnell davon, jnr poi sor lui
n’est revertie [B. 3554]. Auch hier ist Ks. Ausdruck nicht
so schroff wie Bs. [K. 18 130 ff.]. Die Unverletzlichkeit
der Boten wird direkt ausgesprochen anläßlich der Ge¬
sandtschaft, die Ulix und Diomedes nach Troja führen.
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B. 6405: Priamus muß einschreiten, um zu verhüten, daß
Diomedes von den erregten Rittern morz e detranchiez
wird: „An meinem Hofe (sagt P.) darf einem Boten nichts
• •
Übles begegnen, was er auch für Botschaft bringe: por
mil mars d’or ne vueil jo mie qu’uns d'eus, i ait perdu
la viel “ ebenso bei K. 26 535: .... „wäret ihr nicht
Boten, ... ihr hättet eine schlimme Fahrt gewagt!4,
noch einmal 26698. Die Boten sind als solche schon
äußerlich kenntlich : sie tragen grüne schapelin aus Lorbeer¬
zweigen geflochten, womit sie andeuten wollten, daß sie
nur Frieden begehrten [K. 26380].
4. Patriotismus.
K. verrät eine hohe Liebe zum Vaterlande; „um
das Vaterland soll man sein Blut vergießen; lieber den
Tod erleiden, als sich aus seinem Lande verdrängen lassen“
[K. 30442; vgl. auch K. 12152]. Das ist nicht nur hu¬
manistischer Patriotismus. Wenn K. sagt: „Ehe man
. . . aus dem Lande geht, in dem die Mutter einen ge¬
bar, ehe wage man sein Leben . . Es ist eine große
Marter, das Vaterland zu verlassen, um in ein fremdes
Land zu ziehn, wo man nicht Verwandte noch Bekannte
hat“ [11 670], so spricht da warme Liebe zur Scholle.
Wir ertappen K. einmal, wie er — anachronistisch —
seinem eigenen Vaterlande, der tiuschen zungen, das Lob
singt: Nach Troja kommen auch deutsche Ritter: man
sol der tiuschen zungen ungerne alhie cergezzen, toan st den
pris besezzen und den geicin er co/den hat, duz ir lop eil
höhe stät und ob den liuten allen :eii. die sich an strite
han erwert. [23998].
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V. Gebräuche.
1. Versammlungen.
Die Entscheidung über irgend eine Unternehmung
hängt in unserem Romane fast stets von dem Beschlüsse
einer „Versammlung*1 ab. Bei jeder Gelegenheit wird der
Kriegsrat oder das „Parlament“ berufen; der König setzt
da die Sachlage auseinander und bittet die Mitglieder
um ihren Rat; oder er schlägt selbst vor, was zu tun
ist, und die anderen stimmen gewöhnlich zu; auch macht
einer der Anwesenden dem Könige den Vorschlag, den
dieser genehmigt. Es redet dann der Reihe nach jeder:
der eine für, der andere gegen den Vorschlag. Als die
Griechen unter Jason in Laomedons Gebiet landen, schickt
bei B. [1024] der König ganz selbständig den Boten ab;
bei K. läßt er „seinen Rat“ kommen [6978], und gibt zu
erwägen, die Griechen fortzujagen, der rät geviel in
allen wol [7005J. Ganz ähnlich fordert Priamus bei K.
den Rat der Ritter, als er die Rache für die Zerstörung
Trojas plant, während bei B. Priamus keinen Rat hören
will, sondern nur Hilfe zu dem beschlossenen Unternehmen.
B. 3209 ff. .... manderei lor . . . „und dann, wenn der Vor¬
schlag von den Griechen abgelehnt wird, werde ich mit
euch beraten, ob wir den Krieg beeilen sollen oder nicht.“
Den Vorschlag des Königs billigen alle; nus ne porreit
meillor doner [3247]. Bei K. 17 801 ist Priamus ent¬
schlossen, den Krieg zu beginnen, will aber erst ihren Rat
hören. Hierauf ziehen sich die Ritter zurück, beraten sich
untereinander und übermitteln dem Könige ihre Entschei¬
dung durch einen Sprecher (in diesem Falle: Hector, 17 875).
Dieser Hergang einer Versammlung ist Konrads Eigen¬
tum; wir haben auch eine ähnliche Stelle in der Iphi-
genien-Episode, die K. nach Ovid erzählt. Auch hier be-
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raten sich die Herren unter einander und übertragen
dann ihren Beschluß dem Ulixes, der den Wunsch der
Versammelten dem Agamemnon unterbreitet. Aber noch
trifft der Fürst keine Entscheidung: jetzt holt er den Rat
seiner hovediet ein, und erst als diese dasselbe fordern,
läßt er sich, wenn auch mit vielem Schmerze (vil küme )
überreden, die Tochter zu opfern [K. 24 252 ff.]. Noch
einmal finden wir dieselbe Art des Versammlungsverlaufs,
als Antenor seinen Auftrag bei den versammelten grie¬
chischen Fürsten erledigt. K. 18112: Sie traten aus dem
Saale hinaus und berieten sich; dem Thelamon wird der
Auftrag zu teil, ir aller rede zu übernehmen und er für
si gemeine besunder und aleine dem boten gcebe ant-
wiirte da. Die Wahl Ts. wird sogar begründet. Da er
die Esiona besaß (um deren Herausgabe es sich handelt),
so soll er umb ir getriuwez leben sprechen.
2. Totenfeiern. •
Die Bestattung der Helden wird sowohl von K. als auch
von B. in antiker Form erzählt, und zwar berufen sich die
Dichter ausdrücklich auf die Sitte jener Zeit; B.: quar
a rel fern . . . le f aiseil om al plus caillant quant (Ficest
siegle etrt trespassant quant i acait mort un baron, grunz
rhanz, grunz gieus i faiseif om , teus come al mort up-
parteneit solonc Vusage quil teneit [10376]; K. 38920
ebenso. Totenwachen, Spiele und kurzetoile finden wir
da; gebar pf et und geliret wurde die Nacht durch; dann
wird der Tote in einen Sarg von Marmor gelegt und be¬
graben. ouch wart eil maniger üf gehoben der im an eren
was geltch und wo/ mit höher koste rieh befolhen wart der
erden ; andere aber wurden verbrannt (davon steht bei
B. nichts).
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3. Sonstige Gebräuche.
Durch einzelne Andeutungen über fremde Gebräuche
erinnert uns K., daß wir in der antiken Welt sind. Helena
und Paris werden gleich zu einem Paare verbunden
[23 204]: „Es war in Troja so Brauch, wer einem Manne
sein Weib raubte, mußte es zur Ehe nehmen. Das
gilt, glaube ich, heute noch in Griechenland“, setzt K.
hinzu. Eine andere griechische Sitte, die auch „noch
heute“ besteht, ist die, daß die Frauen ihr Haupt mit
prächtigen Tüchern umwinden [K. 20270].
Konrads Verhältnis zu den lat. Vorlagen.
Es ist eine Art Gegenprobe, wenn ich schließlich
einen Bück werfe auf Ks. Verhältnis zu den lat. Dichtern,
die er herangezogen hat. Auch liier hat er seine Prin¬
zipien durchgesetzt; d. h. er nimmt nur, was er brauchen
konnte; er übergeht alles, was überflüssig, verwirrend^
schwierig war. Durchsichtige Klarheit ist sein Ziel, und
in diesem Sinne ergänzt er auch die klassische Vorlage,
wenn sie ihm nicht genügte (besonders in Schilderungen).
Die bei den Lateinern so beüebte Technik der Andeu¬
tungen führt K. breit aus. Ich darf mich hier auf zwei
Gesichtspunkte beschränken. Ist die Beziehung zu den
lat. Quellen doch sehr viel loser als zu B., insofern er sie
ganz beüebig, nicht fortlaufend heranzieht; andrerseits
schüeßt er sich, wo er sie wählt, sehr viel näher an als
an den Franzosen, weil sie seiner Künstlerschaft nicht
viel zu tun übrig lassen. Er wird durch die lat. Dichtung
besser befriedigt und fühlt sich ihr vertrauter als der
französischen. Seine freie Wahl und dieser nahe An¬
schluß vermindert das Beobachtungsmaterial.
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1. Weglassen mythologischer Anspielungen und
N amensum Schreibungen.
Für den klassischen Stil ist der Hinweis auf mytho¬
logische Voraussetzungen charakteristisch. Für Leser
oder Zuhörer, denen diese Tatsachen nicht geläufig waren,
bot das naturgemäß Schwierigkeiten. K. strich solche
Stellen ohne Bedenken. Hierher gehören auch die Um¬
schreibungen von Eigennamen, die vor allem bei Ovid
so häufig sind; aber auch Statius hat sie. So fand K.
etwa: Ovid, Met. IX 104: cenerat Eueni rapidus Joce
natrn ad undas. Der Joce natus ist Hercules. Die
unda Eueni sind der Fluß Euentts ( Ecenus ). Beide Um¬
schreibungen sind für K. zu schwer, den Flußnamen über¬
geht er ohnehin. K. überträgt also 37 981: Der eil edel
Emdes kam an ein wazzer tief. — O. IX 110: „Alcide,“
sagt Nessus, „ich will die Dejanira hinübertragen, du
schwimme nach!“ tradidit Aomus pacidam Ca/ydonida
Nesstis. Obwohl K. 37 976 von Culcidomu gesprochen
hatte, so umgeht er doch diesen Namen: . . . Dei¬
st urke bi derb Emdes .... die fron wen luter unde dar
diu Dianirä was geturnt , bot er mit toillen im zeliant.
Alcides sagt Ovid noch einmal IX 217 für Hercules,
IX 229: Jods inelyta proles (Herkules), 233: Poea/de
satus = Filothet K.; VII 164: Aesonides = Jason; 298:
Phasias = Medea (von Phasis, Grenzfluß in Kolchis);
322: safae Pe/ia = Töchter d. P. ; XII 19 und 27 : Thesto-
ndes = Kaleas [K. 24209.]; 34: Mycenis =■ Iphigenie;
36: Phoebe = Diana ; alle diese Umschreibungen hat K.
nicht. Das Blut, das aus des Centauren AVunde floß,
nennt 0. IX 130: mixtus Lertuiei tobe ceneni ; K. 38060:
„Der Pfeil des Herkules war vergiftet, er hatte ihn: in
eines slangen eitersaf yestözen Wenn O. 157 von
Lernaeae cirus Ecliidnae spricht, so spielt er auf mytlio-
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logische Beziehungen an : die Lernäische Hydra war eine
Tochter der Echidna und des Typhon. K. macht davon keinen
Gebrauch. Auch die in den Heroi'den vorkommenden Um¬
schreibungen ( Priumides , Leduea) übernimmt K. nicht;
ebensowenig die des Statius Tyrinthius = Hercules,
satae Lycomede sorwes = des Königs Töchter. Im Medea-
monologe läßt K. die Kamen der Scylla und C/iarybdis
(Ovid. Met. VII 62 ff.) weg. K.: „Wie aber soll ich übers
weite Meer kommen, wo wilde Wunder liegen?“ [8766].
Ovid nennt die Namen aller Orte, wo Medea die Wunder¬
kräuter holt: Met. VII 224: Ossa, Pelion, Othrys, Pindus,
Olympus, Apidantcs, Amp/irysus, Enipeus , Pe/ieus, Sperchios,
Boebes, Anthedon , „noch nicht bekannt durch die Ver¬
wandlung des Glaukus.“ K. übernimmt diese Namen
und die mythologische Anspielung nicht. — Ovid be¬
nennt die Substanzen des Heilkrautes mit ganz bestimmten
Namen, K. zählt nur allgemeine Stoffe auf: 0. 266:
1. lapides, vom äußersten Orient gesucht; 2. Sand vom
Ocean; 3. Reif, exrcptue lunu pernocte\ 4. Flügel
und Fleisch des st rix (Nachtvogel); 5. Eingeweide
des ambiyui lupi (Wärwolf); 6. die schuppige Haut
des Cinyphii che/ydri (= afrikanische Schildkröten¬
schlange); 7. die Leber des Hirsches; 8. Haupt und Ge¬
sicht der Krähe, nocem sueculu passue. K. 10658: 1. vom
Wasser des Paradieses etwas; 2. das Hirn einer 100jährigen
Krähe (Ovid 8); 3. das Herz einer Schlange (Ov. 6);
4. das Horn des Hirsches (Ov. 7). Ganz konsequent hat
K. seine Stilart durchgeführt. Jetzt sind die Zauber¬
substanzen verständlich und einfach. Als Paris der
Helena sein großes Geschlecht rühmt, erwähnt Ovid
(Heroi'de XVI 175): „Eine Pleiade und Jupiter kannst
Du in meinem Geschlechte linden.“ K. 21194: mir toont.
richeit und adel an und ist ein lcümc der cater min.
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Von Ilion sagt Ovid XVI 181: „Ilion sollst du sehn
und seine Mauern mit hohen Türmen, Plioebeae structa
canore lyrac u . . K. 21226: „Troja laß ich euch sehn, die
marmorgebaute !*‘ O. XVI 195 — 214: Die Erwähnung
des Ganymed, Titlion, Auroras Gatten, Anchises, Atheus
u. a. läßt K. weg. Ebenso die mythol. Anspielungen
O. XVI 257 270. Die Beispiele Ovids [XVI 345] da¬
für, daß nach einem Frauenraub kein Krieg folgte, läßt
K. weg bis auf Medea — Jason (das war in seiner Ge¬
schichte erzählt). Die Kamen, die Helena als berühmte
ihres Geschlechts nennt |0. Heroi'de XVII], über¬
nimmt K. nicht, bis auf Jupiter. Ebenso übernimmt
K. von den Beispielen in beständiger Liebe nur die
Ariadne [0. XVII 195, K. 22080 ff.]. Von den
Beispielen für Kriege, die um Liebe entstanden sind
[0. 249], nennt K. nur Medea — Jason, die O. gamicht hatte!
Statius II 415 ff. zählt einige Züge Achills zu fremden
Völkern auf, die K. fort läßt, erwähnt jedoch Kämpfe
As. mit den Lapithen und Centauren. Statius I 188
singt Achill von Taten großer Helden; K. 13732: ganz
allgemein. Von den Männern, die Frauenkleider anlegten
[St. 252], übernimmt K. 14 372 nur Jupiter und Hercules.
Diese selbständige Vereinfachung Ks. war eine sehr große
Erleichterung für das Publikum.
2. Auflösen schwerer Constructionen.
Eine größere Leichtigkeit des Satzbildes erreicht K.
auch dadurch, daß er die dem Lateinischen eigentüm¬
lichen knappen Constructionen beseitigt. O. Met. IX
119: Nesso . . . paranfe f allere deposUum gibt K. wieder:
38060: „Nessus, der Treulose sann auf Tücke und Hinter¬
halt; gern wollte er bei der „minniglichen“ Frau liegen.
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Er dachte bei sich: Ehe Herkules über den Strom käme,
hätte er seine Lust an ihr befriedigt. Dieser falsche Ge¬
danke entstand in seiner Brust. Er umarmte und küßte
das minnigliche Weib. Der „Wonniglichen“ wollte er
Ehre und Tugend rauben.“ Nicht nur, daß er die Parti-
cipialkonstruktion aufgelöst hat, sondern er umschreibt zu¬
gleich sehr ausführlich, was Ovid nur andeutet. Ks. Feder
geht mit ihm durch: es ist ihm unmöglich, eine Tatsache
knapp hinzustellen; er muß allen psychologischen Gehalt
herausholen und damit dem Leser die Mühe abnehmen,
sich das in Gedanken selbst auszumalen. So sei noch
einmal erinnert, wie ausführlich er den alternden Aeson
schildert, der mit dem lustigen Volke nicht mehr mittun
konnte und wollte (s. S. 46); ebenso die Ausmalung des
knöchernen Widders der Medea (s. S. 48). Ein anderes
Beispiel für Ks. Ausführlichkeit ist die Erzählung von
der Orakelschlange. Ovid, Met. XII 13: Die Griechen
sahen eines Tages serpere caeruleum . . drarunem in pla-
tanum coepfis qaae du bat proximu sarris ; darauf war ein
Nest mit 8 Vögelchen: quas simut , et matrein circum
sua damna cola/dem , corripuit serpcns ucidaque recondidit
atco. K. 24158: „Da stand ein Baum, schön und groß,
• •
mit weiten, breiten Asten; eine Weide war es, wie man
sagt; schön anzusehen; der Wipfel dicht belaubt“ usw.
„Die Schlange fraß die 8 Vögelchen; das neunte, die Mutter,
wollte die Kindlein beschirmen; sie schwebte treulich
über ihnen hin; aber auch sie ward verschluckt von der
Schlange.“ Sehr viel ausführlicher ist K. an folgender Stelle:
(Achill) Statius I 389: Schyron docebut eist 's feris udri-
dere\ K, 6126: „Sch. lehrte den Achill, in die Höhlen
der Bären einzudringen. Wurde er dann von den wilden
Tieren zerkratzt und zerbissen, dann freute sich Sch. und
küßte ihn zum Lohne. Kam er unverletzt nach Hause
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so dachte Sch. gleich, er habe nicht gestritten und sah
ihn böse an. Den Greifen mußte er aus ihren Krallen
die Jungen stehlen; hoch in die Berge stieg er hinauf
und da nahm er die yrifelin fort.“ Wieder dieselbe Auf¬
lösung: St. I 152: Sch. sagt zu Thetis: „Die Centauren
beschweren sich oft bei mir raptasque domos abstracto que
coram armenta, K. 13556: Die Centauren . . . si clagent
ungecelle dicke und ofte mir con im! eil grösen schaden
ich cernim , den' in geschehe con siner lumt. er Hebet
rauben unde braut in ir lande kreise, ir ohsen und ir
geize die tribef er alleine dun! Mit den bestimmten Tieren,
Ochsen und Ziegen, ist die Anschauung gegeben. Von
Achill sagt St. 301 ff: puer . . nul/o temeratus pectoru
motu . ., was K. autlöst [14710]: der nie durh minnec-
lichiu di/ic m/s ze noßten körnen e. con megden noch con
iciben we was im nie worden cot' d/r zit .
ern hübe nie getnutet noch gemeine! sine tage. Derartige
Stellen sind nicht nur für die Kompositionstechnik Ks.
lehrreich, sondern beweisen auch des deutschen Dichters
psychologische Gewandtheit Er versteht es aus den
schweren lateinischen Angaben merkwürdig viel sich an¬
zueignen und verständlich zu machen. Er muß mit dem
lateinischen Text sehr genau vertraut gewesen sein. Das
beweist ja schon der Umstand, daß er stets zur rechten
Zeit die richtige Ergänzung zu B. aus den Lateinern
herholt.
Schluß.
K. hat also zwei verschiedene Arten von Vorlagen
benutzt: Benoit und die Lateiner. Wie hat er sich nun
zu dem französischen Meister, wie zu den klassischen
Dichteni stellen müssen? Benoit bot ihm eine stilistisch
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wie stofflich durchaus ungenügende Grundlage. K. konnte
ihn nur als ungefähre Richtlinie benutzen; der franzö¬
sische Roman war der Boden, auf dem K. sein Werk
aufbaute. Aber er brauchte andere Vorlagen, um die
geplante Dichtung zu schaffen, und das waren ihm die
Lateiner. Diese waren in stofflicher wie stilistischer Be¬
ziehung vollendet (Ovid). Er konnte also, wo er nach
ihnen erzählte, sich eng an sie anschließen (z. B. Medea-
Monolog, die Liebesdialektik zwischen Paris und Helena).
Aber niemals lehnte K. sich so eng an seine Vorlage, daß
er nicht seine Eigentümlichkeiten beibehalten hätte. Klar¬
heit, Einfachheit und doch Ausführlichkeit hat er auch den
Lateinern gegenüber durchgesetzt (Iphigenien-Episode). Die
Anschwellung des Gedichtes rührt aber vor allem von
K.s Manier her, über alle möglichen Dinge und Ereignisse
seine Meinung in vielfacher Wiederholung auszubreiten.
Was hat nun die Untersuchung für das Bild des
Dichters Konrad ergeben? Er war weit mehr gründ-
• •
lieber, fleißiger Gelehrter als Dichter. Äußerlichkeiten
sind seine Größe. An Stelle wahrer Empfindungen
setzt er seine geistreiche Liebesdialektik; in der Natur¬
schilderung überträgt er auf den Leser nicht den un¬
erklärlichen Zauber, den er selbst empfand, sondern er
stellt die Elemente des Gesamtbildes hübsch zusammen.
Er interessiert und will interessieren durch blendende
Bilder, durch weithergeholte Vorstellungen, durch Rhyth¬
mus und Wortwahl, durch Psychologie und Gelehrsam¬
keit. Eine wirklich bewunderungswürdige Kompositions-
• •
technik bringt Einheit und Übersicht in das ganze Werk.
Mag man ihm auch im Partonopier z. B. Gedankenlosig¬
keit nachweisen*), hier im Trojanerkrieg kann man eher
*) Heinrich van Look, Strahburg 1881,
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von allzuraffinierter Überlegung reden als von Oberfläch¬
lichkeit, Weit entfernt, daß er die Tatsachen, wie sie
ihm zufielen oder einfielen, neben einander gereiht hätte,
er hat ein Werk aufgebaut, das bis ins kleinste durch¬
dacht und überlegt war. Nur so war es möglich, diesen
Stoff lesbar zu gestalten. Geholfen hat ihm dabei seine
erstaunliche Sprachkunst. Alle Mittel der Stilistik stehen
ihm zu Gebote. Wie er uns in seinen Liedern durch
seine Sprachkunststückchen frappiert, so werden wir in
seinem Romane durch seine leichte, geistreiche Rede an¬
genehm berührt. Mögen wir dies und jenes in seiner
Dichtung ablehnen, mögen uns die endlosen Parallelismen
und Tautologien als schwacher Ersatz für die Sprache des
Herzens erscheinen: niemals ist K. langweilig, niemals un¬
interessant. Dafür sorgt seine psychologische Spitzfindig¬
keit, seine blendende Sprache, seine Erzähl- und Plauder¬
kunst und seine oft geistvollen Einfälle.
Wir stellen an den Dichter gewiß andere Anforde¬
rungen: Geist, Wissen, künstlerische Berechnung sind uns
wertvolle, aber nicht die ursprünglichen Kräfte der schaffen¬
den Poesie. Aber wir dürfen diesen Maßstab an K. nicht
anlegen, während ihn Wolfram und selbst Gottfried ver¬
tragen. Billiger ist es, seine französische Quelle neben
K. zu stellen; da weist er denn überall in die Höhe, und
wir empfinden mit Freude che künstlerische Kultur, die
er in sehr achtbarer Sicherheit darstellt.
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14 DAY USE
RETURN TO DESK FROM WHICH BORROWED
PERIODICAL Dhbf
This book is due on the last date stamped below, or
on the date to which renewed.
Renewed books are subject to immediate recall.
Le
Als Sohn des Zw_
seiner Gattin Elisabeth,
rieh Basler, katholisc-
zu Mainz geboren. Na
Berlin vollständig dure-
Berlinische Gymnasium
Michaelis 1905 mit dei
bezog zur selben Zeit <_
bis heute deutsche und
ratur, daneben Philoso-
studiere.
Vorlesungen hörte ic‘
Erich Schmidt. R. M. X
ler -j-, Haguenin, Ebelinj
Schmitt — Riehl. Faulst
Seit meinem 3. Sei
liner Germanischen Seir
• •
den Übungen der Herrer
Haguenin (frz. Lit.), Elf
diger (deutsche Sprache’^
arbeitete ich mit an de
u. a.
aci
LD 21— 40m*4,'64
(E4555sl0)476
General Library
Univenicy of California
Berkeley
Allen meinen Lehrern schulde ich großen Dank.
Vor allem aber fühle ich mich Herrn Prof. Roetlie ver¬
pflichtet, der diese Arbeit angeregt und ihr Entstehen
mit tätigstem Interesse begleitet hat.
Die Promotionsprüfung bestand ich am 24. Februar
1910.
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ifaTua i A 1 rfi. ft-ji Itaiiao I "s’irVi. :o .l'-tvvftt
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